
Das KL Buchenwald im System der NS-Lager4
Die Entstehung des KZ Buchenwald. 7
Die Entwicklung des Konzentrationslagers Buchenwald ab Kriegsbeginn 1939. 8
Ausgemerzt! Das Lexikon der Juden in der Musik und seine mörderischen Folgen. 14
Musiker im Gedenkbuch der ins Konzentrationslager eingelieferten deutschen Juden. 15
Das Lexikons der Juden in der Musik und seine Auswirkungen auf die Deportationen nach Buchenwald 22
Zwischen Selbstbehauptung und Fremdbestimmung - Kategorien der KZ-Lieder23
Die Häftlingskapelle in Buchenwald. 26
Musiker in Buchenwald – Eine privilegierte Stellung?. 28
„Rhythmus“ - ein internationales Jazzorchester in Buchenwald. 30
Entnazifizierung und politischer Wandel - Die Speziallager31
Vom Antifaschismus zum Antikapitalismus –. 34
die Ausblendung von Opfergruppen in der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR.. 34
Wandel der Erinnerung - vom „Denkmal für alle“ zum „Denkmal der Wenigen“40
Diskussion und Wandel der Konzeption eines großen Mahnmals in Buchenwald. 49
Erinnerungssorte in Buchenwald. 52
Erinnern organisiert - Die beiden Buchenwald-Ausstellungen. 57
Die Konzentrationslagerausstellung. 58
Gedenken und Erinnerung heute. 59
Arnold Schönberg wider der Judenassimilation im 19. Jahrhundert - "De Profundis",1950. 60
Musik gegen das Vergessen - Luigi Nono Il Canto Sospeso. 61
Wagners Musik als Filmmusik – Rezeptionsgeschichte seiner Musik nach 1945. 68
Die beiden Leistungskurse Musik und Geschichte des 12. Jahrgangs des Gymnasiums Bethel hatten sich entschlossen, das berufsorientierende Praktikum im ehemaligen KZ Buchenwald durchzuführen. Während unseres zehntägigen Aufenthalts haben wir im Archiv der Gedenkstätte und in Weimar zu den obigen Themen Material gesucht und ausgewertet. Die Archivarbeit hat z.T. neue Aspekte des (Über)lebens im Lager zu Tage gefördert, die auch in der historischen Forschung noch nicht erarbeitet worden waren. Die Arbeitsergebnisse wurden in einigen Facharbeiten und in den Beiträgen zu diesem Reader fixiert. Unser Dank gilt Frau Stein aus dem Buchenwaldarchiv, unserer Betreuerin Frau Frohwein, den Mitarbeitern des Thüringischen Hauptstaatsarchivs Weimar, Herrn Stucht vom Institut für Kirche und Gesellschaft und anderen, die uns unterstützt haben.
Martin Gentejohann
Ernst Steinberg
Für unser Leitfach-Praktikum der 12er LKs Musik und Geschichte begaben wir uns vom 21. – 31. März 2004 auf große Fahrt. Unsere erste Station war das Konzentrationslager Buchenwald, wo wir die erste Woche verbrachten. Unsere anfänglichen Vorbehalte gegen das Wohnen in einer ehemaligen SS-Kaserne (direkt neben dem eigentlichen Lager) wurden angesichts der „luxuriösen“ Zimmer (max. drei Personen) und des vorzüglichen Essens schnell aufgehoben. Pia, unsere pädagogische Kraft stand uns vom ersten Abend an mit Rat und Tat zur Seite, und wurde nie müde uns mit immer neuen methodischen Ansätzen zu überraschen. Richtig bewusst wo wir uns eigentlich befanden wurde uns allerdings erst nach der ersten Führung durch das Lager. Die direkte Konfrontation mit diesem historischen Ort und seiner Umgebung musste jeder erstmal auf seine Art und Weise verarbeiten. Nach dieser allgemeinen Einführung fingen wir an, die vorgegebenen Themen-Vorschläge zu bearbeiten. Die in diesem Reader veröffentlichten Beiträge sind dabei sehr selbstständig, zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten entstanden. Im Vordergrund stand dabei nicht nur die Auseinandersetzung mit dem kollektiven Leiden, sondern auch mit individuellen Schicksalen. Um die sachliche Auseinandersetzung mit den Themen zu intensivieren, war es oftmals notwendig auf emotionaler Ebene einen gewissen Abstand zu gewinnen. Die örtliche Abgeschiedenheit der Jugendbegegnungsstätte Buchenwald unterstützte zum einen die nötige Ruhe zum arbeiten, förderte andererseits aber auch den Wunsch nach Abwechslung. Am letzen Abend in Buchenwald „flüchteten“ wir dazu ins Nationaltheater Weimar um uns die Oper „Orfeo et Euridice“ von Christoph Willibald Gluck anzuschauen. Nach erfolgreicher kultureller Weiterbildung, diskutierten wir das Stück zunächst in einer gemütlichen Runde um danach in Weimars Studenten“club“ beim Salsa-Tanzen schon einmal die örtlichen „Locations zu checken“ (O-Ton Steinberg). Der Umzug in Deutschlands Kultur-Hauptstadt Weimar war was die Unterkunft betraf zunächst mit einem mittleren Schock verbunden, der einige Schüler zu der makaberen Aussage „Wir wollen zurück ins KZ !“ verleitete. Der Charme dieses kleinen gemütlichen Städtchens ließ uns jedoch über einige ungewöhnliche Eigenarten der Jugendherberge hinweg sehen. Neben der Weiterführung unserer Arbeit an den Beiträgen (viele der Themen ließen sich auch mit der Recherche für einige Facharbeiten verbinden) begaben wir uns in Form einer historischen Stadtführung in Weimar auf die Spuren von Goethe und Schiller.
Nach dem zweiten Umzug innerhalb von zehn Tagen nach Leipzig (die Großstadt hatte uns „wieder“) kamen vor allem die Musiker unter uns auf ihre Kosten. Der Besuch eines Gottesdienstes in der Thomaskirche mit Gesangseinlagen des Thomanerchores, die Besichtigung des Bachmuseums, sowie die des Mendelsohnshauses sprachen allerdings auch alle anderen an. Auch aufgrund der erneut „chilligen“ Unterkunft in dem Hostel „Sleepy Lion“ und den vielen Sehenswürdigkeiten Leipzigs waren viele der Meinung, dass unsere Zeit dort viel zu knapp bemessen war.
Allgemein lässt sich sagen, dass das Praktikum in jeglicher Hinsicht ein Erfolg war, der sich hoffentlich in den folgenden Beiträgen widerspiegelt.
Sarah Holz & Jonas Wixforth
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten begannen SA und SS ein „Angst-vor-Terror“-System über das ganze Land aufzuziehen. Die Konzentrationslager (KL, oder wegen der schärferklingenden Aussprache meistens KZ genannt) waren nur der stärkste Ausdruck dieses Systems und zugleich sein wirksamstes Mittel. In der Anfangszeit tauchten die Lager immer wieder in der NS-Propaganda auf, später wurden sie weitestgehend geheim gehalten.
Der Hauptzweck der Lager war die Ausschaltung jedes wirklichen und vermuteten Gegners der NS-Herrschaft. Jedoch sind einige Nebenziele der Lager unverkennbar. Zum einem dienten sie der Ausbildung der SS-Truppen zur psychologischen Abhärtung, des weiteren wurden Häftlinge zu „wissenschaftlichen“ Experimenten herangezogen, die den angeblichen Fortschritt der Menschheit fördern sollte. Ein dritter, materialistischer Nebenzweck der Lager war die Sammlung und Verwendung SS-eigener Arbeitssklaven, die nur für den Bedarf ihrer Herren zu leben hatten, solange sie leben durften.
Insgesamt unterscheidet man heute zwischen mindestens 16 verschiedenen Lagertypen, den:
- Arbeitserziehungslager
- „Lager für Aussiedlungszwecke“ in den besetzten und annektierten Ländern
- „Germanisierungslager“ für Kinder in Polen
- Ghetto-Lager
- Haftanstalten der Wehrmacht und Kriegsgefangenenlager
- Jugendschutzlager
- Lager für ausländische Zivilarbeiterinnen und Zivilarbeiter
- Lager für ungarische Juden im tschechoslowakisch-ungarischen Grenzgebiet Österreichs
- Polizeihaftlager
- Säuglings- und Kinderlager
- Sicherungslager Schirmeck-Vorbruck
- SS-Sonderlager Hinzert
- Strafgefangenenlager
- Zwangsarbeitslager für Juden
- Konzentrationslager
- Todeslager
Zu den wohl bekanntesten Lagertypen gehören die Ghetto-Lager, Konzentrationslager und Todeslager.
Die Ghetto-Lager in Polen wurden zur Konzentration und Isolation der polnischen Juden errichtet. Vor dem 2. Weltkrieg war Polen das europäische Land mit den meisten jüdischen Einwohnern (mit mehr als 3 Mio.). Die von vorneherein als Durchgangslager geplanten Komplexe wurden in der Nähe von guten Bahnverbindungen errichtet, um eine möglichst einfache Deportation zu ermöglichen. Die arbeitsfähigen Juden wurden in KL verschleppt, die anderen gingen den direkten Weg in die Todeslager.
Die Todeslager hatten ihren einzigen Zweck in der Ermordung unerwünschter Menschen.
„Die Todeslager waren Orte, an denen Menschen so behandelt wurden, als hätte es sie nie gegeben, Orte an denen sie im wortwörtlichen Sinne verschwanden.“ (Gudrun Schwarz, Die nationalsozialistischen Lager, 1990).
Keines dieser Lager bestand länger als 17 Monate, dann wurden sie dem Erdboden gleichgemacht um Spuren zu verwischen. Für sie gab es in der NS-Sprache weder einen Offiziellen- noch einen Decknamen, in NS-Dokumenten tauchen sie ebenfalls nirgends wo auf, sie existierten offiziell nicht. Die Todeslager waren deutlich kleiner als die KL, es gab lediglich einige Gebäude für die SS und wenige Baracken für die Arbeitsjuden, die die anfallenden Arbeiten in den Lagern zu verrichten hatten. Für die Ankommenden wurden keine Baracken benötigt. Sie wurden direkt getötet.
Die Todeslager sind in den Köpfen der Menschen oft als
das selbe wie die Konzentrationslager manifestiert. Diese unkorrekte
Gleichsetzung lässt sich auf die gekoppelten Lagerkomplexe wie Auschwitz und
Majdanek zurück führen, wo beide Typen nebeneinander bestanden.
In den Konzentrationslagern sollte der Tod durch Arbeit erfolgen. Die Inhaftierten waren in Baracken untergebracht und wurden zu verschiedener, zumeist körperlicher Arbeit herangezogen, an der sie in den meisten Fällen letztendlich völlig entkräftet zu Grunde gingen. Dabei waren die Konzentrationslager wie Wirtschaftsunternehmen konzipiert. Die Arbeitsstätten lagen in unmittelbarer Umgebung der Häftlingsbaracken. So auch in Buchenwald, wo die Gustloff-Werke direkt an das Lager angeschlossen wurden
Das KL Buchenwald galt nach Dachau als ein Musterbau und war eines der größten von insgesamt 22 Konzentrationshauptlagern (die ersten Sieben entstanden zwischen 1933-39, bis 1942 kamen noch einmal 8 weitere hinzu, im Jahr 1943 wurden noch einmal 7 weitere eröffnet). Diesen zweiundzwanzig Hauptlagern unterstanden insgesamt, nach heutigem Forschungsstand, 1202 Außenkommandos. Von ihnen waren 329 mit Frauen, 813 mit Männern und 60 mit Häftlingen beider Geschlechter. Alleine 129 dieser Außenkommandos unterstanden dem 1937 erbauten KL Buchenwald, hinzu zu zählen sind noch 30 Weitere, die später anderen Lagern unterstellt wurden, sowie vier SS-Baubrigaden und vier SS-Eisenbahn-Baubrigaden. In 79 Buchenwalder Außenkommandos mussten die Häftlinge in Hütten-, Bergwerken oder anderen Industrieunternehmen arbeiten. 33 Außenkommandos wurden zu Bauarbeiten herangezogen, in Sprengkommandos und zur Bombensuche wurden Häftlinge aus vier Außenlagern eingesetzt. Drei dieser Lager erbrachten Dienstleistungen für SS-Dienststellen, weitere drei Ausbesserungsarbeiten für die Reichsbahn. Bei sieben Außenkommandos ist nicht bekannt zu welcher Arbeit sie herangezogen wurden.
Insgesamt 140.000 Häftlingsnummern sind seit dem 15.7.1937 im KL Buchenwald registriert worden. Die tatsächliche Zahl ist jedoch deutlich höher, da die Nummern nach dem Tod des Häftlings erneut vergeben wurden. Zusätzlich kam ab 1944 eine unbekannte Anzahl an Frauen in das KL Buchenwald. Mehr als 56.000 Menschen verließen das Konzentrationslager Buchenwald nicht mehr lebend.
Steffen Vogt

Nach der Auflösung des von der SA betriebenen „wilden“ KZ „Nohra“ bei Weimar wurde im November 1933, in Bad Sulza, einem Ort nahe Weimar, ein neues KZ für ca. 250 Häftlinge eingerichtet. Am 1.4.1936 wurde es an die SS übergeben. Als das Reichsfinanzministerium die Zuschüsse für Lager und Häftlingskosten einstellte, und die Bezahlung für die SS-Wachverbände übernahm, bedeutete das eine wahrscheinliche Auflösung des KZ Bad Sulza, da es neben Kislau und Kuhberg kein Geld für die SS-Truppen erhielt.
Der Reichsstatthalter von Thüringen, Fritz Sauckel und der Führer der SS-Totenkopfverbände, Theodor Eicke hielten an der Idee eines Konzentrationslagers nahe Weimar fest, und verständigten sich auf die Verlegung des preußischen KZ im Schloss Lichtenberg nach Thüringen.
Nachdem auch Heinrich Himmler zustimmte festigte sich die Idee eines Lagers für ca. 3000 Gefangene. Das Lager sollte nach dem Vorbild Dachaus aufgebaut werden, und einen neuen Typ von KZ darstellen. Um Hitlers Einverständnis zu bekommen nutzte Eicke die Tatsache, dass Thüringen schon früh eine NS-Hochburg war, wo bereits vor 1933 Regierungsposten und das Amt des Ministerpräsidenten von der NSDAP gestellt wurde. Die Suche nach einem geeigneten Platz wurde dem Leiter der Polizeiabteilung im Thüringischem Innenministerium, Hellmuth Gommlich übertragen. Nach Vorschlägen Eickes suchte Gommlich nach einem zusammenhängendem Waldgebiet in der Größe von 75 Hektar, in der Umgebung von Weimar, wo auch abbaugeeignete Lehm- und Tonvorkommen vorhanden waren.
Die Wahl fiel auf den Ettersberg, der nördlich von Weimar liegt und eine Höhe von 478 Metern über dem Meeresspiegel hat.
Nach der Entscheidung gab es erste Interessen aus der
Umgebung für die Arbeitskräfte der Häftlinge. Zwei Monate nachdem Eicke am
5.5.1937 der Wahl zustimmte begann die Rohdung des Waldes am Nordhang um Platz
für das Lager zu schaffen. Das Lager war inzwischen für 8000 Häftlinge
vorgesehen, in den Plänen war auch schon der Zivilbereich für die
SS-Wachverbände geplant.
Nach Protesten der Weimarer Ortsgruppe „NS-Kulturgemeinde“ gegen den Namen „K.L. Ettersberg“, da der Ettersberg ein Gedächtnisort der Weimarer Klassik war, entstand der Kunstname Buchenwald.
Das anfänglich 46 Hektar große Gebiet wurde durch Zwangsverkäufe der umliegenden Gemeinde auf 104 Hektar erweitert, und in den folgenden Jahren noch einmal auf 190 Hektar vergrößert. Am 15.07.1937 wurde das KZ Buchenwald mit der Ankunft der ersten 149 Häftlinge eröffnet. In der folgenden Zeit wurde das Konzentrationslager mit Häftlingen aus den aufgelösten KZs Sachenburg und Lichtenburg gefüllt. In der ersten Ausbauphase wurde der Wald weiter gerodet und die SS Bereiche und das Schutzhaftlager gebaut. Des weiteren wurden sowohl Straßen und Wege als auch eine Kanalisation und Stromleitungen angelegt. Das Matetrial stammte aus dem nahe gelegenen Steinbruch. In der folgenden Zeit wurden zwei weitere Siedlungen für die SS, ein Falkenhof und eine Reithalle geschaffen.
Bis Ende 1939 wurde die „Blutstraße“ angelegt eine von Häftlingen angelegte Betonstrasse, die das KZ mit Weimar verband.
Manuel Walkenhorst
Das Konzentrationslager Buchenwald hat von seiner
Entstehung im Juli 1937 bis zu seiner Befreiung am 11. April 1945 drei
unterschiedliche Phasen erlebt. Das Lager veränderte sich in Zahl,
Zusammensetzung und Aufgaben. Der erste Abschnitt ist die Zeit von Beginn des
Aufbaus des Lagers 1937 bis zum Beginn des Krieges am 1. September 1939. Die
zweite Phase der Lagergeschichte reicht vom Kriegsbeginn 1939 bis Ende 1941, in
der sich das Lagerbild entscheidend veränderte.
Zum einen vollzog sich der Strukturwandel innerhalb der Lagerführung, zum anderen veränderte sich die Zusammensetzung der Häftlingsgruppen. Während anfangs vorwiegend österreichische und deutsche Häftlinge inhaftiert wurden, so waren es seit Kriegsbeginn überwiegend Häftlinge aus den von den Nationalsozialisten überfallenen Ländern. Außerdem kamen viele sogenannte „Wehrunwürdige“ ins Lager, darunter fielen vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaftler. Während jugendliche Häftlinge unter zwanzig Jahren bis 1942 im Lager die Ausnahme bildeten, machten sie im Verlauf des Jahres 1944 ein Drittel aller Häftlinge aus und waren somit die im Konzentrationslager am häufigsten vertretene Altersgruppe.
Die dritte Phase der Lagergeschichte vom Sommer 1942 bis April 1945 ist gekennzeichnet durch die sprunghaft ansteigende Zahl der Häftlinge. Die Zahl der Außenkommandos wächst an Zahl und Umfang, insgesamt auf 136. Tausende Häftlinge wurden in die Außenlager geschickt, um dort in Rüstungsbetrieben Zwangsarbeit zu verrichten. Dies war notwendig geworden, durch große Verluste der deutschen Wehrmacht an der deutsch-sowjetischen Front. Die Nationalsozialisten waren gezwungen, alle verfügbaren Arbeitskräfte in der Rüstungsproduktion einzusetzen. Diese Entwicklung wird besonders deutlich ab Sommer 1943, als die im Lager eintreffenden Transporte ausländischer Gefangener unmittelbar in die einzelnen Außenkommandos geschickt wurden. Das Konzentrationslager Buchenwald wurde zunehmend zum Durchgangslager. „Vernichtung durch Arbeit“ wurde zur Hauptmethode des Terrors.
Trotz der vielen Außenlager war Buchenwald ab 1942 permanent überfüllt. Die Nationalsozialisten waren gezwungen ein weiteres Lager einzurichten, das sogenannte „kleine Lager“. Die Häftlinge lebten dort unter katastrophalen Bedingungen ohne Licht und ohne jegliche hygienische Einrichtungen innerhalb der Baracken. Es gab primitive Waschgelegenheiten im Freien. Als Schlafgelegenheiten wurden Holzpritschen eingebaut, vier Lagen übereinander. Schon im Sommer 1944 reichten die Stallbaracken bei den ununterbrochenen Massenzugängen nicht mehr aus. Neues Gelände innerhalb des Lagers wurde umzäunt und zwei große Zelte aufgestellt, in denen zeitweise bis zu 6000 Mann untergebracht waren. Die Häftlinge mussten ohne Decken auf dem blanken Boden schlafen, hygienische Einrichtungen waren nicht vorgesehen. Die Aufstellung dieser Zelte war notwendig geworden, da aus den besetzten Ländern immer mehr Gefangenentransporte eintrafen. Des weiteren kamen Transporte hinzu, deren Häftlinge aus den Außenkommandos als nicht mehr „arbeitsfähig“ zurückgeschickt wurden. Für sie wurde ein weiteres Zeltlager aufgestellt, in dem es kaum eine Überlebenschance gab.
Im
Verlaufe des Krieges änderte sich auch der Charakter der einzelnen
Einrichtungen im SS-Bereich und im gesamten Konzentrationslager. So wurde zum
Beispiel der massive Pferdestall, der ursprünglich als
Stellplatz für die Pferde der SS-Wachmannschaften diente, zur
Erschießungsstätte umgebaut. Zudem
wurde eine große Anlage zur Hundehaltung an der Westseite des Lagers
gebaut, da ab 1942 verstärkt, speziell
auf die Häftlinge abgerichtete Hunde, zur Bewachung eingesetzt wurden.
Östlich des Appellplatzes, wo im Winter 1939/40 das primitive Zeltlager stand, in dem Hunderte Juden und Polen umkamen, wurde Ende 1940 das erste Krematorium gebaut, für das zwei Jahre zuvor noch keine Genehmigung erteilt worden war. In den folgenden Jahren wurden mehrere Baracken zu medizinischen Versuchsstationen umgebaut und Ende 1941 entstand die Pathologie.
