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Gymnasium Bethel

Elmar Brok zu Gast

Ein Mitglied des Europäischen Parlaments in unserer Schule:
Die Sozialwissenschaftskurse der Q2 im Gespräch mit Elmar Brok

Die in mittlerweile langjähriger Tradition stehende Expertenbefragung mit Elmar Brok fand in diesem Jahr unter besonderen Gegebenheiten statt.
Einerseits war das erste Mal ein Fernsehteam des BR anwesend, welches Filmmaterial für eine Dokumentation zum Thema "Europas Sicherheit" sammelte, andererseits waren die zu diskutierenden Themen vermutlich noch nie so aktuell.

Elmar Brok diskutiert mit den Schülern der Sowi-Kurse

Schließlich ist 2016 ein durchaus entscheidendes Jahr für die EU gewesen - egal, ob man sich den Brexit anschaut oder aber die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei und das damit zusammenhängende Flüchtlingsabkommen.

Zu beiden Themen formulierte Brok klare Worte und Positionen:
Das bestehende Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei gebe der EU die Möglichkeit, das Flüchtlingsaufkommen zu steuern und direkt in die Flüchtlingshilfe zu investieren, so Brok. Allerdings würde man, sollte sich die Türkei zu einem autokratischen Herrschaftssystem entwickeln, die Beitrittsverhandlungen abbrechen.

Den geplanten Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sieht Brok im Zusammenhang mit dem Problem, dass die Briten nie richtig in der EU angekommen seien. So erklärt er: „Der Brexit ist nicht gut für die EU, aber noch schlechter für Großbritannien.“ Die Europäische Union sei ein riesiger Erfolg, Kritik und Klagen erfolgten auf einem sehr hohen Niveau. Auch käme der größte Teil der Zuwanderer, über die sich die Briten nun teilweise beschwerten, aus den ehemaligen Kolonien des Empire, stünden also in keinem Zusammenhang zur Politik der EU. Indes müsse man die kommenden Austrittsverhandlungen abwarten und schauen was passiert.

Mit dem Blick auf die rechtspopulistischen Entwicklungen in einigen Ländern der EU und den in diesem Jahr anstehenden Wahlen übte der Experte Kritik an ‚Nicht-Wählern‘ und betonte die Notwendigkeit des Wählens noch einmal nachdrücklich. Zum ersten Mal zeige sich nämlich in der EU als Grundproblem die Frage nach der Richtigkeit des Systems der westlichen Demokratie. Populisten wie Le Pen oder Vertreter der AfD „finden alle Putin gut“ – d. h. „mehr Führung und weniger Demokratie“. Im Übrigen kennzeichne den Populismus bzw. Rechtsextremismus die Angst vor Fremden. Fremdsein werde als schlecht empfunden, da die Vertrautheit fehle. Dieses Problem könne man auch gut in den neuen Bundesländern beobachten.

Zusammenfassend sieht Elmar Brok möglichen Krisen eher gelassen entgegen und lobt die EU dafür, dass sie seit nunmehr rund 70 Jahren Freiheit und Frieden garantiert und die reichste und fairste Region der Welt sei.

Von Nele Zinn