Ab 1942 erfolgte der Weiterbau des Lagers zum Durchgangs- und Stammlager. Für den Kriegsbedarf der Waffen-SS erwarb die SS Lagerwerkstätten und gründete die Filiale der Deutschen Ausrüstungswerke GmbH (DAW), in denen etwa 500-1400 Häftlinge arbeiteten. Mit der Eröffnung dieser Werke trat seit 1940 deutlich die funktionale Dreiteilung des komplexes in SS-Bereich, „Schutzhaftlager“ und Produktionsstätten hervor. Bei einem Bombardement am 24. August 1944 wurde das Rüstungswerk, sowie Teile des SS-Bereichs, zerstört.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entwicklung des Konzentrationslagers Buchenwald besonders durch den Beginn des Krieges 1939, als auch durch seinen Verlauf, bzw. durch die Kriegswende Ende 1942 geprägt wurde. Die ununterbrochenen Massenzugänge seit Kriegsbeginn machten einen Ausbau des Lagers nötig. Dies zog außerdem die Entstehung weiterer Außenlager mit sich. Zum einen, weil ein Platzmangel zur Unterbringung der Häftlinge herrschte, zum anderen wurden seit Kriegsbeginn Arbeitskräfte für die Rüstungsproduktion benötigt. Damit veränderte sich die Gesamtstruktur des Lagers. Es wurde zu einem sogenannten Durchgangslager, bei dem die Arbeitsleistung der Häftlinge ausschlaggebend war. Diese Entwicklung verstärkte sich noch 1942, als die deutschen Truppen die entscheidende Schlacht bei Stalingrad verloren und damit vermehrt die Arbeit in den Rüstungsbetrieben notwendig wurde.
Annika Schürmann und Sandra Tirre
In einem Konzentrationslager wie Buchenwald Widerstand
zu leisten, hieß in seinen Anfängen ab 1937 zunächst sich seine eigenen
Lebensbedingungen so erträglich wie möglich zu machen und sich von den
Schikanen der SS nicht brechen zu lassen, um den eigenen Überlebenswillen nicht
zu verlieren.
Dieser zunächst einmal sehr individuelle Selbsterhaltungstrieb war jedoch nur mit dem Prinzip der Solidarität durchzusetzen, nicht aber mit Egoismus, der trotz Annäherungsversuchen an die SS oft schneller mit dem Tod endete, als sich der Gemeinschaft anzuschließen. Sich heimlich zusätzliche Nahrungsmittel zu besorgen, sich die hygienischen Umstände durch das Bauen von Zahnbürsten, provisorischen Toiletten, oder das Waschen seines Häftlingsanzuges wenigstens in sehr geringem Maße erträglich zu machen, hieß sich Mut zu schaffen, gegen die Ziele der SS zu handeln und somit aktiven Widerstand zu leisten.
Der Wille und der Mut sich nicht einfach seinem Schicksal zu ergeben, war bei den Häftlingen, die aufgrund von ideologischen, antifaschistischen Überzeugungen nach Buchenwald gekommen waren, wesentlich ausgeprägter als bei zum Beispiel der Gruppe der „Berufsverbrecher“ (BV’er). Diese, mit dem grünen Winkel gekennzeichnete und deswegen im Lager nur „Grüne“ genannte Häftlingsgruppe, wurde von der SS oft richtigerweise als brutal, gewissenlos, und egoistisch eingestuft, weshalb sämtliche Funktionen im Lager zunächst unter ihnen aufgeteilt wurden. Diese auch Kapos genannten Funktionshäftlinge unterstanden zwar immer noch bedingungslos der SS, hatten aber im Lager z.B. als Lager- oder Blockältester eine hierarchisch höhere Position. Sie durften andere Häftlinge (auch bis zum Tode) bestrafen, konnten Befehle der SS im Lager ausführen, oder selbst Befehle an andere Häftlinge erteilen. Oft genug verlangte die SS dieses sogar, wobei beschrieben wird, dass diese „grünen Kapos“ häufig auch sehr gewaltbereit waren, und viele aus dem Glauben heraus, sich persönliche Vorteile zu verschaffen, oder aus Lust an psychischer oder physischer Misshandlung, die Befehle der SS gerne ausführten.
In dieser Zeit bekam der vor allem von Kommunisten, Sozialdemokraten, gläubigen Christen, gefangenen Soldaten und Widerstandskämpfern geplante Widerstand eine neue Dimension. Das Ziel war nun geworden, die „Grünen“ aus den Rollen der Kapos und Vorsteher zu verdrängen und durch Häftlinge aus der solidarischeren Gemeinschaft, also zumeist durch politische Häftlinge, zu ersetzen. Die „Grünen“ wollten dieses verhindern, standen sich dabei jedoch oft selbst im Weg. Denn Funktionshäftling war man keinesfalls auf Dauer. Diese Ämter konnte man durch die willkürlichen Entscheidungen der SS genauso schnell wieder verlieren, wie man sie bekommen hatte.
Da zu dieser Zeit immer mehr grüne Kapos in Korruptions- und andere Betrugs-Affären verstrickt wurden, entband die SS die meisten von ihnen von ihren Aufgaben und ließ sie entweder in Vernichtungslager abtransportieren, oder brachte sie in Buchenwald mit den verschiedensten Methoden um. Dies bot allerdings für einige politische Häftlinge die Möglichkeit, Funktionen im Lager zu übernehmen. Viele der roten Kapos nutzten ihre Funktionen einerseits um Konflikte und Probleme im Lager unter möglichst weitgehendem Ausschluss der SS zu klären, was von vielen als enorme Erleichterung und Rückgang der Gewalt und Tötungen wahrgenommen wurde, andererseits bot sich aber für rote Kapos in bestimmten Funktionen auch die Möglichkeit an Informationen zu kommen, die den Häftlingen normalerweise verborgen blieben. Durch das geschickte Aufbauen von Beziehungen zu SS-Leuten, bekamen einige wenige rote Kapos sowohl Informationen über das Kriegsgeschehen und die politische Lage außerhalb des Zaunes, als auch über geplante Aktionen der SS innerhalb des Lagers. Auch wenn diese Risiken nur wenige Kapos eingingen, (ein bekannt werden der eigentlichen Ziele einiger roter Kapos hat deren sofortigen Tod bedeutet) waren diese Informationen die Grundlage für den langsam entstehenden, organisierten Widerstand.
Dieser Widerstand musste sowohl gegen den SS-Terror, als auch gegen Denunzianten und Helfer der SS aus den eigenen Reihen, so wie gegen Mutlosigkeit und Verzweifelung geführt werden. Zunächst wurde eine KPD-Organisation, ähnlich wie außerhalb des Konzentrationslagers, gegründet, bei der aus jeder Gruppe jeweils nur einer den Verbindungsmann zur nächst höheren Ebene kannte. Diese Organisation hatte sich zunächst die gegenseitige Hilfe als Ziel gesetzt, d.h. jeder versuchte in seiner Abteilung und mit seinen Möglichkeiten alles zu tun, damit es Anderen besser ging. Dass die Möglichkeit dazu nur eine verschwindend geringe Minderheit hatte, hieß nicht, dass man nicht trotzdem versuchte den Nutzen auf eine möglichst große Häftlingsanzahl zu verteilen. Allerdings stand dabei das Überleben und Wohlergehen der „roten“ Häftlinge, vor allem der deutschen Kommunisten, im Vordergrund.
Man versuchte von Anfang an neu ankommende Häftlinge aller Nationalitäten in diese Gemeinschaften einzubinden, was allerdings auch oft am Misstrauen der Neuankömmlinge, oder an Verständigungsschwierigkeiten scheiterte.
Im Sommer 1943 vereinigte sich dann der Buchenwalder Widerstand in der Gründung des Internationalen Lagerkomitees (ILK). Die Mitglieder trafen sich an streng geheimen Orten und organisierten für diese Treffen „Sicherheits-Leute“, die im Falle eines ungebetenen Besuchers dafür sorgen sollten, dass dieser nichts von den geheimen Treffen mitbekam. Das ILK machte es sich zur Aufgabe, um jeden Preis das Leben der Antifaschisten zu erhalten (nicht selten kostete dieses Vorhaben das Leben eines anderen Häftlings), alle Widerstandsorganisationen zu vereinen, systematische Sabotagen in der Rüstungsproduktion und die Vorbereitung einer bewaffneten Auseinandersetzung mit der SS. Vor allem die letzen beiden Ziele hingen oft eng zusammen.
Die Sabotage-Akte in der Rüstungsindustrie sollten vor
allem in den nahe liegenden Gustloff-Werken systematisch durchgeführt werden.
Einzelaktionen die leicht auffliegen konnten wurden von der ILK-Leitung strikt
untersagt. Den Arbeitskommandos in diesen Werken gelang es immer wieder
einzelne Produktionsserien so zu sabotieren, dass z.B. Gewehre und Pistolen,
nach der Produktion und erstmaligem Einsatz, unbrauchbar wurden, und somit
Schuld für diese Fehler nur sehr schwer nachgewiesen werden konnten. LKWs
wurden so präpariert, dass sie nach mehreren hundert Kilometern Einsatz einen
Defekt aufwiesen und immer wieder gelang es sogar einzelne Waffen, die mit
falschen Siegeln „Produktionsfehler“ versehen wurden, von den Kommandos ins
Lager zu schmuggeln. Auch wenn die Anzahl der sabotierten Produktionen im Verhältnis
relativ gering waren, so brachte doch jedes defekte Gewehr moralischen
Aufschwung und das Gefühl den faschistischen Krieg behindert zu haben.
Die Anzahl an geschmuggelten und zum Teil selbst zusammen gebauten Waffen war zu Beginn des Jahres 1945 jedoch beachtlich. Das Arsenal, das in sieben verschieden Verstecken und unter höchster Sicherheit versteckt wurde, betrug ein leichtes Maschinengewehr, 96 Karabiner, 100 Pistolen, 123 Handgranaten, 1100 Brandflaschen, 50 Hiebwaffen und ca. 90 Stichwaffen. Diese Waffen waren vorgesehen für die Internationale militärische Organisation (IMO), einer Unterorganisation des ILK, die sich den bewaffneten Kampf gegen die SS zur Aufgabe gemacht hatte und deren Mitglieder alle nur zuverlässige und militärisch verwendbare Häftlinge waren. Diese Mitglieder wurden durch das Geschick einiger Kapos in die gleichen Baracken und gleichen Arbeitskommandos verlegt, um jederzeit einsatzbereit zu sein. Natürlich konnte selbst ein so bewaffneter Einsatz nicht allein gegen bis zu 6000 schwer bewaffnete SS-Leute durchgeführt werden. Deshalb hatte man ein Radio geklaut und versteckt und so erfahren, dass die amerikanische Arme immer näher rückte. Man wartete nur noch auf den richtigen Zeitpunkt.
Die SS versuchte in den letzten Tagen des
Konzentrationslagers Buchenwald so viele Häftlinge wie möglich in
Vernichtungslager zu „evakuieren“. In einigen Fällen konnte dieses von
ILK-Funktionshäftlingen verhindert werden, was 20000 Häftlingen das Leben
rettete. 10000 Häftlinge allerdings wurden noch in den letzten Tagen evakuiert.
Die meisten von ihnen mussten ihr Leben lassen. Am 11.April 1945 um 12.10 Uhr
kam dann der Befehl, dass alle SS-Leute das Lager verlassen sollten und dass
die Amerikaner nur noch einige Kilometer entfernt waren. Das war das Stichwort
für die IMO, die nun zum Angriff überging, die Wachtürme besetzte und etwa 120
SS-Leute gefangen nahm. Das Lager war nun frei und am 13.April 1945 trafen dort
auch die Amerikaner ein.
Trotz des enormen logistischen Aufwands und Erfolges des ILK und der IMO fällt es schwer von einer Selbstbefreiung der Häftlinge in Buchenwald zu sprechen, da die Übernahme des Lagers ohne den militärischen Druck der näherrückenden Amerikaner nicht möglich gewesen wäre. Der Widerstand in Buchenwald war der größte, den es in einem Konzentrationslager gab. Trotzdem war an diesem Kampf natürlich nur ein relativ geringer Teil der Häftlinge beteiligt, die durch den Gedanken an Freiheit zwar immer wieder ihren Tod riskierten, dadurch aber letztendlich ihren Lebensmut erhalten konnten.
Jonas Wixforth
Das Lexikon der Juden in der Musik erschien im Jahre 1940 und entstand während der Zeit des gesamten Zweiten Weltkrieges. Hauptverfasser war Herbert Gerigk, Musikwissenschaftler und seit 1937 Leiter des „Amtes Musik“, eine Unterabteilung des Amtes Rosenberg. Gerigk war unter anderem langjähriges Mitglied der NSDAP.
Im Lexikon der Juden in der Musik sind die Namen vieler jüdischer Musiker bzw. Musikerinnen verzeichnet die zur Zeit der Weimarer Republik gelebt hatten. Dabei waren „Größen“ wie Schönberg oder Schrecker aber auch unbekannte Komponisten, Berufsmusiker oder Musiklehrer. Zu den aufgelisteten Namen waren noch Geburtsort, Geburtsdatum und Wohnort sowie möglichst viele Daten zu Beruf und Werken aufgelistet. Außerdem enthielt das Lexikon der Juden in der Musik ein Titelverzeichnis von Opern, Oratorien, Operetten, Singspielen, Tonfilmen, Volksstücken usw. mit den Namen der Komponisten.
Diese Angaben waren für „nicht-jüdische“ Musiker, Musikerzieher, Politiker usw. gedacht, um jenen „unbedingte Sicherheit zu geben , die hinsichtlich der Judenfrage gefordert werden muß“ (Zitat: Herbert Gerigk). Dies bedeutete für die meisten dort verzeichneten jüdischen Musiker Ausschluß sowie Verachtung, die schon allein durch den herablassenden Ton und die Beleidigungen im Lexikon geschürt wurde. Das Lexikon verhinderte zum Teil die gebührende Anerkennung, die einigen Musikern zugestanden hätte. Auch führte der Weg der Opfer oftmals ins Exil, da weniger jüdische Werke veröffentlicht bzw. aufgeführt wurden. Viele der Künstler wurden Arbeitslos.
Jetzt stellt sich die Frage, ob ohne die bewusste Diskriminierung durch das Lexikon der Juden in der Musik, die Todesrate der ermordeten jüdischen Musiker geringer gewesen wäre. Mit dieser Frage hat sich auch Eva Weissweiler mit ihrem Buch Ausgemerzt! Das Lexikon der Juden in der Musik und seine mörderischen Folgen beschäftig. Sie hat Nachforschungen angestellt, um die einzelnen Schicksale der verzeichneten Musiker und Musikerinnen herauszufinden. Dies tat sie durch ein Vergleichen jeder Eintragung im Lexikon, mit den Sterbebüchern von Konzentrationslagern und den Gedenkbüchern deutscher Städte. Schließlich fand Eva Weissweiler 252 Deportationsopfer, deren Weg ins Vernichtungslager sich beweisen lies. Es dürfte aber noch eine weitaus größere Zahl an von Nationalsozialisten ermordeten oder vertriebenen Musikern gegeben haben.
In unserem Praktikum in der Gedenkstätte Buchenwald haben wir Eva Weisweilers Arbeit fortgesetzt, und die Namen der jüdischen Musiker aus dem Lexikon in den Sterbeakten der ehemaligen KZs gesucht. Dabei sind Personen gefunden worden, die auf jeden Fall in Buchenwald festgehalten und wahrscheinlich auch ermordet worden sind. Es gilt nun herauszufinden, ob jenen ohne Das Lexikon der Juden in der Musik dieses Schicksal erspart worden wäre.
Maleen Butte
Die folgende Tabelle enthält die Angaben zu den einzelnen Schicksalen der jüdischen Musiker aus Buchenwald während des NS- Regimes. Durch den Vergleich zwischen den Namen aus dem Buch „Ausgemerzt“, mit den Namen aus den beiden Bändern des Gedenkbuches der Opfer des Nationalsozialismus vor Ort in Weimar, konnten wir einige Angaben wiederfinden und anhand dessen diese Tabelle erstellen.
|
Name |
Ort d. Deportation |
Geburtsdatum |
Schicksal |
Ort |
Seite (Band I) |
|
|
Altmann, Richard |
Berlin |
18.06.1888 |
verschollen |
Riga |
26 |
|
|
Arak, Pepi Berta |
Berlin |
22.05.1895 |
verschollen |
Riga |
33 |
|
|
Arnheim, Margarete |
Berlin |
06.01.1871 |
06.03.1943 |
Theresienstadt |
36 |
|
|
Aronson, Willy Max |
Berlin |
23.09.1893 |
verschollen |
Auschwitz |
41 |
|
|
Askansas, Max |
Berlin |
17.06.1907 |
17.02.1945 |
Buchenwald |
45 |
|
|
Baer. Emmy |
Berlin |
25.03.1874 |
verschollen |
Riga |
58 |
|
|
Baer, Selma |
Berlin |
20.09.1868 |
verschollen |
Minsk |
61 |
|
|
Bandmann, Erich |
Berlin |
09.08.1894 |
verschollen |
Osten |
65 |
|
|
Bachtosch, Else |
Mannheim |
03.09.1898 |
für tot erklärt |
Auschwitz |
68 |
|
|
Beinowitz, Joseph |
Berlin (1) |
04.02.1908 |
verschollen |
Auschwitz |
91 |
|
|
Bendix, Paul |
Berlin |
30.12.1870 |
00.07.1944 |
Theresienstadt |
94 |
|
|
Berggrün, Julius |
Berlin |
06.11.1870 |
29.11.1942 |
Theresienstadt |
104 |
|
|
Berkowitz, Else |
Hannover |
12.09.1902 |
verschollen |
Riga |
107 |
|
|
Berkowitz, Gerhard |
Hannover |
12.11.1901 |
verschollen |
Riga |
107 |
|
|
Bernstein, Elodie |
München |
03.01.1873 |
verschollen |
Minsk |
114 |
|
|
Bertuch, Max |
Berlin |
28.06.1890 |
verschollen |
Majdanek |
117 |
|
|
Besag, Anna |
Bühl |
04.06.1880 |
Für tot erklärt |
Gurs |
117 |
|
|
Beuthner, Emanuel |
Hamburg |
24.09.1869 |
17.04.1943 |
Theresienstadt |
118 |
|
|
Bohle, Grete |
Stuttgart |
19.01.1890 |
Für tot erklärt |
Riga |
155 |
|
|
Borchardt, Henriette |
Berlin |
11.03.1881 |
verschollen |
Litzmannstadt/Lodz |
157 |
|
|
Brasch, Kaete |
Berlin |
09.10.1885 |
verschollen |
Litzmannstadt |
165 |
|
|
Brass, Auguste |
Berlin |
25.12.1880 |
verschollen |
Riga |
166 |
|
|
Braun, Hildegard |
Berlin |
20.04.1892 |
verschollen |
Theresienstadt |
167 |
|
|
Breslauer, Paula |
Hamburg |
25.10.1895 |
verschollen |
Minsk |
172 |
|
|
Bruenell, Eugen |
Köln |
04.09.1883 |
16.05.1942 |
Litzmannstadt |
180 |
|
|
Brunn, Rosa |
Berlin |
19.03.1869 |
00.10.1943 |
Theresienstadt |
181 |
|
|
Cahn, Rose |
Mainz |
14.10.1903 |
verschollen |
Polen |
193 |
|
|
Cohn, Fritz |
Berlin |
28.07.1905 |
17.12.1941 |
Freitod |
217 |
|
|
Cohn, Max |
Hamburg |
30.10.1872 |
verschollen |
Minsk |
224 |
|
|
Cohn, Paul |
Berlin |
23.05.1875 |
verschollen |
Riga |
225 |
|
|
Dammann, Egon |
Berlin |
09.06.1908 |
verschollen |
Riga |
238 |
|
|
Danziger, Charlotte |
Hamburg |
09.07.1877 |
25.01.1942 |
Litzmannstadt |
241 |
|
|
Dehn, Bertha |
Hamburg |
23.11.1881 |
verschollen |
Litzmannstadt |
253 |
|
|
Dienemann, Fritz |
Berlin |
04.03.1897 |
verschollen |
Kowno |
253 |
|
|
Doctor, Leonie |
Franfurt/Main |
05.07.1884 |
04.06.1943 |
Theresienstadt |
262 |
|
|
Doerner, Helene |
Berlin |
13.06.1882 |
verschollen |
Auschwitz |
262 |
|
|
Dykstein, Boris |
Berlin |
25.05.1909 |
verschollen |
Auschwitz |
272 |
|
|
Eisenberg, Fritz |
Berlin |
25.02.1889 |
verschollen |
Auschwitz |
287 |
|
|
Eisenberg, Irma |
Berlin |
28.03.1876 |
25.10.1943 |
Theresienstadt |
287 |
|
|
Eisner, Charlotte |
Berlin |
06.08.1894 |
verschollen |
Reval |
289 |
|
|
Eschwege, Eugen |
Wiesbaden |
09.09.1877 |
verschollen |
Osten |
306 |
|
|
Fischer, Heinz |
Berlin |
15.02.1903 |
verschollen |
Litzmannstadt |
332 |
|
|
Flatow, Wanda |
Berlin |
25.11.1879 |
00.10.1942 |
Theresienstadt |
335 |
|
|
Fleischmann, Felix |
Berlin |
22.12.1885 |
verschollen |
Auschwitz |
337 |
|
|
Flessburg, Frieda |
Berlin |
16.11.1890 |
verschollen |
Auschwitz |
338 |
|
|
Theresienstädter Gedenkbuch |
|
|
|
|
|
|
|
Frank, Wanda |
Berlin |
09.01.1878 |
09.07.1942 |
Theresienstadt |
53 |
|
|
Friedmann, Heinrich |
Berlin |
27.07.1866 |
04.10.1942 |
|
58 |
|
|
Fürst, Helene |
Berlin |
25.11.1877 |
16.05.1944 |
Auschwitz |
59 |
|
|
Fürst, Noel Manfred |
Hamburg |
21.12.1904 |
befreit |
Theresienstadt |
419 |
|
|
Geissmar, Martha |
Berlin |
30.04.1905 |
23.10.1944 |
Auschwitz |
61 |
|
|
Gellert, Bruno |
Berlin |
25.05.1878 |
befreit |
Theresienstadt |
226 |
|
|
Gimnicher, Rose |
Krefeld |
05.02.1892 |
15.05.1944 |
Auschwitz |
227 |
|
|
Gizycki, Käthe |
Berlin |
26.05.1883 |
befreit |
Theresienstadt |
227 |
|
|
Goldschlag, Gerhard |
Berlin |
15.02.1889 |
01.10.1944 |
Auschwitz |
65 |
|
|
Gedenkbuch Deutschland |
|
|
|
|
|
|
|
Gross, Ruth |
Berlin |
06.04.1890 |
verschollen |
Auschwitz |
458 |
|
|
Grumprecht, Hans |
Hamburg |
04.09.1908 |
verschollen |
Auschwitz |
479 |
|
|
Gutermann, Wolfgang |
Köln |
27.04.1910 |
verschollen |
Riga |
482 |
|
|
Guttmann, Hans |
Berlin |
14.12.1891 |
07.05.1942 |
Litzmannstadt |
488 |
|
|
Hain, Henry |
Berlin |
23.01.1902 |
07.05.1942 |
Gurs |
499 |
|
|
Heinebach, Moritz |
Frankfurt/Main |
10.08.1872 |
verschollen |
Riga |
499 |
|
|
Hammerschmidt, Margarete |
Berlin |
01.10.1879 |
verschollen |
Auschwitz |
507 |
|
|
Heidelberg, Richard |
Gelsenkirchen |
07.04.1896 |
Für tot erklärt |
Izbica |
522 |
|
|
Heilbrun, Paul |
Berlin |
22.11.1868 |
22.01.1942 |
Litzmannstadt |
526 |
|
|
Herlitz, Hans |
Mannheim |
11.12.1905 |
verschollen |
Auschwitz |
543 |
|
|
Herz, Otto |
Heiligenhaus |
07.03.1910 |
15.08.1942 |
Auschwitz |
555 |
|
|
Heymann, Johanna |
Hannover |
08.07.1873 |
verschollen |
Riga |
571 |
|
|
Heymann, Rosa |
Berlin |
22.01.1898 |
verschollen |
Osten |
572 |
|
|
Heinrichsen, Henri |
Hamburg (1) |
05.02.1868 |
verschollen |
Auschwitz |
576 |
|
|
Hoenigsberger, Elisa |
Berlin |
26.07.1883 |
verschollen |
Kowno |
602 |
|
|
Horowitz, Oskar |
Frankfurt/Main |
09.09.1886 |
23.08.1940 |
Dachau |
617 |
|
|
Ichenhaeuser, Nora |
22.02.1901 |
Berlin |
verschollen |
Auschwitz |
621 |
|
|
Jacob, Edith |
Berlin |
22.05.1898 |
verschollen |
Auschwitz |
636 |
|
|
Jacoby, Helene |
Berlin |
22.07.1886 |
verschollen |
Minsk |
648 |
|
|
Juettner, Siegbert |
Berlin |
20.06.1913 |
verschollen |
Auschwitz |
674 |
|
|
Kander, Rosa |
Karlsruhe |
07.02.1897 |
verschollen |
Auschwitz |
698 |
|
|
Kauffmann, Fritz Arthur |
Berlin |
17.06.1882 |
05.09.1940 |
Freitod |
720 |
|
|
Kayser, Alice |
Berlin |
10.08.1867 |
verschollen |
Theresienstadt |
732 |
|
|
Klatt, Marianne |
Berlin |
19.11.1882 |
verschollen |
Freitod |
745 |
|
|
Kleeberg, Ernst |
Mainz |
25.11.1908 |
verschollen |
Polen |
746 |
|
|
Kleimann, Luise |
Hamburg |
24.09.1885 |
01.11.1942 |
Theresienstadt |
747 |
|
|
Klein, Erna |
Berlin |
13.01.1887 |
verschollen |
Rewal |
748 |
|
|
Klüger, Herbert |
Berlin |
17.11.1889 |
00.04.1943 |
Theresienstadt |
755 |
|
|
Konski, Siegbert |
Berlin |
10.05.1901 |
verschollen |
Auschwitz |
769 |
|
|
Korn, Egon |
Berlin |
09.08.1909 |
verschollen |
Auschwitz |
772 |
|
|
Krakauer, Erich |
Berlin |
19.12.1887 |
verschollen |
Litzmannstadt |
777 |
|
|
Krebs, Alice |
Berlin |
12.01.1886 |
verschollen |
Riga |
789 |
|
|
Knopf, Manfred |
Mannheim |
22.02.1902 |
29.01.1944 |
Auschwitz |
787 |
|
|
Lachmann, Elly |
Berlin |
16.04.1883 |
verschollen |
Litzmannstadt |
798 |
|
|
Lachmanski, Helene |
Berlin |
18.09.1877 |
verschollen |
Auschwitz |
799 |
|
|
Lamm, Isma |
Berlin |
07.08.1903 |
verschollen |
Auschwitz |
801 |
|
|
Landau, Ludwig |
Berlin |
05.01.1888 |
verschollen |
Auschwitz |
803 |
|
|
Landau, Marie |
Berlin |
06.05.1886 |
00.00.1942 |
Minsk |
803 |
|
|
Landau, Rose |
Berlin |
24.01.1876 |
11.09.1942 |
Theresienstadt |
803 |
|
|
Lansberger, Susanne |
Berlin |
20.06.1892 |
verschollen |
Auschwitz |
806 |
|
|
Langer, Josef |
Berlin |
25.10.1884 |
verschollen |
Riga |
809 |
|
|
Lapis, Ela |
Berlin |
08.07.1879 |
verschollen |
Riga |
809 |
|
|
Lazarus, Gertrud |
Eschenau |
02.06.1974 |
13.09.1942 |
Theresienstadt |
814 |
|
|
Lehmann, Walter |
Berlin |
12.11.1888 |
verschollen |
Auschwitz |
824 |
|
|
Lehrhaupt, Emanuel |
Berlin |
18.05.1898 |
26.03.1943 |
Auschwitz |
825 |
|
|
Leichtentritt, Anna J. |
Berlin |
20.12.1884 |
verschollen |
Riga |
827 |
|
|
Lemberg, Berthold |
Braunschweig |
11.05.1908 |
25.04.1943 |
Freitod |
829 |
|
|
Lepehane, Anna |
Berlin |
12.05.1865 |
00.12.1942 |
Theresienstadt |
833 |
|
|
Levi, Paula |
Frankfurt/Main |
25.05.1890 |
verschollen |
Litzmannstadt |
843 |
|
|
Levy, Beatrice |
Hamburg |
24.04.1887 |
verschollen |
Riga |
850 |
|
|
Lewin, Erich |
Herford |
20.05.1889 |
verschollen |
Riga |
868 |
|
|
Lewin, Felix |
Berlin |
24.05.1874 |
00.04.1943 |
Auschwitz |
868 |
|
|
Lewin, Kurt |
Berlin |
07.08.1902 |
verschollen |
Auschwitz |
871 |
|
|
Lewin, Werner |
Berlin |
18.01.1913 |
Für tot erklärt |
Auschwitz |
874 |
|
|
Lewinski, Margarete |
Berlin |
16.10.1901 |
00.05.1944 |
Theresienstadt |
875 |
|
|
Liebmann, Irma |
Berlin |
05.07.1902 |
verschollen |
Auschwitz |
891 |
|
|
Liebrecht, Emiliy |
Berlin |
09.04.1873 |
00.03.1944 |
Theresienstadt |
891 |
|
|
Lindmann, Martha |
Mannheim |
04.10.1883 |
verschollen |
Litzmannstadt |
899 |
|
|
Littauer, Natalie |
Berlin |
03.02.1898 |
22.09.1942 |
Theresiensatdt |
907 |
|
|
Loeb, Dora |
Köln |
01.04.1905 |
verschollen |
Riga |
910 |
|
|
Löwe, Gerhard |
Stuttgart |
25.10.1906 |
Für tot erklärt |
Izbica |
917 |
|
|
Löwenberg, Else |
Berlin |
03.01.1896 |
Für tot erklärt |
Auschwitz |
919 |
|
|
Löwenstein, Wilhelm |
Köln |
21.07.1900 |
15.01.1942 |
Litzmannstadt |
931 |
|
|
Lonnerstaedter, Franziska |
Würzburg |
12.12.1880 |
verschollen |
Auschwitz |
942 |
|
|
Lübeck, Helene H. |
Hamburg |
12.04.1876 |
verschollen |
Riga |
947 |
|
|
Gedenkbuch Band II |
|
|
|
|
|
|
|
Mai, Julie |
München |
15.09.1859 |
24.04.1942 |
Freitod |
954 |
|
|
Mainzer, Hermann |
München |
01.02.1884 |
verschollen |
Riga |
958 |
|
|
Manasse, Otto |
München |
10.06.1861 |
27.11.1942 |
Theresienstadt |
961 |
|
|
Mannheimer, Ella B. |
Nürnberg |
02.12.1889 |
verschollen |
Riga |
966 |
|
|
Manski, Alois |
Potshausen |
24.06.1882 |
verschollen |
Auschwitz |
968 |
|
|
Manteuffel, Elfriede |
Berlin |
23.0.1889 |
verschllen |
Litzmannstadt |
968 |
|
|
Marcuse, Margarete |
Berlin |
20.01.1886 |
verschollen |
Trawniki |
974 |
|
|
Margolinski, Rudolf |
Berlin |
03.10.1900 |
verschollen |
Trawniki |
975 |
|
|
Margolinsky, Rosa |
Berlin |
22.05.1881 |
verschollen |
Auschwitz |
975 |
|
|
Markus, Betty |
Köln (1) |
13.07.1898 |
für tot erklärt |
Sobibor |
978 |
|
|
Marx, Emma |
Mannheim |
09.06.1892 |
verschollen |
Auschwitz |
983 |
|
|
Masser, Gertrude |
München |
30.01.1891 |
für tot erklärt |
Riga |
990 |
|
|
Mathias, Emma |
Köln |
22.12.1910 |
verschollen |
Osten |
991 |
|
|
Meier, Moritz |
Frankfurt/Main |
10.02.1883 |
verschollen |
Auschwitz 1008 |
|
|
|
Moser, Mathilde |
Berlin |
05.02.1896 |
verschollen |
Riga |
1058 |
|
|
Müller, Martha |
Berlin |
12.09.1890 |
verschollen |
Auschwitz |
1069 |
|
|
Müller, Werner |
Berlin |
04.04.1912 |
03.01.1945 |
Dachau |
1069 |
|
|
Münzer, Alfred |
Frankfurt/Main |
04.11.1887 |
01.04.1943 |
Theresienstadt |
1070 |
|
|
Nadel, Arno |
Berlin |
03.10.1878 |
verschollen |
Auschwitz |
1074 |
|
|
Nagel, Ludwig |
Düsseldorf |
22.02.1872 |
15.09.1942 |
Theresienstadt |
1075 |
|
|
Nelken, Max |
Berlin |
08.02.1882 |
verschollen |
Minsk |
1084 |
|
|
Neumeyer, Hans |
München |
13.09.1887 |
19.05.1944 |
Theresienstadt |
1101 |
|
|
Neustein, Lidia |
Berlin |
29.10.1876 |
verschollen |
Minsk |
1102 |
|
|
Opfer, Fanny |
Berlin |
24.09.1870 |
00.03.1944 |
Theresienstadt |
1117 |
|
|
Oss, Alfred |
Berlin |
02.07.1881 |
26.04.1942 |
Litzmannstadt |
1128 |
|
|
Owert, Siegfried |
Hamburg |
28.03.1874 |
verschollen |
Minsk |
1132 |
|
|
Papener, Sophie |
Düsseldorf |
29.12.1888 |
verschollen |
Litzmannstadt |
1132 |
|
|
Palm, Erwin |
Düsseldorf |
26.12.1900 |
verschollen |
Minsk |
1133 |
|
|
Penas, Alfred |
Frankfurt/Main |
14.11.1894 |
05.02.1941 |
Dachau |
1138 |
|
|
Pesch, Henriette |
Wuppertal |
28.04.1887 |
verschollen |
Izbica |
1141 |
|
|
Petuchowski, Ernst |
Berlin |
26.03.1905 |
20.10.1942 |
Theresienstadt |
1141 |
|
|
Philipp, Josef |
Berlin |
14.06.1895 |
verschollen |
Litzmannstadt |
1144 |
|
|
Philips, Rosette |
Frankfurt/Main |
03.08.1886 |
05.01.1943 |
Theresienstadt |
1146 |
|
|
Pinkus, Gertrud |
Berlin |
09.05.1893 |
verschollen |
Auschwitz |
1151 |
|
|
Pinner, Valentn |
Berlin |
07.04.1876 |
00.03.1943 |
Auschwitz |
1152 |
|
|
Pitsch, Manfred |
Berlin |
15.05.1906 |
verschollen |
Auschwitz |
1154 |
|
|
Pollitz, Dessay |
Frankfurt/ Main |
26.06.1872 |
16.03.1943 |
Theresienstadt |
1163 |
|
|
Poritzky, Ruth |
Karlsruhe |
24.08.1902 |
verschollen |
Auschwitz |
1164 |
|
|
Preuss, Werner |
Berlin |
19.07.1910 |
verschollen |
Osten |
1169 |
|
|
Prieseter, Margarethe |
Berlin (1) |
03.05.1901 |
Für tot erklärt |
Auschwitz |
1170 |
|
|
Raphaeli, Leo Julius |
Hamburg |
15.11.1887 |
04.05.1942 |
Litzmannstadt |
1177 |
|
|
Rappaport, Felix |
Berlin |
02.03.1876 |
verschollen |
Riga |
1178 |
|
|
Rappaport, Frieda |
Berlin |
10.10.1874 |
03.10.1942 |
Theresienstadt |
1178 |
|
|
Reiss, Frieda |
Berlin |
15.06.1878 |
verschollen |
Auschwitz |
1193 |
|
|
Rembt, Selma |
Berlin |
29.07.1888 |
verschollen |
Auschwitz |
1195 |
|
|
Rosen, Walter |
Berlin |
18.12.1903 |
verschollen |
Auschwitz |
1212 |
|
|
Rosenbaum, Alice |
Frankfurt/ Main |
04.05.1882 |
verschollen |
Litzmannstadt |
1213 |
|
|
Rosenberg, Dora |
Hamburg |
29.03.1879 |
verschollen |
Riga |
1224 |
|
|
Rosenberg, Richard |
Berlin |
05.03.1886 |
07.03.1943 |
Freitod |
1124 |
|
|
Rosendorff, Emil |
Berlin |
13.12.1877 |
18.03.1942 |
Litzmannstadt |
1228 |
|
|
Rosenstein, Margarethe |
Berlin |
08.07.1887 |
verschollen |
Auschwitz |
1233 |
|
|
Roth, Johanna |
Pforzheim |
28.05.1883 |
verschollen |
Auschwitz |
1249 |
|
|
Rothschild, Alice |
Frankfurt/ Main |
21.08.1888 |
verschollen |
Minsk |
1252 |
|
|
Rothschild Marie |
Berlin |
30.07.1838 |
verschollen |
Auschwitz |
1010 |
|
|
Rothstein, Jakob |
Berlin |
23.11.1871 |
29.12.1941 |
Litzmannstadt |
1259 |
|
|
Rotters, Lothar |
Berlin (1) |
16.01.1898 |
verschollen |
Auschwitz |
1260 |
|
|
Rubin, Max Siegfried |
Berlin (1) |
05.02.1904 |
verschollen |
Majdanek |
1263 |
|
|
Russ, Erich |
Berlin |
16.10.1909 |
verschollen |
Riga |
1266 |
|
|
Rybier, Max |
Berlin |
24.07.1883 |
verschollen |
Auschwitz |
1267 |
|
|
Saalberg, Isidor |
Frankfurt/ Main |
02.03.1871 |
verschollen |
Minsk |
1268 |
|
|
Sabel, Gustav |
Berlin |
01.12.1906 |
verschollen |
Minsk |
1268 |
|
|
Sachs, Walter |
Berlin |
27.04.1888 |
verschollen |
Litzmannstadt |
1271 |
|
|
Sallinger, Kurt |
Berlin |
14.03.1883 |
verschollen |
Auschwitz |
1274 |
|
|
Salomon, Blanke |
Berlin |
30.01.1899 |
verschollen |
Minsk |
1277 |
|
|
Salomon, Rudolph |
Mainz |
04.01.1874 |
04.12.1942 |
Theresienstadt |
1443 |
|
|
Salomonski, Charlotte |
Berlin |
23.02.1892 |
verschollen |
Auschwitz |
1284 |
|
|
Samuel, Hermann |
Berlin |
25.03.1884 |
verschollen |
Majdanek |
1289 |
|
|
Sarner ,Helene |
Berlin |
15.03.1878 |
verschollen |
Riga |
1293 |
|
|
Schermann, Michael |
Berlin |
17.01.1878 |
verschollen |
Osten |
1306 |
|
|
Schildberger, Annie |
Berlin |
23.11.1885 |
verschollen |
Trawniki |
1310 |
|
|
Schildberger, Harry |
Bendorf |
28.12.1901 |
11.05.1941 |
Bendorf/ Sayn |
1310 |
|
|
Schindler, Hans |
Berlin |
15.10.1889 |
00.04.1944 |
Theresienstadt |
1312 |
|
|
Schlesinger, Alfred |
Frankfurt/ Main |
26.11.1880 |
verschollen |
Auschwitz |
1316 |
|
|
Schlesinger, Lily |
Berlin |
19.06.1890 |
30.03.1942 |
Freitod |
1318 |
|
|
Schmalzbach, Leon |
Haigerloch |
13.10.1882 |
Für tot erklärt |
Riga |
1324 |
|
|
Schnell, Luzian |
Berlin |
06.07.1903 |
verschollen |
Majdanek |
1331 |
|
|
Strauss, Hugo |
Berlin |
11.06.1869 |
3.4.1944 |
Dachau |
1478 |
|
|
Strauss, Otto |
Münster |
23.08.1868 |
07.12.1942 |
Theresienstadt |
1482 |
|
|
Striem, Gertrud |
Berlin |
11.02.1889 |
verschollen |
Auschwitz |
1486 |
|
|
Suchland, Toni Sara |
Breslau |
08.11.1889 |
verschollen |
Riga |
1488 |
|
|
Süss, Helene Josephine |
Mannheim |
13.01.1888 |
verschollen |
Auschwitz |
1489 |
|
|
Sussin, Adele |
Berlin |
01.11.1873 |
07.10.1942 |
Theresienstadt |
1493 |
|
|
Victor, Käte |
Berlin |
26.03.1899 |
verschollen |
Riga |
1528 |
|
|
Victor, Selmar |
Wiesbaden |
01.12.1874 |
verschollen |
Auschwitz |
1529 |
|
|
Vogel, Elfriede |
Mainz |
27.10.1883 |
25.03.1942 |
Freitod |
1530 |
|
|
Vorwahlner-Reichwald, Alice |
Hamburg |
19.08.1888 |
15.08.1943 |
Theresienstadt |
1533 |
|
|
Wachsmann, Max |
Berlin |
11.10.1881 |
verschollen |
Auschwitz |
1535 |
|
|
Weigert, Ellen |
Berlin |
17.01.1880 |
27.12.1942 |
Theresienstadt |
1553 |
|
|
Weinbaum, Alexander |
Berlin |
04.05.1875 |
17.04.1943 |
Theresienstadt |
1562 |
|
|
Weissmann, Gisela |
Berlin |
26.11.1875 |
verschollen |
Riga |
1577 |
|
|
Wertheim, Else |
Berlin |
07.09.1881 |
verschollen |
Theresienstadt |
1581 |
|
|
Wiener, Karl |
Berlin |
27.03.1891 |
22.07.1942 |
Sachsenhausen |
1588 |
|
|
Wigodzki, Alice |
Berlin |
18.11.1895 |
verschollen |
Riga |
1590 |
|
|
Willdorf, Louis |
Berlin |
02.01.1891 |
verschollen |
Auschwitz |
1592 |
|
|
Windmueller, Margarete |
Berlin |
23.05.1890 |
verschollen |
Riga |
1595 |
|
|
Winter, Gustav |
Mannheim (1) |
15.08.1885 |
verschollen |
Majdanek |
1596 |
|
|
Witta, Paula |
Berlin |
04.06.1888 |
verschollen |
Minsk |
1599 |
|
|
Wnuczek, Amelie |
Berlin |
20.02.1883 |
verschollen |
Riga |
1600 |
|
|
Wohlauer, Adolf |
Berlin |
02.11.1893 |
verschollen |
Auschwitz |
1601 |
|
|
Wohlfahrt, Antonie |
Frankfurt/ Main |
16.09.1897 |
verschollen |
Osten |
1601 |
|
|
Wohlwill, Sophie |
Hamburg |
20.08.1872 |
11.04.1944 |
Theresienstadt |
1602 |
|
|
Wolff, Ludwig |
Berlin |
18.01.1888 |
Für tot erklärt |
Auschwitz |
1619 |
|
|
Wolff, Minna |
Berlin |
12.05.1884 |
verschollen |
Auschwitz |
1620 |
|
|
Wolff, Paula |
Frankfurt/ Main |
20.02.1875 |
verschollen |
Riga |
1621 |
|
|
Wolfsohn, Leopold |
Berlin |
07.05.1901 |
20.04.1942 |
Litzmannstadt |
1626 |
|
|
Wuerzburger, Gertrude |
Frankfurt/ Main |
20.10.1889 |
verschollen |
Litzmannstadt |
1632 |
|
|
Zallow, Hans |
Berlin |
13.03.1898 |
verschollen |
Auschwitz |
1636 |
|
|
Zehjman, Kurt |
Köln (1) |
20.07.1910 |
Für tot erklärt |
Auschwitz |
1639 |
|
|
Zlotnicka, Bella |
Rosenberg (1) |
16.01.1867 |
Für tot erklärt |
Auschwitz |
1646 |
|
Zusammengestellt von Karolina Trojok und Annette Vogelhuber
„Das Lexikon der Juden in der Musik“ von Stengel/Gerigk ist 1940 erschienen. In ihm wurden sämtliche in Deutschland und Österreich lebende Juden auch bereits verstorbene, die in Deutschland Musik ausübten, Komponierten oder in der Musikwissenschaft tätig waren, aufgelistet. Ziel war es, die noch in ihren Berufen tätigen Juden bekannt zu machen und aus ihren Tätigkeiten herauszudrängen. Darüber hinaus vermutet die Herausgeberin einer heutigen Neuauflage dieses Lexikons, Eva Weissweiler, dass dieses auch eine „Hilfe“ für das NS-Regime war, die Deportationslisten für die „Endlösung“ der Juden zu vervollständigen. Um diese These zu beglaubigen oder ggf. zu widerlegen soll die Häftlingskartei des Konzentrationslager Buchenwald mit den Namen der im Lexikon noch als lebend verzeichneten Juden vergleichen werden. Bei diesem sehr aufwendigen Verfahren soll auch versucht werden, relativ vollständige Biographien zu erstellen. Dabei sollen auch die Listen der Mitglieder der Lagerkapelle und der Jazzband „Rhythmus“ auf Namen jüdischer Musiker überprüft werden. Hier wird ersichtlich, ob die ehemaligen jüdischen Musiker überhaupt in einem Konzentrationslager Musik ausüben durften bzw. sollte oder selber auch kein Interesse daran hatte, in einer durch permanente Gewalt geprägte Umgebung Musik zu machen. Besonderes interessant sind die verschiedenen Biographien, weil sich aus ihnen Gemeinsamkeiten für den Alltag im Konzentrationslager Buchwald ergeben, die über die unmenschlichen Lebensbedingungen auf der einen Seite, aber auch über die privilegierte Stellung der Musiker auf der anderen Seite Auskunft geben.
Beispiel: Biographie von Dr. Fritz Löhner-Beda:
Geboren: 24.06. 1883 in Wildenschwert/CSR
Beruf: Schriftsteller, Librettist,
Wohnhaft: Wien
Haft-Nr.: 3283
Gefangenenstatus: Politischer Jude
Inhaftiert: Buchenwald ca. 1938
Verbleib: Auschwitz 17.10.1942
Auschwitz Transport-Nr.: 115 von 150
Fritz Löhner bekam, laut Einsicht auf seine 2. Effektenkarte, von seiner Frau Helene Löhner aus Wien mehrmals finanzielle Unterstützung in Höhe von 281 bzw. 254,87 Reichsmark.
Da Fritz Löhner zwischen dem 8.9.39 und dem 19.7.1940 insgesamt 60 Reichsmark für fünf Zahnbehandlungen zahlte, ist davon auszugehen, dass er in dieser Zeit an Zahnproblemen litt.
Fritz Löhner (Beda) komponierte zusammen mit seinem Mitgefangenen Hermann Leopoldi das Lagerlied Buchenwalds`.
Der damalige Lagerkommandant Rödl sprach den Auftrag aus: „Machts ein eigenes Lagerlied! 10 Mark für´s beste- aber was ,zünftiges’...“
Die zehn Mark erhielten Leopoldi und Löhner, deren Stück ausgewählt, jedoch nie.
Das Lagerlied wurde darauf Blockweise von allen einstudiert werden und wurde dann, von nach Kommando von den Häftlingen gesungen.
Frederik Heidemann
In der Zeit des NS-Regimes wurde auch in den verschiedenen Konzentrationslagern weiterhin Musik gemacht. Zum Teil haben inhaftierte Musiker ihren Beruf dort Mitglieder einer Kapelle oder Komponisten ausgeübt, zum Teil wurde Musik als Druckmittel verwandt.
Der Begriff KZ-Lied wurde vor allem in den 1950er Jahren auf bereits vor der NS-Zeit bekannte Musik beschränkt. Nur wenige Neuschöpfungen der Häftlinge während ihres Lageraufenthaltes fielen unter die Bezeichnung, was unter anderem daran liegt, dass nur wenige Kompositionen überliefert sind.
Guido Fackler beschreibt in seinem Werk „des Lagers Stimme“ zwei Kategorien welche die Musik in fremd- und selbstbestimmtes musizieren einteilen. Mit diesem Versuch die Lagermusik in die beiden Bereiche zu ordnen stellt Fackler eine Alternative zu den vorher gebräuchlichen vier Kategorien vor. Die alte Gliederung umfasste Lieder mit appellativem Charakter, dokumentarische Lieder, Gedankenlyrik und Spottlieder.
Jede dieser Kategorien hatte eine eigene Funktion, wie zum Beispiel: Die Lagersituation aus realistischer oder euphemistischer Sicht darzustellen. Da allerdings nur wenige zu untersuchende Lieder zur Verfügung stehen, ist jede Einteilung ausschließlich ein Versuch und keine definitive Lösung, die überlieferten Liedtexte und Musikbeispiele zu katalogisieren. Fackler hat eine neue Form der Einteilung gewählt. Aber auch seine Idee, die fremdbestimmte von der selbstbestimmten Musik zu trennen ist genau so problematisch wie die vorherige Kategorisierung.
Als fremdbestimmte Musik bezeichneten Fackler hauptsächlich die von den SS-Mitgliedern geforderten Gesänge. Die Häftlinge wurden oft gezwungen beim Appell oder bei der Arbeit bestimmte Lieder zu singen. Diese Maßnahme sollte die Opfer disziplinieren, demütigen, lächerlich machen oder ihnen ihre letzte kulturelle und soziale Identität nehmen. Außerdem wurde mit einem lauten, fast geschrienen, Gesangsstil eine Umerziehung der Häftlinge angestrebt, so wurden sie unter anderem gezwungen faschistische Texte zu singen. Als fremdbestimmte Form der Musik können auch die Lieder bezeichnet werden, die mit Hilfe von Lautsprechern über den Lagerplatz schallten. Oftmals wurde versucht mit dieser Musik die Schreie der Häftlinge zu übertönen oder durch ständige Präsens der Musik eine Umerziehung anzustreben. Neben diesen Zielen besaß Musik im Lager für das SS-Personal noch weitere Funktionen: sie diente einerseits zu ihrer eigenen Unterhaltung und wurde durch geschickte Medienarbeit dazu verwandt die Öffentlichkeit zu täuschen in dem ihr mit gezielten Musikveranstaltungen der Eindruck eines ausgefüllten Lageralltags vermittelt wurde.
Jedoch war befohlenes Musizieren nicht immer nur eindeutig positiv für die KZ-Aufseher und negativ für die Häftlinge, sondern diente teilweise beiden Seiten. Zum Beispiel riefen einige gesungene Lieder Erinnerungen an gute Zeiten wach und konnte Hoffnung auf eine bessere Zukunft wecken.
Die selbstbestimmte Musik durfte hauptsächlich in der Freizeit praktiziert werden. Auch heimliche Veranstaltungen mit selbstkomponierten oder ausgesuchten Liedern fanden statt. Fackler versucht in seinem Werk eine klare Trennung zwischen den beiden Kategorien selbst- und fremdbestimmtes Musizieren zu betonen, hebt aber auch die vielen Zwischen- und Übergangsstufen hervor. So sagt er, dass sich die Bereiche des Musizierens auf Befehl und Eigeninitiative „bisweilen durchaus berühren, vermischen oder gegenseitig beeinflussen“ könnten. Es entsteht also eine recht breite Grauzone innerhalb der KZ-Lieder, die sich auf eine nicht klare Grenze zwischen verboten und erlaubt bezieht.
Als Beispiel für ein fremdbestimmtes Musizieren lässt sich das Horst-Wessel-Lied anführen, welches Antifaschisten bei ihrer Ankunft im KZ Sonnenburg singen mussten. Zusätzlich liegt noch ein Schutzhaftbefehl aus dem KZ Buchenwald vom 17.11.1937 vor, der den Zwang des Musizierens verdeutlicht: „Die freie Zeit des Abends ist mit Flickstunde und Reinigungsdienst und Singen auszufüllen.“
Beispielhaft für das selbstbestimmte Musizieren ist das Lied „Wenn zerbrechen unsere Ketten“ von Jiri Zak und Jaroslav Bartl, geschrieben im KZ Buchenwald. In diesem Lied wird die Angst und der Zorn über die SS von Seiten der Häftlinge dargestellt. Im Refrain überwiegt aber vor allem die Hoffnung auf Freiheit und Humanität. Auch Rache gegenüber ihren Peinigern wird geschworen. Dieser Euphemismus war notwendig für das Überleben im KZ und um die verbliebene Menschlichkeit zu bewahren.
Für ein Lied, welches sich in der Grauzone zwischen fremd- und selbstbestimmter Musik befindet ist das „Buchenwaldlied“ von Fritz Beda-Löhner und Hermann Leopoldi typisch. Die Musik wurde komponiert von Hermann Leopoldi, dessen familiärer Namen Ferdinand Kohn war. Leopoldi wurde am 15.8.1888 in Wien geboren und starb am 28.6.1959 ebenfalls in Wien. Vor seiner Inhaftierung arbeitete er als Pianist im Varieté und wurde berühmt durch seine Kompositionen. 1938 kam er ins KZ Dachau und später nach Buchenwald. Von dort konnte er 1939 in die USA emigrieren. Der Verfasser des Textes vom Buchenwaldlied Fritz Beda-Löhner wurde am 24.6.1838 in Wildenschwert geboren und starb wahrscheinlich 1942 in Auschwitz. Er wurde als politischer Jude verhaftet. Sie schrieben das Buchenwaldlied motiviert durch den damaligen Lagerführer Rödl, der Ende 1938 dazu aufgefordert hatte eine Buchenwaldhymne zu komponieren. Er setzte 10 Mark für eine geeignete Komposition aus, jedoch erreichten ihn hauptsächlich nichtzufriedenstellende Versuche. Das Lied von Löhner und Leopoldi gefiel dem amtierenden Kapo der Poststelle, der sich daraufhin als Autor des Stückes ausgab. Durch diesen Kontakt und dem Wohlwollen der Lagerleitung wurde das Lied zur offiziellen Buchenwaldhymne. Die beiden Österreicher wurden allerdings vom Kapo als eigentliche Autoren verschwiegen.
Bei den Häftlingen wurde das Lied zuerst bekannt durch die grausame Methode das Stück einzuüben. 11.000 Gefangene wurden in stundenlanger Arbeit in der Kälte dazu gezwungen das Lied zu singen bis sie es perfekt vorstellen konnten. Der Lagerführer schien relativ beschränkt zu sein, so war er begeistert von dem Lied, obwohl ein eindeutiger Revolutionscharakter zu erkennen war. Er bemerkte auch nicht, dass das Lied für die Häftlinge trotz dem bestialischen Zwang es zu üben eine Art Hymne wurde.
In den Strophen beschreibt das Lied hauptsächlich den Lageralltag auf relativ nüchterne Weise. Die Sehnsüchte, sorgen und unmenschlichen Lebensbedingungen werden dargestellt, jedoch nicht ohne gleichzeitig die Kraft und den Willen zu Überleben in den Vordergrund zu stellen. Der Optimismus nimmt mit jeder Strophe eine größere Bedeutung ein, sodass in der dritten und letzten Strophe nach der resignierten Feststellung „die Nacht ist so kurz und der Tag so lang“ eine ausschließlich positive Einstellung folgt.
„Doch ein Lied erklingt, das die Heimat sang, wir lassen uns den Mut nicht rauben! Halte Schritt Kamerad und verliere nicht den Mut, denn wir tragen den Willen zum Leben im Blut und im Herzen, im Herzen den Glauben!“
Vor allem der Refrain wurde für die Häftlinge zum Ausdruck der Hoffnung: „O Buchenwald ich kann dich nicht vergessen, weil du mein Schicksal bist. Wer dich verließ, der kann es erst ermessen wie wundervoll die Freiheit ist! O Buchenwald wir jammern nicht und klagen und was auch unsre Zukunft sei - |:Wir wollen trotzdem „ja“ zum Leben sagen, denn einmal kommt der Tag – dann sind wir frei:|
Bezeichnend ist vor allem der Entschluss das Leben zu bejahen und die überzeugte Hoffnung eines Tages frei zu sein. Betont wird diese eigentliche Grundaussage des Liedes durch die Wiederholung und ihre Stellung am Schluss des Stückes. Bald war das Lied im ganzen Land bekannt.
Abschließend kann man also feststellen, dass es durchaus mehrere Möglichkeiten gibt die KZ-Lieder zu kategorisieren und dass jede dieser Lösungen viele Schwierigkeiten und Grenzfälle birgt. Wichtig ist vor allem die große Bedeutung von Musik im KZ. Lieder können erniedrigen oder Hoffnung schenken, Glauben unterdrücken oder bestärken und boten sowohl den Mitgliedern der SS als auch den Häftlingen die Möglichkeit ihre Interessen durchzusetzen.
Laura Brücker
Nach einem Bericht des ehemaligen Häftlings und Leiters der Kapelle Vlastimil Louda:
Vlastimil Louda war seit dem 11.12.1940 in Buchenwald interniert und übernahm 1943 die Leitung der Kapelle.
Die Gründung der Kapelle sollte den Anschein erwecken, dass den Häftlingen eine Möglichkeit zum kulturellen Genuss gegeben wird. In Buchenwald wurde die Häftlingskapelle zusammengestellt, um den Häftlingen „durch Musik eine bessere Stimmung in ihr eintöniges Leben zu bringen“. Dies bewies sich jedoch bald nur als Schein, da die Kapelle wie jedes andere Arbeitskommando behandelt wurde und nur zu der Erhaltung der Ordnung in den marschierenden Häftlingskolonnen benutzt wurde. In verschiedenen KZ wurde den Häftlingen erlaubt sich ihre eigenen Instrumente schicken zu lassen, sodass sie zwei mal die Woche für ihre Kameraden musizieren konnten. Dies wurde jedoch nur gestattet, um die Grausamkeiten ein wenig zu verschleiern.

Die Lagerkapelle wurde 1938 auf Befehl des damaligen Kommandanten Roeder zusammengestellt. Sie wurde notdürftig aus dem Wenigen zusammengestellt, was im Lager vorhanden war. Es waren meistens Zigeuner mit Gitarren und sogenannte Asoziale die mit Mundharmonika musizierten. Später kamen eine Trommel, eine Posaune und zwei Trompeten hinzu. Alles musste von den Häftlingen besorgt werden und die SS gab ihnen keine Hilfe. Der Lagerführer sah die Kapelle nur als Verschwendung von Arbeitspotential und als „Übel“ an. Sie hatte zwei mal täglich zu spielen, einmal zum Abmarschieren und dann zur Wiederkehr der Arbeitskommandos.
Die Musikanten mussten weiter tagsüber am Holzplatz oder in der Schreinerei arbeiten. Wenn dann am Abend die blutenden und verwundeten Kameraden von der Arbeit zurückgeführt wurden mussten sie lustige Zigeunermärsche spielen. Meistens stand ihnen dann noch zusätzlich der Prügelbock gegenüber, an welchem sich die SS-Männer abwechselten, um so noch genügend Kraft für Hiebe ausüben zu können.
Im Jahre 1939 entstand auf Anordnung der SS das sogenannte „Lagerlied“, wofür der Verfasser eine Prämie erhielt. Gleichzeitig entstand das Judenlied, welches nur für Juden bestimmt war und ihre „Rasse“ und ihr Volk beleidigte. Dieses Lied musste von allen Juden gelernt und auf dem Appellplatz gesungen werden. Dies war insbesondere der Fall, wenn „besserer“ Besuch angemeldet war. Die Häftlinge mussten selbstverständlich deutsche Marschlieder lernen und jeder musste mitsingen, wenn er nicht bestraft werden wollte. So standen sie oft 2 Stunden ausgehungert und am Rande ihrer Kräfte auf dem Appellplatz und sangen die Lieder, die ihre Nationalität und Muttersprache diskriminierten, währen die SS Männer mit Knüppeln um die Blocks gingen. Dieses Verfahren wurde zur Abstumpfung der Gefangenen benutzt, um sie vollständig aus der Gesellschaft auszustoßen.
Im Jahr 1940 entschloss sich der SS-Hauptsturmführer Florstedt, eine ordentliche Blaskapelle zusammenzustellen, die mit allen erforderlichen Instrumenten ausgestattet werden solle. Die Kosten in Höhe von 5500,-RM würden von der örtlichen Wirtschaftsverwaltung übernommen werden, so versicherte er. Im gleichen Jahr wurden dann auch die Instrumente bestellt, die dann 1941 eintrafen. Jedoch hieß es nun: “Die Rechnung bezahlen die Juden“. Diese konnten das Geld jedoch nicht aufbringen und so sammelte das ganze Lager, bis der Betrag bezahlt werden konnte.
Auf Befehl des SS-Hauptsturmführers bediente sich der Kapellmeister des SS-Musikzuges an den eingegangenen Instrumenten. So beschlagnahmte er zwölf von ihnen. Erst 14 Tage vor der Befreiung des KZ gelang es Vlastimil Louda diese Instrumente zurückzubekommen. Die nun trotz alledem verstärkte Blaskapelle bestand aus 16 Musikanten unter denen 12 Trompeten und 4 Posaunen waren, die alle von anderen Arbeiten befreit waren.
Vormittags waren Proben der Bläser und nachmittags zwei bis vierstündige Proben der Streicher. Auf diese Proben wurde bald von sämtlichen Blockführern Einfluss genommen, sodass nun alle möglichen Schlager in den Proben gespielt werden mussten. So wurde in den 4 Stunden ein Schlager bis zu 16 mal wiederholt. Täglich wurden die unterernährten Musiker gezwungen, etwa 25 bis 30 Märsche, mit nur kurzer Pause, die meistens entfiel, am Tor zu spielen. Als Folge dessen schieden 6 von ihnen wegen Lungenschwäche und Tuberkulose aus und einer erlag seiner Kehlkopf-Tuberkulose. Schon 1941 wurde die Lagerkapelle bei „höheren“ Besuchen eingesetzt um besseren Eindruck zu machen. In diesem Zusammenhang erhielten die Mitglieder auch gestohlene Uniformen von der jugoslawischen königlichen Garde.
Im gleichen Jahr wurden 1000 russische Kriegsgefangene eingeliefert und die Arbeitsleistung wurde erhöht. Die Musikanten mussten wie üblich am Tor stehen und spielen während die Toten hereingetragen wurden, die bei den Arbeitseinsätzen ums Leben gekommen waren. Es gab keine Pausen, auch wenn sie vor Tränen nichts mehr erkennen konnten oder das Mundstück nicht mehr halten konnten. So mussten sie auch mit ansehen wie die politischen Gefangenen halbtot aus dem Bunker zum Richtplatz getragen wurden, während sie weiter musizierten. Weiterhin kamen die Leibesübungen unter SS-Obersturmführer Gust hinzu, bei denen sie 2,5 Stunden „AUF“ und „NIEDER“ machen mussten. Bei einer dieser Übungen blieb ein Kamerad von Louda auf dem Platz und er büßte einen Zahn ein. Von Seiten der SS konnte sich die Lagerkapelle keine Hilfe erhoffen und so bekamen sie für Bedürfnisse außerhalb des Lagers keinen Pfennig.
1943 musste Louda dann die Leitung der Kapelle übernehmen, wobei er bemüht war die Kapelle zu vergrößern um soviel Menschen wie möglich der „kriegswichtigen“ Produktion zu entziehen. So hatte die Blaskapelle bald 32 Musiker und das Streichorchester 84. Er veranstaltete unter dem Deckmantel des „Konzerts“ Kabaretts, um seinen Mithäftlingen Menschlichkeit und andere soziale Eigenschaften beizubringen. Doch sein größtes Ziel war nach seinen Angaben, auf seine Kameraden einzuwirken und ihnen Mut zu machen.
Florian Blauth
Die Lagerkapelle wurde 1938 auf Anweisung des damaligen Schutzhaftlagerführers Rödl gegründet. Rödl suchte sich aus den Reihen der Häftlinge Musiker, diese mussten dann bis zu zwölf Stunden Täglich spielen und proben. Für diese Häftlinge kam die Arbeit nicht als wesentliche Verbesserung, sondern als andere Zwangsarbeit vor. Die anderen Häftlinge nahmen die Musik häufig als „Taktgebumse“ war, da die Aufgabe der Lagerkapelle nicht darin bestand schön zu spielen, sondern die Häftlinge zum schnellen Marschieren anzutreiben und bei Bestrafungen das Geschrei zu übertönen.
Ende 1940 wurde die Kapelle aufgewertet. Es wurden neue Instrumente besorgt, 1941 bekam sie dann auch eine eigene Uniform. Die Häftlinge waren oftmals froh diese zu tragen, da sie wärmer als die normale Häftlingskleidung war, obwohl nun aufgrund einer roten Hose die Verwechslungsgefahr mit Dieben und Widerstandskämpfern gegeben war.
1942 wurde Vlastimil Louda neuer Kapellmeister. Durch den tschechischen politischen Häftling stieg die vormals schlechte Qualität des Orchesters. Das anfänglich vor allem aus Sinti und Roma bestehende Orchester baute Louda immer mehr aus, so dass es am Ende aus rund 120 Mitgliedern bestand. Louda berief häufig ihm Gleichgesinnte politische Häftlinge, die teilweise Nichteinmahl ein Instrument beherrschten, deren Überlebenschancen dadurch aber stiegen.
Die Aufgabe der Lagerkapelle bestand zunächst ausschließlich darin, ein Instrument der SS zu sein. Sie musste spielen bei den morgendlich, und abendlichen Antritten der der Häftlinge, bei Bestrafungen und Exekutionen, bei Zähl- und Stehappellen. Zu dem hatten die Musiker die verhältnismäßig leichte Aufgabe sich um die Baracken und um hygienischen Einrichtungen zu kümmern.
Verglichen mit vielen anderen Mithäftlingen, die z.B. im Steinbruch arbeiteten mussten, hat es die Mitglieder der Lagerkapelle oftmals „gut“ getroffen. "Außerdem behandelten die SS- Männer die Orchestermitglieder als etwas besseres. So konnte man durch ein geschicktes Verhalten vielen Bestrafungen und Quälereien der SS entziehen, " (Kasimir Timinski, Mitglied der Lagerkapelle). Doch mussten auch die Musiker trotz Mangelernährung hart arbeiten, so mussten sie bei den Appellen bis zu 30 Märsche spielen, oder zum Vergnügen der Blockführer Schlager bis zu 16-mal wiederholt werden. Dies hatte zu Folge, dass in der Zeit unter der Führung von Louda allein 6 Musiker der Lagerkapelle wegen Lungenschwäche und TBC ausscheiden mussten.
Nils Tryba
Bei der unmittelbar nach der Ankunft stattgefundenen Registrierung im KZ Buchenwald hatten die Häftlinge auch ihren Beruf anzugeben. Meistens wurde den jüdischen Gefangenen mit höheren Bildungsstandards, um sie zu vernichten, die körperlich schwerste Arbeit gegeben. Sie mussten im Steinbruch arbeiten und hatte eine Überlebenszeit von im Durchschnitt ca. 6 Wochen. Bei Musikern war das nicht immer so. Diese wurden zumeist besser behandelt und mussten nicht so schwere Arbeit verrichten.
Die Spieler des Orchesters erhielten bessere Kleidung. Es waren von der SS geraubte ungarische Uniformen. Obwohl die mangelnde Ernährung der Häftlinge und das „Design“ der so eingekleideten Musiker sie eher wie Clowns aussehen ließen, waren sie dennoch froh und privilegiert gegenüber den Mithäftlingen, da diese Uniformen sehr viel wärmer waren als die übliche Häftlingskleidung.
Die Aufgabe des Orchesters in Buchenwald bestand nicht aus kultureller Unterhaltung. Denn das Spielen von Märschen wurde in erster Linie dazu eingesetzt, den Weg der übrigen Häftlinge zur Arbeit oder zurück zu begleiten und zu disziplinieren. Außer dem Proben und dem Spielen übernahmen die Spieler leichte Arbeiten wie den Reinigungs- und Küchendienst, wodurch es ihnen möglich war, Einfluss auf die hygienischen Verhältnisse zu nehmen und für eine gerechte Verteilung der Lebensmittel zu sorgen. Damit übernahmen sie eine wichtige moralische Aufgabe im Lager.
Obwohl die Orchestermitglieder verschiedensten Nationalitäten angehören entwickelten sie sich nach außen zu einer homogen wirkenden Gruppe. Die Mitglieder der Lagerkapelle spielten jauch nach der Arbeit und an Sonntagen für das eigene Wohlbefinden und das der anderen Häftlinge. Als Gegenleistung bekamen sie manchmal auch kleine Geschenke und Aufmerksamkeiten von den übrigen Häftlingen.
Das Aufführen von Musik unter den unmenschlichen Bedingungen eines Konzentrationslagers hatte zudem eine kulturelle und unterhaltende Funktion von tieferer Bedeutung für ein menschlicheres Leben und Überleben der übrigen Häftlinge, die sich in dem Moment des Musizierens und Hörens von Musik in ihren Träumen in „Freiheit“ wähnten. Es wurden auch Fragmente nationaler und politischer Lieder in das Lager geschmuggelt. Das Spielen dieser Musik wurde als eine Art oppositionelles Verhalten wahrgenommen. Mit Konzerten wurden teilweise auch Treffen von deutschen Kommunisten und des internationalen Komitees getarnt. Kasimir Timinski sagt über seinen Buchenwald-Aufenthalt: „So diente unsere Musik dem Kampf, stärkte den Geist, erleichterte das Aushalten von schweren Momenten, ermunterte, stärkte den Glauben an die eigene Kraft und gab wieder Hoffnung zu überleben.“
Eduard Frank
Obwohl
die Musiker und ihr Wirken heute in Vergessenheit geraten sind, wurde im
KZ-Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar ein ganz besonderes Kapitel
Jazzgeschichte geschrieben. Unter den menschenunwürdigsten Bedingungen eines
Konzentrationslagers entwickelte sich ein Streben nach kultureller Bestätigung
unter den Häftlingen. So wurde im Spätsommer 1943, vor allem auf Initiative von
tschechischen KZ-Häftlingen, ein Jazzorchester gegründet. Es nannte sich
„Rhythmus“, es war eine Art Mischung aus Big-Band und Tanzorchester, das sich
zur Aufgabe gemacht hat Musik von KZ-Häftlingen für KZ-Häftlinge zu machen.
1944 spielte es bereits in der Besetzung einer vollständigen Big-Band (3tp, tb,
2as, 2ts (p), g, b, dm). „Rhythmus“ war eine illegale Häftlingsvereinigung, die
größte Geheinhaltung gegenüber der SS und dem Wachpersonal erforderte. Umso
erstaunlicher ist es, dass unter kontinuierlicher Angst und Lebensgefahr
schnell eine zunehmende musikalische Perfektion erreicht wurde und durch
wachsendes Interesse neue Formen der kulturellen Beschäftigung (musikwissen-schaftliche
Vorträge) großen Anklang fanden. Dieses Zusammenfinden auf einer dem Lagerleben
völlig kontrastierenden intellektuellen Ebene führte rasch zu einer wachsenden internationalen Solidarität
unter den KZ-Insassen.
Die Häftlingsgemeinschaft wurde enorm durch die seelische Erbauung der Musik gestärkt, denn diese wurde nicht etwa als Selbstzweck, sondern zielbewusst zur Erneuerung des Lebenswillen aller eingesetzt. Die Musik wurde einerseits zum Ausweg aus der Resignation und andererseits zum erfolgreich prägenden Mittel des antifaschistischen Widerstands.
Dies schildert der Buchenwald-Häftling Miroslaw Hejtmar in einem Brief: „Sie [die Musik] war auch hinter dem Stacheldraht ein Ausdruck von Lebensfreude, befreit von allem Konstruierten, Karikierten, Unnatürlichen. Sie war keine Flucht, sondern diente im Gegenteil höheren Zielen.“
Dem erstaunlichen Enthusiasmus der Beteiligten stand jedoch weiterhin die Unmenschlichkeit des nationalsozialistischen Systems gegenüber. Günstig für das Wirken und Bestehen von „Rhythmus“ war der Umstand, dass Buchenwald ein Durchgangslager wurde und auf diese Weise die zunehmend chaotischen Umstände eine Manipulation betreffend der Einweisung von Häftlingen in bestimmte Arbeitskommandos und Transporte in andere Lager möglich wurde. Dies stütze den Zusammenhalt des Orchesters und machte wenigstens eine halbwegs kontinuierliche Durchführbarkeit von Übungstunden und Proben möglich. Umso erstaunlicher ist dies, wenn man berücksichtigt, dass der Einsatz von Häftlingen in den Rüstungsfabriken eine gravierende Zäsur im Leben dieser mit sich brachte – von körperlicher Erschöpfung durch die Arbeit einmal abgesehen. Trotzdem konnte bald ein Repertoire von rund 100 Titeln vorgewiesen werden, das gemäß den Häftlingen den unterschiedlichsten Nationalitäten entstammte. Trotz der Isolierung von der Außenwelt lernten die Musiker zahlreiche Neue Vokal- und Instrumentalwerke kennen, die neuankommende Häftlinge aus ihren Heimatländern mitbrachten. Hierbei spielte die Reproduktion von Musik zweifellos die gewichtigste Rolle.
So wurden Arrangements auf Basis von Vorsingen- summen, - pfeifen bzw. spielen angefertigt. Zusätzlich wurde das Arrangieren durch mangelndes Material wie zum Beispiel Notenpapier, das verboten in einer SS-Dienststelle kopiert wurde, erschwert.
Ein weitaus größeres Problem stellte die Beschaffung der Instrumente dar. Der Großteil der Instrumente wurde aus der Effektenkammer herausgeschmuggelt. Dies geschah Mithilfe von Häftlingen, die dort beschäftigt waren. Zudem wurden Instrumente heimlich von der Lagerkapelle ausgeliehen, was allerdings eine weitaus größere Gefahr darstellte.
Zu den Proben kamen auch Berufsmusiker, um dann und wann mitzuspielen oder sich als musikalischer Leiter, Berater und Lehrer zur Verfügung zu stellen. Nicht selten leiteten diese Profimusiker die sogenannten Blockkonzerte, die von Zeit zu Zeit heimlich in den Baracken abgehalten wurden. Das Quarantänelager, das Zentrum der musikalischen Aktivitäten, wurde von der SS fast nur zum Zählappell betreten. Auf diese Weise konnte hier weitgehend ungestört musiziert werden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich so die Rolle der Musik von einer Art Überlebensstrategie hin zu einem musikalischen Vergnügen.
Diese freiwillige zusätzliche Gefahrenaufnahme unterstreicht noch einmal die Notwendigkeit des Musizierens für die Häftlinge als Kontrast zu allen ertragenden Grausamkeiten.
Viele Häftlinge sprachen dem Zuhören beziehungsweise dem Musizieren selbst sogar den Charakter einer „letzten Ölung“ zu.
Malte Hubrig
Nach Kriegsende 1945 entstanden in allen vier Besatzungszonen so genannte Speziallager. Lange Zeit gerieten diese in Vergessenheit, jedoch ist es wichtig zu beachten, dass diese Lager nicht mit den ehemaligen Konzentrationslagern gleichgesetzt werden können.
Im Gegensatz zu den westlichen Alliierten, wo diese Lager zur „reinen Entnazifizierung“ der Bevölkerung dienten, nutzten die sowjetischen Besatzer sie zudem, um gegen anti-kommunistische Strömungen in der Bevölkerung vorzugehen. Die Verhaftungen in der SBZ fanden z.T. willkürlich statt und die Schuld der Beschuldigten wurde nicht nachgewiesen.
Dies führte dazu, dass im Westen die Speziallager in der Öffentlichkeit während des Kalten Krieges als Symbol für den Unrechtscharakter des kommunistischen Systems wahrgenommen wurden.
Von den sowjetischen
Sicherheits-organen verhaftet wurden jedoch in erster Linie Personen, die sich
aktiv in der NSDAP oder einer ihrer Organisationen betätigten oder mit den
Verbrechen der Nazis in Verbindung gebracht wurden. Dazu reichten oftmals
Verdächtigungen aus der Bevölkerung aus. Ehemalige Häftlinge berichteten über
gewaltsam erpresste Geständnisse oder sprachlich bedingte Missverständnisse. Über
die endgültige Einweisung in ein Speziallager entschieden ausschließlich
sowjetische Geheimdienstorgane.
Als die Zahl der Verhaftungen immer weiter anstieg und die Gefängnisse überfüllt waren, errichtete man sogenannte Speziallager. Dazu nutzte man unter anderem ehemalige Konzentrationslager, so auch das KZ Buchenwald.
Das Speziallager Nr. 2 im ehemaligen KZ-Buchenwald
Das Konzentrationslager Buchenwald wurde im Juli 1945 von den Amerikanern an die sowjetischen Besatzer übergeben und von ihnen als Speziallager weiterverwendet. Es war das zweitgrößte Speziallager nach Sachsenhausen und lag am westlichsten.
Insgesamt waren ca.28.000 Personen bis zur Auflösung des Lagers im Frühjahr 1950 in dem Speziallager inhaftiert, von denen ca.7000 an Unterernährung oder Krankheiten starben. Die durchschnittliche Belegungszahl lag bei ca.12.000 Gefangenen.
Der Aufbau
Das Lager untergliederte sich in den Häftlingsbereich und den Bereich der Bewachungseinheiten. Die sowjetischen Besatzer nutzten die bereits vorhandenen Bauten, so kamen die Häftlinge in den 50 Wohnbaracken des alten Hauptlagers unter, das ehemalige kleine Lager wurde abgerissen. Neben dem Arresträumen und dem Bunker befand sich auf dem Gelände zu Bestrafungszwecken der sogenannte Isolator, zwei vom übrigen Lager vollständig abgeschirmte Unterkunftsgebäude. Zudem verfügte das Lager über ein Lazarett und diverse andere Einrichtungen wie z.B. der Wirtschaftshof und die Gärtnerei, dessen Produktion allerdings zum größten Teil zur Versorgung des sowjetischen Lagerpersonals beitrug. Das Krematorium und das alte Industriegelände blieben ungenutzt.
Die Insassen
Die Mehrheit der Gefangenen waren deutsche Männer im Alter zwischen 40 und 60 Jahren, die lokale NS-Ämter innehielten. Dabei handelte es sich meist nicht um Angehörige der Gestapo oder SS, da diese in der Regel in Kriegsgefangenenlager in die UdSSR abtransportiert wurden.
Ab September 1945 entstand im Lager auch ein Frauenbereich, in dem, strikt abgetrennt von den anderen Insassen, insgesamt 1000 Frauen (entspricht 3,5% der Gesamtbelegung) festgehalten wurden. Im Gegensatz zu den Männern im Lager hatten diese Frauen eine durchschnittlich höhere Überlebenschance, was zum einen daran liegt, dass sie einen geringeren Energieverbrauch besitzen und somit die schlechte Versorgungslage körperlich besser verkrafteten und zum anderen arbeiteten sie häufig als Küchen-, Reinigungskräfte, Näherin oder in der Krankenpflege, wodurch sie die beabsichtigte Eintönigkeit des Lagers psychisch besser verarbeiten konnten. Des weiteren war die Entlassungsquote der Frauen höher als die der männlichen Insassen.
Eine weitere Minderheit im Lager bildeten die Gruppe der insgesamt 2300 Jugendlichen. Sie lebten meist bei älteren Insassen im Block und waren am meisten von der hohen Sterblichkeit betroffen.
Mit einsetzenden Entlassungen im Sommer 1948 änderte sich die Zusammensetzung im Lager: Während ehemalige Funktionäre entlassen wurden verblieben nur ehemalige Angehörige des NS-Verwaltungsapparats (Polizei und Justiz) im Speziallager. Der Hintergrund für die Freilassung von 28.000 Lagerinsassen (knapp die Hälfte), war der offiziell verkündete Abschluss der Entnazifizierung.
Die Trennung im Lager durch Isolation
Ein vorrangiges Ziel der Besatzungsmacht bestand darin, die Insassen des Speziallagers völlig zu isolieren. Kontakte mit der Außenwelt waren streng verboten. Auch die Angehörigen der Todesopfer erhielten zu keiner Zeit eine offizielle Benachrichtigung.
Zur Isolierung kam ab 1947 eine zunehmende Beschränkung der Bewegungsfreiheit, zu deren Zweck Zäune innerhalb des Lagers gezogen wurden.
Trotz der Isolierung der Häftlinge verbreiteten sich einige wenige Informationen über das Speziallager in der Bevölkerung, was dazu führte, dass sich Vertreter der Kirchen und diverser karitativer Organisationen um die Inhaftierten kümmerten.
Der Lageralltag
Die Lagerordnung bestimmte den Alltag der Gefangenen. Bei Verstößen gegen diese gab es verschiedene Bestrafungen, die zum Teil willkürlich gehandhabt wurden.
Morgens und abends wurden Zählappelle abgehalten, die im „Normalfall“ bis zu 2 Stunden dauerten. Infolge von Fluchtversuchen, wurden zum Teil stundenlange Zählappelle als Strafe angeordnet.
Später, nach der Einschränkung der Bewegungsfreiheit, wurden die normalen Zählappelle vor den einzelnen Baracken abgehalten.
Die erzwungene Beschäftigungslosigkeit der Insassen führte zu schweren psychischen Belastungen. Nur 10-20% der Insassen hatten eine dauerhafte Beschäftigung.
Die Lagerverwaltung ließ zunächst einige kulturelle Aktivitäten zu, durch die vor allem Gefangene, die zuvor intellektuelle Berufe ausgeübt hatten, versuchten, die erzwungene Untätigkeit im Lager entgegenzuwirken. Nachdem fünf Mitglieder des Künstlerverbandes geflohen waren, wurden diese Aktivitäten verboten.
Durch die schlechten hygienischen Bedingungen verbreiteten sich Krankheiten und Seuchen unter den Insassen, diese Faktoren führten neben Hunger und psychischer Selbstaufgabe am häufigsten zum Tode.
Nachdem die Lebensmittelrationen im November 1946 drastisch gesenkt wurden, setzte im darauf folgenden harten Winter ein Massensterben im Lager ein.
Die Auflösung des Lagers
Nach der Entlassungswelle im Jahre 1948 verstärkten sich Forderungen nach der endgültigen Schließung des Lagers. Durch bereits entlassene Gefangene wurden Informationen über die Zustände in den Lagern bekannt, wodurch sich die Unruhe in der Bevölkerung verstärkte.
Am 15. Februar 1950 schließlich war das Speziallager Nr.2 bis auf ein kleines Nachrückkommando geräumt. Jedoch wurden nicht alle Gefangenen in die Freiheit entlassen. 2415 Personen wurden in ein Zuchthaus nach Waldheim überstellt, weitere 264 Insassen wurden um Spuren zu verwischen zum Arbeitseinsatz in die UdSSR abtransportiert, so z.B. ehemalige Inhaftierte des Beerdigungskommandos.
Sarah Holz und Jule Hundert
„Der Missbrauch des Antifaschismus zur Legitimierung der Zustände in der DDR war verbunden mit einem Ausschließlichkeitsanspruch der SED. Daraus folgte die Preisgabe authentischer Werte sowie eine ritualisierte und selektive Würdigung der Opfer“

Dieses Zitat aus „Zur weiteren Entwicklung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald“ zeigt eindeutig, wozu in der DDR die verschiedenen Opfergruppen für die Ziele des Staates missbraucht worden sind und wie sie zur Legitimierung des Staates dienten. Der Kampf gegen den Faschismus wurde Heroisiert und die Parole „Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!“ wurde zu einem unverrückbaren Grundsatz der politischen Führung.
Dabei wurden zwangsweise bestimmte Opfergruppen in den Schatten gestellt und andere wiederum besonders hervorgehoben. Deutlich wird das Leid der politisch Inhaftierten und Widerstandskämpfer gezeigt und als Heldentat betont. So wurde, nachdem in Buchenwald das sowjetische Speziallager in Dienst genommen wurde und damit das ehemalige Konzentrationslager als Standort eines Denkmals nicht in betracht kam, auf dem Goetheplatz in Weimar ein Denkmal errichtet welches den Roten Winkel zeigte.
Der rote Winkel diente in der Zeit des Nationalistischen Terrorregimes zur Kennung von politisch Inhaftierten. Damit wurden sämtliche Opfer trotz ihrer verschiedenen Verfolgungsgründe und Herkünfte als politische antifaschistische Widerstandskämpfer dargestellt. Widerstandswille wurde fast jedem der Inhaftierten zugesprochen, doch wurde der Organisierte Widerstand unter der Leitung des Kommunistischen Walter Bartel besonders hervorgehoben. Im Konzentrationslager Buchenwald war der Treffpunkt des Widerstandes, laut der Lehrmeinung der DDR, in der Latrine. So wurde dieser Ort als Zentrum desselben mit einem Gedenkstein markiert und in verschiedenen Schriften besonders erwähnt. Auch wurde der letzte Vorsitzender der KPD, den Stalin entgegen aller Vermutungen nicht freigehandelt hatte und so im Krematorium hingerichtet worden ist, besonders geehrt. An der Hinrichtungsstätte erinnerte eine doch recht große Gedenktafel (die auch heute noch dort ist) und eine Büste an den „großen deutschen Arbeiterführer“.
So sprach der erste Ministerpräsident der Deutschen Demokratischen Republik Otto Grotewohl der selbst als antifaschistischer Widerstandskämpfer bezeichnet wurde bei einer Gedenkveranstaltung am 14.9.1958 in Buchenwald: „Aufrecht und mutig gingen sie ihrem letzten Gang, wie der Kommunist Thälmann, der Sozialdemokrat Breitscheid, der [evangelische] Pfarrer Schneider, die ungezählten sowjetischen Kriegsgefangenen, die gequälten Zwangsarbeiter aus allen Nationen und die namenlosen Tausende.“ Die Reihenfolge der Aufzählung und die Erwähnten Gruppen verdeutlicht sehr schön welche Gruppen ausgeschlossen worden sind und welche nicht. Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Deserteure usw. werden nicht direkt erwähnt. Sie sind wenn überhaupt mit in der Gruppe der namenlosen Tausenden. Sie werden ausgeblendet und sind im Gedächtnis der Opfer nicht vorhanden.
Kommunisten und Sozialdemokraten werden dem DDR-Regime entsprechend gewürdigt und aus den Reihen der unzähligen Opfer des Konzentrationslagers hervorgehoben. So sollte die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald als Gedenkstätte für den Kampf des antifaschistischen Widerstandes dienen. Dieser Glaube an einen großen und in übermaßen erfolgreichen Widerstand gipfelte in der Behauptung, dass sich die Insassen des Lagers seit langer Zeit bewaffnet hätten um im richtigen Augenblick das Lager zu befreien. Als dann die Amerikaner in der Nähe waren sahen die Häftlinge den günstigen Zeitpunkt und eroberten ganz im Sinne der Kommunistischen Freiheitsideen das Lager. Die SS die nun von zwei Seiten angegriffen wurde sah keinen Ausweg mehr und floh Hals über Kopf. Diese Ansicht über die Befreiung des Lagers wie sie in der DDR verbreitet wurde ist heute stark umstritten. Allein die Tatsache dass die Waffen-SS aus gut ausgebildeten Soldaten bestand und sich in einer erheblichen Überzahl befand macht die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Angriffs Seitens der ausgehungerten und teilweise todkranken ziemlich unwahrscheinlich.
Die in der DDR ausgeblendeten Opfergruppen bekommen nun nach und nach ihre Gedenkstätte und ihren eigenen Ort wo sie um ihre Angehörigen trauern können. Zum Beispiel wurde erst am 15. Mai 2001 ein Gedenkstein für die bis jetzt und vor allem in der DDR durch gesellschaftliche Diskriminierung fast vergessenen Deserteure in Buchenwald errichtet. Die Deserteure war die Opfergruppe die am längsten auf ihre Anerkennung warten musste. Nach Kriegsende wurden diese vor allem im Osten als Feiglinge und Vaterlandsverräter angesehen. Sie wurden weder als Aktive noch als Passive Kämpfer gegen den Faschismus angesehen und somit konnte das DDR-Regime sie nicht als “Vorzeigeopfer“ missbrauchen. In Buchenwald waren nach Knigge ab Herbst 1944 ca. 800 Deserteure zwischen 18 und über 50 Jahre.
Auch die Zeugen Jehovas [die sogenannten Bibelforscher] bekamen erst im Mai 2002 eine Gedenkstätte für ihre inhaftierten und ermordeten Mitglieder während des NS-Regimes. In Buchenwald selbst waren ca. 800 Zeugen wobei 38 direkt im Lager und weitere 55 auf „Todesmärschen“ ums Leben gekommen sind.
Daniel Wilberg
Die Entnazifizierung in der sowjetische besetzten Zone von 1945 bis 1949 sollte sich im allgemeinen gegen die nationalistisch orientierten Persönlichkeiten und auf deren Neutralisierung konzentrieren. Sie betraf häufig zurecht „belastete“ Personen, der politische „Eifer“ der Verantwortlichen ging aber über reine Ent-nazifizierungsmaßnahmen weit hinaus. Die „Sequestrierungsverfahren“ wurden oft dazu benutzt, den Strukturwandel den die sowjetische Besatzung und die sich ab 1947 radikalisierende SED forderte umzusetzen. Vor allem zählte dazu die Enteignung von Grundbesitz sowie von Firmen und Handelshäusern.
Die in diesem Zusammenhang geführten Prozesse dauerten meist Jahre und kosteten die Betroffenen viel Zeit und Geld. Als nicht zu gering sollte man auch den psychischen Druck einschätzen. Dieser stellte bei den meisten Betroffenen wohl das größte Problem dar. So muss immer eine ständige Angst vor der Zukunft geherrscht haben, die alles für einen bereit halten konnte. Von der Beschlagnahmung des gesamten Vermögens bis hin zur Inhaftierung und Internierung in „Speziallagern“ und den eventuell folgenden Tod.
So versuchte die betroffene Person durch zahlreiche Gutachten und beglaubigte Schriften von Bekannten seine Unschuld zu beweisen. Die Führung hingegen versuchte immer neue Beweise gegen den Betroffenen vorzubringen (was im eigentlichen Sinne oft nichts weiter als reine Schikane war) und zeigte damit in der Öffentlichkeit einen Schein der Gerechtigkeit der keineswegs der Realität entsprach.
Durch die Enteignungen sollte die Grundlage für den später schleichend kommenden sozialistischen Staat geschaffen werden. Von 1945 bis 1949 vor allem aber in den 1950er Jahren wurden die Enteigneten umgesiedelt und aus ihrer Heimat vertrieben um damit die „Gefahr“ die von ihnen ausging zu bannen bzw. zu kontrollieren.
Einen solchen Prozess der Entnazifizierung und gleichzeitiger Enteignung zeigt das Beispiel des Textilunternehmers F.J. Clad und seiner gleichnamigen Firma. Bereits 1946 wurde er aufgrund der Befehle 124 und 126 der Sowjetischen-Militär-Administration einem Sequester-Untersuchungsverfahren unterzogen, obwohl er viele bestätigte Angaben machte und fast hundert beglaubigte Zeugenberichte, deren Kosten er persönlich begleichen musste, vorlegte konnte er sich von dem Vorwurf das er ein Nazi gewesen sei nicht befreien.
Ihm und seiner Frau wurde das gesamte Vermögen enteignet. Immer wieder konnte er sich mit stichhaltigen Argumenten dem Vorwurf und dem Verfahren vorrübergehend entziehen, aber auch nur solange bis die Untersuchungskommission neue Argumente vorbrachte. Dass er kein Nazi gewesen war ist aus der Akte aus dem Ministerium für Justiz Nr. 499 gut sichtbar. So hatte er nach eigenen Angaben einen Neffen und Pflegesohn Rudolf H. der als Jude am 30.11.1942 im Konzentrationslager Auschwitz umgebracht wurde. Auch wurde er von dem NS-Regime als Staatsfeind angezeigt. Er soll die Zersetzung der Wehrmacht angestrebt haben, ausländische Sender abgehört sowie den Führer beleidigt haben. So schreibt er am 30. Januar 1948 an die zuständige Behörde
Auch hat er im Herbst 1932 eine lokale demokratische Partei mit dem Namen „Allgemeinwohl“ gegründet und wurde gleich als Spitzenkandidat in das Stadtparlament von Ronneburg gewählt. Nachdem die Nazis ihre Macht immer weiter ausbauen konnten wurde seine Partei aufgelöst, schied aus dem Parlament und ging dazu über das Naziregime systematisch mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen.
Bereits am 21. April 1947 las man in einer von vielen Eidesstattlichen Erklärungen über Dr. jur. Franz Clad: „Schon bei Beginn der Naziherrschaft war Herr Dr. Clad fest davon überzeugt, dass durch sie eine Entwicklung kommen würde, die in einem großen Unglück für Deutschland ausklingen müsste. Über die krasse Erkenntnis Dr. Clads, dass der Fremdling Hitler ein ausgesprochener Psychopath und Scharlatan wäre, wofür er immer wieder neue Beispiele anführte, wenn ich ihn besuchte, und über andere freimütige Äußerungen Dr. Clads war ich oft mehr als überrascht, obgleich ich als Bevollmächtigter englischer Versicherungsgesellschaften durch den Umgang mit Engländern ohnehin ein klares Bild für das Unmögliche des Hitlerkurses hatte. Ich entsinnte mich noch deutlich, dass Herr Dr. Clad nach der Röhm-Affäre zu mir sagte, dass Hitler nicht als oberster Gerichtsherr, sondern als ob erster Mörder des deutschen Volkes gehandelt hätte und einst auch in den Stiefeln sterben würde.“
Wie dieser Prozess ausgegangen ist lässt sich anhand der Akten nicht rekonstruieren, doch kann man die Absicht der Führung deutlich erkennen. Sie wollten mit allen Mitteln den Herrn Clad enteignen und ihn vielleicht sogar ganz aus der Region entfernen. Ihm wird ein fast vorbildhaftes Verhalten nachgesagt und dennoch lassen ihn die Behörden nicht in Ruhe. Er wurde wahrscheinlich solange schikaniert bis er es nicht mehr ausgehalten hat. Ob er aus gesundheitlichen Gründen (er war durch einen Granatsplitter schon beeinträchtigt) oder aus finanziellen Gründen (Jedes Gutachten kostete rund 1000 RM) gescheitert ist spielt dabei eine geringe Rolle. Seine Existenz wurde unter dem Deckmantel der Entnazifizierung vernichtet.
Daniel Wilberg
Die beiden deutschen Staaten – BRD und DDR – nutzten den Nationalsozialismus bereits während der Zeit ihrer Gründung als historischen Bezugspunkt. Regelrechte Gründungsmythen entstanden, welche den Übergang zwischen Fiktion und Realität der Historie verschwimmen ließen und dem heutigen Betrachter ein Bild über das Selbstverständnis der beiden deutschen Staaten und ihrem nationalen Bewusstsein vermitteln können. So ist die Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Erbgut lange Zeit ein Element des Systemkonfliktes im Rahmen des Kalten Krieges gewesen.
Ausgangspunkte für beide Deutungen waren die unterschiedlichen Erklärungen über die Gründe für die Machtübernahme der Nationalsozialisten.

Wie Österreich „entzog“ die DDR sich der nationalsozialis-tischen Erblast, wenn unter anderen Vor-zeichen. Sie gab vor, mit dem durch die sowjetische Besatzungsmacht nach 1945 eingeleiteten Systemwechsel die 1918/1919 nicht stattgefundene Re-volution nachgeholt zu haben. Dabei wurde die These propagiert, dass eine frühzeitige Überwindung des Kapitalismus, dem Faschismus die Basis entzogen hätte, mit anderen Worten es nie zum Nationalsozialismus in Deutschland gekommen wäre.
Die DDR suchte in der deutschen Vergangenheit ihre Legitimation, formte bzw. verzerrte damit auch gewollt schon viel früher als in der BRD den Blick des Zeitgenossen auf den Nationalsozialismus, indem sie (Vgl. Orientierung an die Sowjetunion und die damit verbundene Ideologie) die These propagierte, der Nationalsozialismus sei nur die radikalste Form bürgerlicher Herrschaft, eine Folge des Faschismus, welcher wiederum aus dem Kapitalismus resultiere. Das eindeutige Weltbild des SED-Staats wird somit ganz klar dargelegt, nämlich die einfache Unterteilung zwischen „Gut“ und „Böse“: Die Kommunisten, welche im Widerstand gegen den faschistischen Feind gekämpft haben - jetzt neu vereinigt im Staat der DDR - und das NS-Regime als „die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“, dessen Erbe weiterhin auf den Schultern der BRD lastet, welche sich für den „Kapitalismus“ in Anbindung an den Westen entschieden hat.
Durch den sozialistischen Hintergrund der DDR sei damit (Vgl. Marxistisch-Leninistische Analyseversuche des Nationalsozialismus) jedwede Form des Faschismus und damit Nazismus bereits bei den Wurzeln ausgerottet. Diese Vorraussetzung musste notwendigerweise auch Einfluss auf die Entnazifizierung haben.
So wurde die Enteignung schon zu Sowjetischer Besatzungszeit als Akt der Entnazifizierung deklariert.
Das Gedenken an das NS-Regime wurde zu ideologischen Zwecken instrumentalisiert, Geschichtsforschung wurde geprägt und beeinflusst, erhielt sogar die Aufgabe die Gründungsmythen weiter mit historischen Fakten zu „belegen“ und dies verbunden mit inszenierter Erinnerung. Andererseits wurden auch bestimmte umstrittene Ereignisse verdrängt und tabuisiert wie zum Beispiel der Hitler-Stalin-Pakt, oder auch die Internierungslager der Sowjets (Vgl. Speziallager 2 ). Auch in diesem Punkt spielt der Kalte Krieg eine große Rolle.
Die Opfergruppen des Nationalsozialismus wurden unterschiedlich behandelt und teilweise auch diskriminiert, z.B. was die Renten und Entschädigungen anbelangt. (Vgl. Unterschied zwischen ehemaligen jüdischen KZ-Häftlingen - als reine Opfer – und die ehemaligen kommunistischen, bzw. sozialistischen Inhaftierten – als die Kämpfer gegen das NS-Regime - Vgl. auch Mahnmal Buchenwald). Nicht zuletzt muss die Heroisierung der Roten Armee und des kommunistischen Widerstands genannt werden, welche jeglicher Realität fremd ist.
Auch in Westdeutschland bzw. in der BRD fand eine Indienstnahme des Nationalsozialismus statt um die eigene Stellung im Staatengefüge, sowie die Existenz der Bundesrepublik zu legitimieren und zu sichern gerade in Bezug auf die Westmächte.
Schon zu Zeiten der Besatzung war dieser Trend zu beobachten, denn spätestens mit dem Marshallplan verschärften sich die Fronten zwischen Ost und West. Durch die Amerikanische Besatzung und Hegemonie unter den Alliierten stand zudem außer Frage, dass Westdeutschland auch eine Anbindung an die USA und das damit verbundene System suchte.
Generell muss angemerkt werden, dass sich die BRD im Gegensatz zur DDR und Österreich nicht dem nationalsozialistischen Erbgut entziehen konnte. Sie war offizieller Nachfolgestaat des Deutschen Reiches und musste sich dementsprechend der gesamten Erblast stellen.
Auch hatte sie einen zwiespältigen Vergangenheitsbezug: Auf der einen Seite musste sie sich als Nachfolgestaat an die Kontinuität des Deutschen Reiches anschließen, sich auf der anderen Seite aber von ihm distanzieren.
Zunächst spielte auch hier der Kalte Krieg eine wichtige Rolle. Dadurch dass die Welt schrittweise mit den Ost-West-Spannungen (welche später zum Kalten Krieg eskalierten) in zwei Lager gespalten wurde, musste auch die BRD schon allein aus wirtschaftlichen Gründen, sowie aus Sicherheitsgründen eine Anbindung an die westliche Welt suchen. Dies schloss eine Annäherung an Israel ein. Der Umgang der BRD mit seinem nationalsozialistischen Erbgut würde ausschlaggebend für seine Integration und auch für den Grad seiner Selbstbestimmung im westlichen Staatengefüge sein, denn es galt das Vertrauen der anderen Staaten (allen voran der USA) durch die Einhaltung der den USA scheinbar wichtigen und weitgehend propagierten Leitlinien, Grundsätzen und ihrer Idee von Demokratie, Freiheit, Toleranz u.s.w. zu gewinnen. Natürlich spiegelte sich auch dieser Ansatz in zahlreichen Entnazifierungsprojekten wider.
Trotz der relativ frühen Kontakte mit Israel passierte in Westdeutschland zunächst wenig im Hinblick auf die Ehrung der Opfer des NS-Regimes, stattdessen wurde den gefallenen Soldaten aus den eigenen Reihen und den zivilen Opfern innerhalb der Bevölkerung gedacht. Dies fand seinen Niederschlag in zahlreichen Denkmälern.
Das geschah vor allem, um sich nach Außen hin (gerade was die Debatte um die Einführung der Bundeswehr und den Beitritt der Bundesrepublik zur NATO anbelangt) in besserem Licht zu präsentieren. So wurden gerade zu Beginn der BRD vor allem die militärischen Widerstandskämpfer, wie die Aktivisten aus dem Bürgertum verehrt.
Dies dürfte erklären, warum zunächst weniger z.B. an die Opfer de NS gedacht wurde, als an die Widerstandskämpfer aus dem Bürgertum.
Leitideologie wurde auch ein starker Antikommunismus, der auf der einen Seite Ausdruck des Kalten Krieges war und auf der anderen Seite daraufhin abzielte, bessere Kontakte zu den USA zu schaffen.
Im Rahmen dieses massiven Antikommunismus und den damit verbundenen Konsequenzen (z.B. Gesetzen) wurden natürlich wie in der DDR verschiedene Opfergruppen partiell ausgeblendet, bzw. diskriminiert wie zum Beispiel die Kommunisten, Homosexuelle, Sinti und Roma ... .
Ann-Kristin Hartmann
Friederike Bohle
Das erste Buchenwald - Denkmal, war ein nach der
Befeiung von den ehemaligen Häftlingen in den Lagerwerkstätten gefertigter
Obelisk, der provisorisch auf dem Appellplatz des ehemaligen Lagers errichtet
wurde. Geplant wurde die dazugehörige Totengedenkfeier am 19.04.1945 von dem
von deutschen Kommunisten dominierte Häftlingslagerkomitee.
Kurz darauf wurde das ehemalige Konzentrationslager so rekonstruiert, wie es vor der Befreiung aufgefunden wurde. So wurden z.B. Leichen vor dem Krematorium aufgestapelt und ca. 1000 Weimarer mussten auf Befehl eines Kommandeurs der US-Armee das Lager besichtigen. Doch diese Methode war nicht lange erfolgreich. Am 9.5. empfahl General Omar Bradley dem Oberkommandierenden der alliierten Streitkräfte in Westeuropa die Schließung des KZ Buchenwald für Besucher mit dem Argument, das in Ordnung gebrachte und deshalb nicht mehr wirklichkeitsgetreu vorstellbare Lager könne den Eindruck erwecken, dass die Darstellungen der deutschen Gräueltaten nicht der Wahrheit entsprächen.
Der politische Häftling jüdische Häftling Werner A. Beckert forderte allerdings im Namen der überlebenden Häftlinge, das KZ Buchenwald vollständig zu erhalten. Das Lager sollte als Mahnmahl für künftige Generationen nicht verändert werden.
Nicht unabhängig davon kam der Vorschlag auf, auf dem alten Teil des Weimarer Stadtfriedhofes in der Nähe der sog. „Fürstengruft“ ein „Ehrenmal Buchenwald“ zu errichten. Dieses Grabmal hätte in der Tradition des Totengedenkens gestanden und sich bruchlos in die Reihe bisher bekannter Denkmalsformen eingefügt. Gegen dieses Vorhaben und somit auch gegen Beckert stellen sich andere ehemalige politischen Häftlinge des KZ Buchenwald, mit der Begründung, Beckert habe private Bereicherungs- und Gewinnabsichten. Zudem habe er als Kapo mit der SS gegen die Häftlinge gearbeitet, seine „Person sei nicht würdig, die Ehrung vorzunehmen.“
Nun wurden auch andere führende kommunistische
Buchenwalder aktiv. Sie forderten eine schnell zu verwirklichende Alternative
zu Beckerts Vorschlag. Das Urnengrab sei schon unter Formgesichtspunkten völlig
unzureichend kritisierte Hermann Henzelmann. Dieser war KPD-Mitglied und sein
Gegenvorschlag war ein großes Mahnmal auf dem Weimarer Karl-Marx-Platz welches
-da es mitten in der Stadt stehen würde- warnend und lebendig zugleich seien
sollte.
Eigentlich sollte dieses Denkmal am 11.04.1946 zum Tage der Befreiung Buchenwald der Öffentlichkeit übergeben werden, doch im Frühjahr 1946 übernahm die Sowjetische Militäradministration Thüringen die Gebäude des „Gauforums“ und verwandelte den Karl-Marx-Platz in Parkplätze. Aus diesem Grund scheiterten schon die planerischen Vorarbeiten zum Denkmal und die Befreiungsfeierlichen wurden ausweichend auf dem neuen Teil des Weimarer Stadtfriedhofes, am sog. „Blitz-Denkmal“ abgehalten.
Obwohl Beckerts Vorschlag des „Buchenwald Ehrenmals“ leer lief und Henzelmanns Alternative nicht einmal im Ansatz realisiert wurde, zeigt diese doch, dass die führenden deutschen kommunistischen Mitglieder des ehemaligen Häftlingslagerkomitees die Verwirklichung des Gedenkens an Buchenwald als ihre Aufgabe betrachteten – sowohl für alle ehemaligen Häftlinge, wie auch für nationale und internationale Öffentlichkeit.
Bei der Verwirklichung dieser Absicht konnten sie sich auf Ämter und Positionen stützen, die sie in öffentlichen Verwaltungen, in der politischen Administration bis hinauf in die Thüringische Landesregierung und in der KPD/SED einnahmen. Organisatorisch waren ihnen hier Verbände für die NS-Verfolgten wie die VVN oder das Buchenwald-Komitee hilfreich.
Im Zentrum der Gruppe ehemaliger kommunistischer Häftlinge stand Werner Bartel.
Ihr Denkmal sollte die Vorkämpfer feiern, der Sieg sollte im Mittelpunkt stehen und das Problem, die Wirklichkeit des Konzentrationslagers zu repräsentieren stellte sich nicht mehr.

Als Provisorium bis zur Errichtung des eigentlichen Denkmals gedacht, wurde auf dem Goethe Platz ein erneut von Hermann Henselmann entworfenes aufgesockeltes, mehrere Meter hohes rotes Dreieck zum zweiten Befreiungstag am 11.04.1947 errichtet. Dieses rote Stoff-Dreieck soll den roten Winkel darstellen, mit dem die Lagergestapo die politischen Häftlinge gekennzeichnet hatte.
Mit der Wahl des roten Winkels als Symbol für alle Häftlinge des KZ Buchenwald wurden zunehmend Schwerpunkte von Erinnerung auf bestimmte Aspekte der Geschichte bzw. auf eine Häftlingsgruppierung gelegt.
Es interessierte nicht mehr die Verschiedenheit oder unterschiedlichen Gründe der Verfolgung der Häftlinge sondern sie wurden nunmehr alle einheitlich als „antifaschistische Wiederstandskämpfer“ bezeichnet. Hiermit wurden Schicksale ausgeblendet die sich –laut Henselmann- möglicherweise in einen „Bestattungsgedanken“, nicht aber in den sich mehr und mehr abzeichnenden „Erinnerungsgedanken“ einfügen hätten lassen.
Hinzu kommt, dass im Zuge der Gründung der VVN die Parteiführung der SED feststellte, dass dafür Sorge zu tragen ist, dass die „enge Verbindung zwischen der Organisation der OdF (gemeint ist hier die VVN, V.K.) und der Partei sichergestellt wurden.“
Die Unterordnung der VVN unter der SED entsprach dem Selbstverständnis der kommunistischen KZ-Häftlinge, die sich als die entschiedensten Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus begriffen. Somit entbrannte im Zusammenhang mit der Gründung der VVN eine Diskussion, wer Anrecht auf Mitgliedschaft –und damit ein Anrecht auf entsprechende Entschädigung haben sollte, nur Kämpfer oder auch Verfolgte? Beschlossen wurde, dass diejenigen, die während der Hitlerzeit „nur“ als Verfolgte galten, wie z.B. Bibelforscher (Zeugen Jehovas), „Zigeuner“ oder Juden, sehr wenig oder gar nicht an dem politischen und demokratischen Aufbau teilnehmen, und dass für diese nur die materielle Entschädigung maßgebend wäre. Andererseits beteiligten sich die „politischen Kämpfer“, soweit sich nicht durch Krankheit oder dergleichen gehindert waren, aktiv an den politischen Prozessen der Nachkriegszeit. Sie übernahmen häufig politische Funktionen in Verwaltung und Partei(en) in der SBZ.
Hier wird erneut deutlich, dass eine Hierarchisierung der Opfer stattfand. Dies zeigte sich auch in einem von der Kreisleitung von Weimar vorgeschlagenen Denkmal, dessen Grundsteinlegung am 14. September, dem Tag der Opfer des Faschismus, in Weimer auf dem ehemaligen Watzdorf-Platz erfolgte. Dort sollte ein „Völkerdenkmal der Widerstandsbewegung“ entstehen. Das Denkmal soll aus „zwei gewaltigen“ an die den Platz durchschneidende „Straße heranführenden Gruppendarstellungen“ bestehen, die „in innerer Verbundenheit zueinander die durch Leid und Kampf gewordenen Menschlichkeit zum Ausdruck bringen.“
Diese Idee wurde jedoch nicht verwirklicht, denn was dazu beigetragen haben mag war ein Befehl vom 9.11.1946 des Militärkommandanten des Kreises Weimar, der den unmittelbar nach der Befreiung des Lagers entstandenen Häftlingsfriedhof auf dem Ettersberg in die Erinnerung zurückgerufen hatte. Er verlangte, dass der Friedhof in Ordnung gebracht werde. So war er zum Beispiel einzuzäunen und ein allgemeines Denkmal war aufzustellen, mit dem alle Nationen, die von der Gestapo zu Tode gequält worden zu ehren seien.
Den einzigen Gegenvorschlag zu dem sich abzeichnenden Denkmalskonzept, indem nur die „wahren Helden des Wiederstandkampfes“ geehrt werden sollen, formulierte Ernst Thape, der als Sozidemokrat 1944 das Volkskomitee im KZ Buchenwald mitgegründet hatte. Er schlug vor, auf dem Ettersberg ein „Denkmal der unbekannten Opfer des Faschismus zu errichten. Der sich zu der Zeit noch am Südhang des Berges befindlich „Bismarckturm“, welcher seiner Meinung nach das imperialistische Machtstreben des deutschen Bürgerturms symbolisiert, sollte, um das Ende dieser Epoche deutscher Geschichte zu kennzeichnen, abgerissen werden und es sollte stattdessen ein „großes Mahnmal des Friedens und der Menschlichkeit entstehen.
Die Idee war: „ Bauen wir hier auf dem Berg inmitten Deutschlands für jede uns bekannte Religion eine Kapelle und dazu in ihrer Mitte eine Stätte für den unbekannten Gott(...)“
Dieses Denkmal sollte zeigen, dass es andere als die machtbesessenen, national-sozialistischen Deutschen gab, Deutsche, denen nunmehr die Zukunft gehören sollte.
Am 13.4.1947 fand eine Totenehrung am „KZ-Buchenwald - Bismarckturm“ statt. An dem Bismarckturm hatte man ein großes rotes Dreieck angebracht. „Den unsterblichen Opfern aller Nationen“ verkündete das Spruchband darunter.
Der oben genannte Denkmalsentwurf des Ernst Thape wurde nicht realisiert, da dieser 1948 aus der Sowjetischen Besatzungszone floh. Der Ort am Bismarckturm als Standort für ein Denkmal gerät allerdings nicht in Vergessenheit. Der Turm wird am 22.4.1949 gesprengt und Walter Ullbricht beauftragte Walter Bartel damit, ein Denkmal für die Opfer des Faschismus an des Stelle des Turmes zu errichten. Kurz darauf schlug dieser den Mitgliederndes Buchenwald-Komitees der VVN vor auf dem Ettersberg zunächst einen provisorischen Gedenkstein aufzustellen. Die sofortige Errichtung eines „würdigen Mahnmals“ erschien unter den gegebenen Umständen illusorisch. Hiermit war der Mangel an Arbeitskräften und Baustoffen gemeint. Später sollte dann ein Denkmal entstehen, „das weit ins Land schauend Mahnung und Verpflichtung zugleich ausdrücken sollte.“
Dieses Denkmal wurde im Auftrag der Hochschule für Baukunst und bildende Künste geplant. Die Architekten schlugen vor die entstandenen Massengräber in den Erdfällen unterhalb des Bismarckturms sowie die nach der Befreiung entstandenen Gräber zu einem „Ehrenhain“ zusammen zu fassen. Ein von dem Architekten Tschierschky entworfenes, 20 Meter hohes Dreieck in Betonskelettweise sollte der „Brennpunkt“ sein.
Im Rahmen einer Sitzung des – im Juni 1949 zur raschen Verwirklichung des Denkmals – gebildeten „Ettersberg – Ausschusses“ am 12.9.1949 fand der Denkmalsentwurf Tschierschkys die Zustimmung der führenden ehemaligen KZ-Häftlinge.
Es ist verwunderlich, dass der Denkmalsentwurf diese einhellige Zustimmung erfuhr , da er weder „volkstümlich“, „heldenhaft“ und auch nicht „abbildhaft wiederspiegelnd“ war. Zudem erschien der „Erinnerungsgedanke“ in Tschieschkys monumentalen Dreieck durch den „Bestattungsgedanken“ überlagert.
Es scheint, als wäre die Form des Denkmals für die führenden ehemaligen kommunistischen Häftlinge des KZ Buchenwald eher zweitrangig gewesen, viel wichtiger schient die Tatsache, dass sie das beanspruchte Deutungsmonopol auf die Geschichte des KZ Buchenwald nicht untergraben würde.
Die Sorge wäre auch unbegründet gewesen, da Ende Juli 1949 die Informationsabteilung der SMAD den Vertretern der VVN vorschlägt im ehemaligen KZ Buchenwald ein Nationalmuseum zu errichten und das somit als Träger der Erinnerungsgedankens aus dem Lager im Laufe der Zeit ein „Widerstandsmuseum großen Ausmaßes entstehen soll“
Hinzu kommt, dass das von Siegfried Tschierschky konzipierte Denkmal nicht gebaut wurde. Seine Verwirklichung hätte die finanziellen und materiellen Möglichkeiten des Landes Thüringen überschritten.
Aus diesem Grund wendete sich im Dezember 1949 der thüringische Ministerpräsident an den Ministerpräsidenten der DDR um diesem um Geld für die entgültige Gestaltung des Ehrenhains und zur Errichtung des Mahnmals“ zu bitten, jedoch hatte für diesen der Aufbau des Landes Vorrang. Einzig dem Finanzminister Loch, gefiel die Idee Walter Bartels eines „weithin sichtbaren Monuments, das Nachts leuchtet“. Jedoch sah sich der Staat auf Grund der Materiallage außer Stande das Geld, dem Bau des Ehrenhains und des Mahnmals in diesem Jahre zu genehmigen. Deswegen kam der Bau des Denkmals auf dem Ettersberg zum Stillstand, sein Leitgedanke wurde jedoch realisiert, denn schon zum „Tage der Opfer des Faschismus“ im Jahre 1949 hatte man –dem Vorschlag Tschierschkys für ein Übergangsdenkmal folgend- in den beiden trichterförmigen Massengräbern auf dem Ettersberg betongegossene Buchstaben zu dem Wort „MEMENTO“ zusammengefügt.

Zudem fasste 1948 die Stadt Weimar den Be-schluss auf dem Stadt-friedhof von Weimar ein „Denkmal für die unbe-kannten Opfer des Faschismus aus dem Lager Bu-chenwald“ zu errichten, wel-ches am 12.9.48 eingeweiht wurde.
Obwohl 1950 das Geld für den Bau eines Buchenwald-Denkmals nicht bewilligt wurde, war der Stillstand der Arbeiten nicht entgültig, da sich die SED-Spitze nun zunehmend auf die Anregung stützte, im Lager Buchenwald ein Nationalmuseum einzurichten. Der Schwerpunkt lag nun auf der Umgestaltung des ehemaligen KZs und die Fertigstellung des Ehrenhains trat vorerst in den Hintergrund, zudem zeichnete sich eine Funktionserweiterung des Denkmals ab. Neben der Würdigung der antifaschistischen Kämpfer, sollte nun die Geburt eines „neuen Deutschlands“ gezeigt werden. Dem Denkmal wuchst die Aufgabe zu, die DDR als „besseres Deutschland“ zu legitimieren.
Es wurde hiermit deutlich, dass die Errichtung von Gedenkstätte und Denkmal zunehmend eine zentralgesteuerte staatliche Angelegenheit wurde.
Nun stellte sich auch erstmals die Frage, was mit den Relikten des ehemaligen KZs geschehen sollte.
Diese Frage wurde konkreter, als durch Befehl des Chefs der sowjetischen Kontrollkommission alle Speziallager auf dem Territorium der DDR aufgelöst wurden.
Am 9.10.1950 entschied das Politbüro des ZK der SED, dass von dem ehemaligen KZ Buchenwald nicht mehr als ein Bruchteil stehen bleiben sollte.
Wichtig ist hier vielleicht die Tatsache, dass das Krematorium erhalten werden, und zur Würdigung Ernst Thälmanns eine Gedenkstätte errichtet werden sollte.
Die Idee der Errichtung des Museums und der Gedenkstätte wurden von staatlicher Seite her bewilligt.
Es wurden nun zwei beschränkte Wettbewerbe ausgeschrieben, der eine „zur Erlangung von Entwürfen über die Ausgestaltung des Krematoriumhofs, des ehemaligen KZs und der Gedächtnisstätte für Ernst Thälmann und der andere für die Gestaltung des Ehrenhains.
Das Politbüro der SED beschloss im Zuge des Aufbaus des Gedenkstätte Buchenwald das ehemalige Häftlingslager zu demontieren und weitgehend zuzuforsten.
Es wird deutlich, dass dieser Beschluss nur von wenigen prominenten Mitgliedern des ehemaligen Lagerkomitees gefällt wurde, da ein großer Teil der Meinung war, es wäre wichtig das Lager komplett als Erinnerungsstätte zu erhalten und es in einen Zustand zu bringen, der einen vollkommen realistischen Eindruck vom faschistischen Terror hervorrufen würde.
Ihre Angst bestand darin, dass jedes Abreißen eine Verkleinerung des Eindruckes des Lagers zur Folge haben könnte.
TrTrotzdem
begann im Mai 1952 offiziell der Abbruch des ehemaligen Konzentrationslagers
Buchenwald, obwohl bereits seit Herbst 1950 Baracken abgebaut wurden und
verschwanden.
Viele der gewonnenen Baustoffe wurden wiederverwendet, so teilte das Ministerium für Wirtschaft am 4.4.1952 der Landesleitung Thüringen mit, dass keine Baracken mehr vorhanden seien.
Die Ausplünderungen und der Abriss des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald wurden nicht ohne Protest hingenommen, so stellte z.B. Karl Straub (Mitglied des Buchenwaldkomitees) fest, dass der Zustand in dem sich das ehemalige Krematorium befand nicht mehr zum ruhigen Denken anregen würde, zudem bestünde die Gefahr des Verlusts der historischen Substanz.
Fassungslos angesichts des Abrisses waren und dagegen protestierten aber vor allem die ausländischen Überlebenden des Lagers, die ab 1950 in immer größerer Zahl das ehemalige KZ besuchten. Am siebten Jahrestag der Befreiung des KZ Buchenwald erhoben die Teilnehmer einer in diesem Zusammenhang veranstalteten Buchenwald Konferenz in Weimar so nachdrücklich die Forderung weitere Teile des Lagers zu erhalten, dass sich der thüringische Ministerpräsident zur Reaktion genötigt sah. Er wendete sich an Bartel, doch dieser ließ sich davon nicht beeinflussen, seiner Meinung nach waren das Wesen von Buchenwald nicht die Baracken und Wohnblocks, sondern die Behandlung, der Terror und die Schikane durch die Lagerführung und die SS. Somit wurde die erste Entscheidung aufrecht erhalten.
Es war nun Interessant zu wissen, warum die „restlose Tilgung dieser Stätte“ für die führenden deutschen Kommunisten von so großer Bedeutung war. Die Begründung scheint nahe zu liegen, immerhin war das Lager durch die Nutzung als Konzentrationslager und Speziallager mit doppelter Bedeutung aufgeladen und in diesem Speziallager waren etwa 25% der Internierten umgekommen und anonym verschart worden. Zudem wurde es von westlicher Seite als Fortsetzung des KZ unter anderen politischen Vorzeichen dargestellt worden, und seine Existenz belastete die äußere und innere Akzeptanz der DDR. Hinzu kommt, dass es im Zusammenhang mit dem Speziallager Nr.2 bauliche Veränderungen im ehemaligen Konzentrationslager gegeben hatte, und hätte man das Häftlingslager erhalten wollen, hätte man den Originalzustand durch Wiederaufbau, Instandsetzung und Restaurierung erst wieder herstellen müssen.
Gegen die Vermutung, dass durch den weitgehenden Abriss des ehemaligen KZ vor allem die Hinweise auf das sowjetische Speziallager getilgt werden sollten, sprach die Haltung der sowjetischen Seite selbst, die das Wiederaufstellen von Baracken sogar empfahlen. Der Abriss ließ sich jedoch auch nicht durch den notorischen Baustoffmangel in der reparationsbelasteten Nachkriegs - DDR erklären, da der Aufbau des Monomentaldenkmals auf dem Ettersberg bei weitem mehr Ressourcen verschlungen hatte, als jemals durch die Demontage des Lagers zu gewinnen gewesen wäre.
Vielmehr stand neben der Auslöschung die gezielte Erhaltung ausgesuchter Relikte, die eine bestimmte Intention darstellen sollten. So sollte zum Beispiel nach Meinung der führenden kommunistischen Buchenwaldüberlebenden, die in das Gitter des Tores eingelassene Schrift „JEDEM DAS SEINE“, die ursprünglich nur vom Lagerinneren bzw. vom Appellplatz aus richtig zu lesen war, gedreht werden. So sollte das Motto seinen demütigenden Charakter zur Verhöhnung der Gefangenen verlieren und sie eher feiern.
Die Beabsichtigte Umgestaltung des Krematoriums hätte den veredelnden und heroisierenden Eindruck noch verstärkt. Auf dem Hof wäre eine Gedächtnisstätte für Ernst Thälmann und die „zahllosen Widerstandskämpfer zahlloser Nationen entstanden“
„Sieht man die Minimierung der Relikte vor dem Hintergrund dieser Umgestaltungskonzepte, dann wird deutlich, dass mit ihnen die Vorraussetzung dafür geschaffen wird, das Häftlingslager als Denkmal aus der Zeit der Reibung und Brüche dem hegemonialen Erinnerungsgedanken einzufügen.“
Sie schafft den Raum für eine einheitliche, wiederspruchslose Interpretation der Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald, als eine Martyriumsstätte deutscher Kommunisten, aber auch als Ort ihres Triumphes.
Das Lager nicht zu verändern, hätte in der Sicht der kommunistischen Denkmalsetzer geheißen, Unterworfensein und Gefangenschaft zu erinnern, einen Leidensort erhalten und den Opfern ein Denkmal zu setzen, nicht aber den Kämpfern.
Dabei dies zu verhindern halfen Filme, Informationstafeln und nicht zuletzt das zum Todestag Thälmanns errichtete „Museum des Widerstandes“. Zudem wurde 1953 vom Museum für deutsche Geschichte in Berlin in der ehemaligen Kantine des Lagers eine dauernde Ausstellung eingerichtet, die den patriotischen Charakter des Widerstandkampfes zeigte. So wurden die Wettbewerbe für die Gestaltung des Krematoriums und die Gestaltung des Ehrenhains zum „Gedenken der Opfer des faschistischen Terrors in Buchenwald“ gleichzeitig und in direktem zeitlichen Zusammenhang mit der Übergabe des ehemaligen KZ in die Zuständigkeit der DDR ausgerichtet.
Kurz darauf gerieten jedoch die Arbeiten an Ehrenhain und ehemaligem Konzentrationslager durch die angewiesene Selbstauflösung der VVN in große Unordnung.
Über Nacht existierten die Gremien nicht mehr, die die Errichtung der Gedenkstätte auf dem Ettersberg vorangetrieben hatten. Zugleich bedeutete die Auflösung der VVN faktisch die erinnerungspolitische Entmachtung der in ihr organisierten Konzentrationshäftlinge.
Bis zur Einrichtung des Ministeriums für Kultur 1954 wurde der Aufbau der Gedenkstätten der Staatlichen Kommission für Kunstangelegenheiten zugewiesen.
Die Nachfolgeeinrichtung der VVN wurde das „Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer“, welches aber selbst für die Ausrichtung der Gedenkfeiern nicht mehr zuständig war. Dies regelte von dem Zeitpunkt an die Nationale Front und die von der VVN seit 1947 intensiv betriebene Dokumentation des Widerstandkampfes wurde in die Zuständigkeit des Marx-Engels-Lenin-Stalin-Instituts der SED übergeben.
Die Arbeiten auf dem Ettersberg beeinträchtigten außerdem die Parteikontrollverfahren, bei denen Walter Bartel aller seiner Funktionen enthoben wurde.
Somit verlor das Gedenkstätten – Projekt auf dem Ettersberg im Frühjahr 1953 nicht nur seine tragenden organisatorischen Fundamente, auch seine Ziehväter waren von der politischen Bühne verdrängt.
Das auf dem Ettersberg entstandene Vakuum und Zuständigkeits-Wirrwarr wurde mittels eines Beschlusses des Politbüros des ZK der SED vom 2.Dezember 1953 geregelt.
Zuständig für den Aufbau der „Gedenkstätte KL Buchenwald“ im ehemaligen Häftlingslager wird allein das Museum für deutsche Geschichte in Berlin, zuständig für die Vollendung des „Ehrenhains“ wurde die Staatliche Kommission für Kunstangelegenheiten.
Friederike Bohle
Als im März 1945 der Brennstoff für das Krematorium des KZs Buchenwald ausging, verscharrte die SS noch tausende Tote in mehrere, am Südhang des Ettersbergs befindliche Massengräber.
Aus diesem Grund fanden ab 1947 mehrere Gedenkfeiern, z.B. zu den Jahrestagen der Befreiung, am naheliegenden Bismarckturm statt.
Zu diesen Anlässen wurde, als provisorisches Zeichen
des Gedenkens ein großes, rotes Dreieck am Bismarckturm angebracht. Ähnliche
Dreiecke wurden schon in einige andere Denkmalsentwürfe eingebracht und
stellten den Häftlingswinkel in meist größerer Form dar.
1949 wurde der Bismarckturm, auf Anordnung Walter Ulbrichts, als „Symbol des imperialistischen Militarismus“ gesprengt. Zugleich forderte er die Vereinigung Verfolgter des Naziregimes (VVN) auf, einen Entwurf für den Bau eines Denkmals für die Opfer des Faschismus vorzulegen.
Kurz darauf wurde ein Entwurf des Bildhauers Sigfired Tschiersky angenommen. Auch dieser Entwurf griff die Idee eines riesigen, dreidimensionalen Winkels auf. Ein steinerner Winkel sollte teilweise in den Boden eines Grabtrichters eingelassen werden, somit förmlich aus der Erde wachsen und nachts beleuchtet werden. Dieser Entwurf, der sowohl dem Auferstehungsgedanken, als auch der verbreiteten Idee eines Monumentaldenkmals mit Fernsicht entsprach, wurde jedoch, schließlich, aufgrund der beschränkten finanziellen und materiellen Möglichkeiten des Landes Thüringen verworfen, woraufhin die DDR-Regierung gebeten wurde eine größere Summe für ein großes Denkmal in den nationalen Haushalt der nächsten Jahre einzuplanen.
Zum „Tag der Opfer des Faschismus“ am 11.9.1949
wurden nach dem Entwurf Tschierskys, nochmals provisorisch, große in Beton
gegossene Buchstaben in die Grabtrichter gelegt, die das Wort „Memento“ bilden.
In der nächsten Zeit lag die Aufmerksamkeit der Denkmalssetzer eher auf der Umgestaltung des ehemaligen KZs. Die Gestaltung des seit 1949 „Ehrenhain“ genannten Südhang des Ettersbergs trat vorerst in den Hintergrund. Erst im Jahre 1951 schrieb die VVN zwei Wettbewerbe aus, die auch die Gestaltung des Ehrenhains umfassten.
Die Entwürfe sollten folgendes berücksichtigen:
- Rücksicht auf vorherige Arbeiten (z.B. Memento-Buchstaben)
- Fernsichteignung
- Ein großer Feierplatz für mehrere tausend Menschen war erwünscht
- Ein Ehrenmal für die Opfer sollte enthalten sein
- Das Mahnmal sollte sich in das Landschaftsbild einfügen (u.a. sollte der durch den Krieg gezeichnete Berg aufgeforstet werden).
- Rücksicht auf zeitbedingte Möglichkeiten
Bei der Erstellung der verschiedenen Konzeptionen fielen unterschiedliche Fragen auf.
Sollte ein Amphitheater aufgebaut werden? Sollten viele große Figuren über das gesamte Mahnmalsgelände verteilt werden oder wie im heutigen Mahnmal eine im Mittelpunkt stehende Figurengruppe?
Der letztendlich von der Buchenwaldkommission der VVN, am 28.3.1952 prämierte Entwurf war eine Mischung aus mehreren eingereichten Entwürfen.
Eine Mischung aus den von Berthold Brecht und dem Gartenarchitekten Reinhold Linger eingereichten Entwürfen, aus den Entwürfen der Künstlergruppe „Brigade-Makarenko“ und einer von Fritz Cremer entworfenen Figurengruppe, die als zentrale Idee des Mahnmals aufgegriffen wurde.
Der Mahnmalsbesucher sollte über eine „Bluttreppe“
vorbei an sieben Stelen, auf denen der Ablauf des Lagerlebens bildlich
eingemeißelt werden sollte, zum ersten Ringgrab geführt werden. Von dort aus,
sollte der Besucher über die „Straße der Nationen“ zum zweiten Massengrab
geführt werden und schließlich den Friedensturm erreichen, der noch aus dem
Inneren der Stadt Weimar sichtbar sein sollte.
Am Rand der sogenannten „Straße der Nationen“ befinden sich mehrere Fahnenmaste und 18 Steinblöcke in die je eine Nation eingemeißelt wurde, aus der Opfer des KZs Buchenwald stammten. Außerdem wurden auf diese Steinblöcke Opferschalen installiert, die zu Veranstaltungen angezündet wurden und das Mahnmal so mehr in Szene setzen sollten.
Bild: Strasse der Nationen
Insgesamt erinnert das heutige Mahnmal an größere Bauwerke des klassischen Altertums.
„Man fühlt sich hier ganz klein“, sagte später ein überwältigter Besucher.
Als sich die VVN 1953 auf Anordnung der DDR selbst auflöste und die Entscheidung über das zu bauende Mahnmal an eine staatliche Kommission übergeben wurde, wurde nicht nur die Einflussnahme der Partei spürbarer sondern auch der Bauauftrag verzögert.
Als Folge der Einflussnahme der DDR auf das Mahnmal wird die Bedeutung der Heroisierung des kommunistischen Wiederstandskämpfers verstärkt.
So standen die ersten Entwürfe für die Figurengruppe Cremers heftig unter Kritik, weil sie Häftlinge zu stark in Opferhaltung abbildeten.
Cremer fertigte drei Versionen seiner Figurengruppe an bis sie in das Bild eines entschlossenen, patriotischen und kommunistischen Widerstandes passten.
Das Mahnmal sollte Maßstäbe für die Entwicklung der sozialistischen Kunst setzen, die selbstauferlegte Aufgabe der DDR, den Kampf gegen den Faschismus für die Schaffung einer friedlichen Welt verdeutlichen und somit die DDR als besseres Deutschland ausweisen.
Nachdem 1954 der Bauauftrag beschlossen wurde, richtete die DDR 1955 einen Spendenaufruf an ihre Bevölkerung um die Errichtung der nationalen Gedenkstätte-Buchenwald zu finanzieren.
Während der Bauarbeiten wurde ein weiteres Massengrab im Gelände des zu bauenden Mahnmals gefunden und in den Bauplan eingebunden.
1958 wurde schließlich das große Mahnmal-Buchenwald eingeweiht, 80.000 Menschen erschienen zu seiner Eröffnung.
Eindrücke beim Besuch des Mahnmals von 1958:
Für mich persönlich strahlt das Mahnmal von 1958 eine große Ruhe aus. Nicht nur die Tatsache, dass es sich bei diesem Ort um einen Friedhof und eine Gedenkstätte handelt sondern auch der wunderbare Ausblick auf die Landschaft Thüringens sorgt für eine gewisse Stille und lässt mich nachdenken. Für viele Weimarer gehört es durch viele Besuche z.B. mit der Schule, mit der FDJ oder auch mit der Familie zu ihrer Heimat und ist nicht mehr wegzudenken. Einige Besucher äußern sich auch kritisch über das Mahnmal von 1958
Kritikpunkte: - Fehlendes Gedenken an die Opfer des sowj. Speziallagers in Buchenwald
- Totalitäre Bauweise(„Man fühlt sich ganz klein“);Bauweise erinnert an nationalsozialistische Gebäude oder Bauvorhaben; Bauweise erweckt den Eindruck dem Gedenken durch Größe gerecht werden zu wollen
- besondere Hervorhebung der heroischen Widerstandskämpfer im Sinne der DDR (Hervorhebung der kommunistischen Helden durch den Einfluss der Partei)
Lennart Müterthies
Kategorien
Die Gedenkorte, die in Buchenwald besichtigt werden können, sind unterschiedlicher Natur. Sie unterscheiden sich in Herkunft, beabsichtigter Aussage und erzielter Wirkung. Sie lassen sich in drei Kategorien einteilen:
1. Mahnmale
Direkt nachdem Buchenwald befreit wurde, errichteten die Häftlinge einen 6m hohen hölzernen Obelisken um ihrer verstorbenen Kameraden zu gedenken. Der Ort ist so gewählt, dass er genau in der Sichtlinie des kleinen Lagers liegt. Der Obelisk trug die Inschrift KLB (Konzentrationslager Buchenwald) und die Zahl 51000 welches die von den Häftlingen geschätzte Zahl der Toten war. Im Sommer des selben Jahres wurde der provisorische Holzobelisk, wahrscheinlich von den Häftlingen selber, wieder abgebaut, weil das Lager in die Verwaltung der Sowjets überging.
Das große Mahnmal am Südhang des Ettersbergs
wurde als erste große (ost)deutsche Gedenkstätte 1958 errichtet und war das
wichtigste antifaschistische Einheits-, Wiederstands- und Befreiungsdenkmal.
Das von Fritz Cremer entworfene Projekt vereint in sich alte Baustile aus der
Antike und dem Altertum, hiermit sollte ein Bezug zur Bevölkerung aufgebaut
werden, da diese Stile vertraut sind. Den Beginn des Rundgangs bilden in Stein
gemeißelte Bilder die Szenen aus dem Lagerleben darstellen sollen und vor allem
Wiederstand, Gemeinschaft und Triumph über den Faschismus in den Vordergrund
stellen. Der Weg führt zu einem Rundgrab in dem den Opfern des
Nationalsozialismus gedacht wird. Im weiteren Verlauf führt der Weg an 18
Pylonen mit den Inschriften von 18 im Lager Buchenwald vertretenen Nationen
vorbei. Auf den Pylonen befinden sich zusätzlich Feuerschalen. Gegenüber stehen
rote Fahnen und ein weiteres Rundgrab. Der Weg endet, nachdem noch ein Rundgrab
durchschritten wurde an einem 55m hohen Glockenturm, genannt „Freiheitsturm“.
Vor diesem steht die Skulptur „Die befreiten Häftlinge“, die ebenfalls den
Triumph der Häftlinge zeigt. Westlich des Turms befinden sich die Gräber der
Häftlinge, die nach der Befreiung noch gestorben sind. Heute ist das gesamte
Mahnmal historisiert worden.
Am 10.11.1993 wurde das jüdische Mahnmal auf dem ehemaligen Block 22, dem sogenannten „Judenblock“ eingeweiht. Es wurde kreiert von Tine Steen und Klaus Schlosser und von einer Jury aus 130 Beiträgen ausgewählt. Betonbuchstaben bilden vor einer Mauer in Länge des Blocks 22 die Worte: „Auf dass erkenne das künftige Geschlecht, die geboren werden, dass sie aufstehen und erzählen ihren Kindern“ Dieser Psalmspruch ist in hebräisch, englisch und deutsch verfasst worden. Auf der anderen Seite der Mauer befindet sich eine Senke. Das Kunstwerk soll nicht nur den Juden sondern auch den anderen Opfern des Lagers gedenken.
Das Mahnmal auf dem Appellplatz wurde am 11.4.1995 eingeweiht und von Hans Hohheisel geschaffen. Es befindet sich genau dort wo 1945 nach der Befreiung der 6 Meter hohe Holzobelisk, das erste Denkmal für die Opfer von Buchenwald, von den Häftlingen errichtet wurde. Das Denkmal besteht aus einer unpolierten Edelstahlplatte die immer auf 36.5° C (Körpertemperatur), von den Stadtwerken Weimar, kostenlos beheizt wird. Auf der Platte sind die einzelnen Nationalitäten der Opfer alphabetisch und nicht nach Anzahl gelistet. Juden und Sinti und Roma werden ebenfalls hier aufgeführt (bewusster Stilbruch). Die Diagonalen die auf die Platte zu laufen stellen die Seiten des Obelisken dar. Baustellenholz markiert die Eckpunkte des Obelisken. Im Gegensatz zum großen Mahnmal muss man hier runtergucken und sich bücken um einen Kranz niederzulegen, dieses soll Respekt vor den Verstorbenen signalisieren.
Das Mahnmal für die russischen Gefangenen des Speziallagers II liegt nördlich vom ehemaligen Konzentrationslager. Hier wurden die Menschen verscharrt, die im Zuge der Entnazifizierung der russischen Besatzungsmacht, umkamen.
Der Architekt ist uns nicht bekannt, aber die Anlage wurde im Rahmen des „Gesetzes über die Frage für die Kriegsgräber“, welches bestimmt, dass Kriegsgräber gekennzeichnet werden müssen, erbaut. Eingeweiht wurde das Mahnmal im Frühjahr 1995.
Ein großes Holzkreuz steht am Rande des Waldes. Die Erbauer wollten zunächst ein 5 Meter großes Stahlkreuz errichten, jedoch wurde der Entwurf abgelehnt. Im Wald stehen verteilt ca. 840 Metallstangen, die an einer Stelle aufgestellt wurden, wo man anhand von Bodenbeschaffenheiten wie kleinen Kratern, Leichen vermutete.
Tiefer im Wald befindet sich eine Ansammlung von Kreuzen und Grabsteinen, die von Angehörigen aufgestellt wurden. Opfer sind auch oft Ortsansässige(z.B. ein Bürgermeister aus der Zeit).
Das Sinti und Roma Mahnmal wurde am 8.4.1995 auf dem ehemaligen Block 14, dem so genannten „Zigeunerblock“ eingeweiht und ist das erste Denkmal für die Sinti und Roma in Buchenwald. Es wurde entworfen von dem Künstler Daniel Plaas, der den ausgeschriebenen Wettbewerb für die Gestaltung gewann. Ausgangspunkt des Wettbewerbs war die Historikerkommission, die 1991 einberufen wurde und empfahl, dass alle Opfergruppen in das Geschichtsbild Buchenwalds mit einbezogen werden sollen.
100 Stelen aus schwarzem Basaltgestein stehen in westlicher Richtung dicht gedrängt und nach Osten zunehmend vereinzelt. In selbiger Richtung verschwinden sie immer mehr in einem Hügel. Die Steine sind ungeschliffen und 80-100 cm hoch. Die Grundform der Steine ist sechseckig und soll Verwandtschaft mit dem Judenstern symbolisieren. Weitere eindeutige Symbole wurden nicht verarbeitet, damit der Betrachter sich selbst mit dem Thema auseinandersetzt. Die Inschriften tragen die Namen von 18 Orten des Völkermordes an Sinti und Roma in Europa. Laut dem Künstler folgt das Denkmal den Prinzipien Schlichtheit und Stille.
Das Denkmal für das „kleine Lager“ wurde im Juni 2002 eingeweiht und von Stephen B. Jakobs erstellt, der selber auch Insasse dort war. Das Projekt entstand in einer Gemeinschaftsarbeit der „United States Commission for the Preservation of America’s Hertiage Abroad“ und der Gedenkstätte Buchenwald. Finanziert wurde es mithilfe von Spenden aus den USA, der BRD und dem Freistaat Thüringen.
Bisher erinnerte nur ein jahrzehnte alter Stein, der schon nahezu unleserlich und vergessen war. Das Mahnmal besteht aus Gestein aus dem Steinbruch des ehemaligen Lagers, der extra noch mal in Betrieb genommen wurde. Auf dem Boden stehen die Namen von Städten, Ghettos, Konzentrationslagern und Vernichtungslagern, aus denen die Häftlinge nach Buchenwald kamen. Sechs Gedenktafeln in sechs verschiedenen Sprachen beschreiben „die Hölle der Höllen“.
2. Gedenkstätten

Gedenkstätten unterscheiden sich von den Mahnmälern, weil sie keine Kunstwerke sind, sondern auch einen hohen Informationsgehalt haben.
Im Bunker und im Krematorium sind Bilder und Gedenktafeln, sowie Informationstafeln angebracht. Besucher und Angehörige stellen Kerzen auf und legen Blumen oder Origami-Krahniche (jap. Symbol für Freiheit und Leben) nieder.
Im Krematorium selber sind zusätzlich 701 Urnen ausgestellt, die man im nachhinein noch gefunden hat. Außerdem ist die Genickschussanlage des Lagers nachgebaut worden, in der größtenteils russische Kriegsgefangene ermordet wurden. Zur Zeit der DDR war die Gedenktafel von Ernst Thälmann im Innenhof des Krematoriums sehr wichtig. Er war der Vorsitzende der KPD und Reichstagsabgeordneter, der im August 1944 von den Nazis exekutiert wurde. Sie Ist heute selber historisiert worden.
Ein Gedenkort, welcher etwas aus dem Rahmen fällt, sind die Kellerzellen einer SS-Kaserne, in dem Dietrich Bonhoeffer und andere großer Persönlichkeiten die letzten Stunden ihres Lebens verbracht haben. Eine Tafel informiert über diesen Sachverhalt. Die Besucher legen auch hier Kerzen und Blumen nieder, jedoch starb Bonhoeffer nicht in Buchenwald, sondern Flossenburg. Die Ruine wurde freigelegt und teilweise wieder aufgebaut.
3. Die sogenannten „offenen Gedenkstätten“, sind Orte, die nicht durch Mahnmäler oder Trauer-
bzw. Gedenktafeln gekennzeichnet sind. Dazu gehören zum Beispiel der Steinbruch
und das Aschegrab. Im Steinbruch arbeiteten die Menschen unter schwersten und
lebensgefährlichen Bedingungen. Es war die schlimmste Arbeit im Lager. Auch
hier kamen viele Leute ums Leben.
Das Aschegrab ist ein Krater, der 1944 von der SS für die Asche, der im Krematorium Verbrannten, genutzt wurde. Lange Zeit war dieser Platz vergessen bis 1995 die Betonsteine „M-E-M-E-N-T-O“ am Rande des Kraters platziert wurden.
Diese Orte werden in die Führung mit einbezogen, jedoch werden sie nicht als Gedenk- oder Orte der Trauer gesehen. Das Aschegrab wird auch nicht als Grabstätte von den Angehörigen angenommen. Sie sehen das Mahnmal am Appellplatz als ihren Ort der Trauer an. Nach unsere Meinung sollte der Steinbruch weiter gekennzeichnet werden mit einem Stein, mit einem Denkmal oder einer Gedenktafel, wo die Angehörigen Blumen bzw. Kerzen niederlegen können. Dies sollte aus folgendem Grund geschehen:
Das Leiden der Arbeiter war nirgendwo in Buchenwald so groß, wie in dem Steinbruch. Zusätzlich sind viele Menschen dort brutal gequält und ermordet worden.
Im Gegensatz zum Steinbruch sollte das Aschegrab nicht weiter gekennzeichnet werden, weil schon ein Zeichen der Erinnerung eingerichtet wurde an dem es möglich ist, etwas niederzulegen, was auch vereinzelt getan wird.
Die unterschiedlichen Mahnmals- und Denkmalskonzeptionen hängen damit zusammen, dass anderen Opfergruppen gedacht wurde. Mit der Wende wurde nicht mehr nur den Kommunisten und Soziallisten gedacht, sondern auch den anderen Gruppen, wie den Juden, den Zigeunern, den Deserteuren und den Zeugen Jehovas. Im Zuge der Wandlung wurden alte Gedenksteine erneuert und/oder durch neue Kunstwerke oder Gedenktafeln ersetzt. Die wichtigen DDR Denkmäler (der Glockenturm und die Ernst Thälmanntafel) blieben erhalten, aber historisiert.
Chronologie:
1945 Obelisk auf dem Appellplatz als Provisorium
1958 Fertigstellung eines großen Mahnmals am Südhang des Ettersberges mit Glockenturm und Versammlungsplätzen
09.11.1993 Jüdisches Mahnmal
1995 Denkmal für Speziallager II
08.04.1995 Sinti und Roma
11.04.1995 Denkmal auf dem Appellplatz
15.05.2001 Opfer der NS-Justiz
11.04.2002 Mahnmal „Kleines Lager“
09.05.2002 Zeugen Jehovas
Sebastian Petersen und Jan Willem Waterböhr
Das Dokumentenhaus mit der Ausstellung über die Geschichte des sowjetischen Speziallagers Nr.2 wurde 1995-1997 im unteren Teil des KZ-Geländes errichtet. Bei der Wahl des Ortes für das Museum wurde Wert darauf gelegt, die Erinnerung an das Speziallager Nr.2 auch räumlich von dem im Vordergrund stehenden Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers Buchenwald zu trennen. So ist das Ausstellungsgebäude durch das ehemalige Magazin, in der sich die Dauerausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald befindet, verdeckt.
Die Ausstellung ist in einem schlichten Betonbau untergebracht, der ganz in grau gehalten ist. Dadurch soll die Trostlosigkeit und Isolation, die im Speziallager Nr.2 herrschte, zum Ausdruck gebracht werden.
Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und umfasst vier Ausstellungsabschnitte:
Gegenüber dem Gebäude liegt das Gräberfeld, wo 5000 verstorbene Lagerinsassen anonym verscharrt wurden und dessen Gräber nachträglich mit Stelen gekennzeichnet wurden.
Bis auf die Tatsache, dass an der Gräberfeld zugewandten Seite 17 Biographien exemplarisch ausgestellt sind, ist die Ausstellung ansonsten eher sachlich gehalten.
Die Ausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers befindet sich im ehemaligen „Kammergebäude“ am unteren Ende des Geländes und verteilt sich über zwei Etagen. Zur Zeit des Konzentrationslagers waren hier die Magazine untergebracht, in denen die Habe der eingelieferten Menschen gelagert wurde. Diese ursprüngliche Funktion des Gebäudes war ausschlaggebend für die Gestaltung der Ausstellung.
Diese umfasst sechs Ausstellungsbereiche:
In schrankförmigen Vitrinen aus Metall sind Dokumente und Relikte ausgestellt, die Aufschluss geben sollen über persönliche Schicksale und das alltägliche Leben im KZ. Der Besucher soll angeregt werden, sich die Geschichte des KZs anhand dieser Ausstellungsstücke selber zu rekonstruieren.
Durch die Anordnung der Vitrinen beabsichtigte man das in dem Ausstellungsabschnitt behandelte Thema zu verdeutlichen. So erinnert zum Beispiel die Grundform im Bereich „Barackendasein 1937-1942“ an eine Häftlingsunterkunft.
2. Diskussion der beiden Ausstellungen - Konzeption und Intentionen der Ausstellungen
Bei der Auseinandersetzung mit den beiden Ausstellungen gerät man schnell in die Kontroverse um die Frage nach angemessener Erinnerung, sowohl an die Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwalds, als auch an die Insassen des sowjetischen Speziallagers Nr.2. Hierbei handelt es sich um den Konflikt, inwieweit es angebracht ist den (ehemaligen) „Tätern“ aus der NS-Zeit am selben Ort zu gedenken, wie den Opfern des Nationalsozialismus.
Aus diesem Grund denken wir, dass der Ort für das Dokumentenhaus gut gewählt ist, da die Schicksale der „Täter“ im Hintergrund stehen und somit das Gelände des ehemaligen KZs als Erinnerungsort den Opfern vorbehalten bleibt.
Zudem ist uns aufgefallen, dass nur wenige Besucher den Weg in die Ausstellung finden, was vermutlich darauf zurückzuführen ist, dass die Speziallager, wie bereits erwähnt, zum größten Teil in Vergessenheit gerieten. Durch das bewusst in den Hintergrund gesetzte Dokumentenhaus wird nur selten die Aufmerksamkeit der im Durchschnitt lediglich 2-Stunden-verweilenden Besuchern auf diese ganz eigene Geschichte und die damit verbundene Problematik gelenkt. Hier könnte man kritisieren, dass nur wenige Hinweisschilder auf die Ausstellung zum Speziallager Nr. 2 verweisen, jedoch stellte sich auch uns bei unseren Überlegungen das Problem, wo man diese Hinweisschilder angemessen platzieren könnte, damit der Fokus nicht verschoben werden würde.
Unserer Meinung nach ist auch die Darstellung der Geschichte des Speziallagers Nr.2 gut gelungen, da die Ausstellung sehr sachlich und schlicht gehalten ist. Die Ausstellung ist gut gegliedert und verständlich formuliert.
Im Gegensatz dazu hat uns die Ausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers Buchenwald nicht ganz so gut gefallen. So ist z. B. die Idee der speziellen Anordnung der Vitrinen eine gute Idee, die aber ohne entsprechende Hintergrundinformationen zur Konzeption der Ausstellung weitgehend unbemerkt bleibt. Sie soll zudem die Hilflosigkeit und die Verzweiflung im Lager veranschaulichen.
Dieser Versuch bewirkte in unseren Augen dagegen eher, dass die verschiedenen Ausstellungsbereiche nicht deutlich voneinander getrennt sind und dadurch der Rundgang durch die Ausstellung nicht ersichtlich wird.
Ebenso ist die Idee, dass die ausgestellten Relikte „für sich selbst sprechen sollen“ und die Besucher sich somit die Geschichte des Lagers selber erarbeiten und vorstellen können, gut.
Wir denken allerdings, dass diese Form der Auseinandersetzung von den Besuchern nicht umgesetzt wird und damit die Ausstellung eher zu nüchtern wirkt.
Hinzu kommt, dass durch die vielen Ausstellungsstücken (viele Dokumente, Relikte, kleine Fotos, Berichte etc.) zwar die verschiedenen menschlichen Schicksale deutlich werden, jedoch die Masse an Informationen vom Besucher nicht mehr angemessen aufgenommen werden kann.
Positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass jeder Besucher, um zum Ausstellungsgebäude zu gelangen, zuerst über das Gelände des Konzentrationslagers gehen muss und somit bereits eine Idee von der Atmosphäre des Ortes erlangt.
Abschließend ist noch anzumerken, dass die Ausstellung von den ehemaligen Häftlingen des KZs Buchenwald befürwortet wurde und „sie sich in der Breite der Ausstellung wieder erkennen konnten“.
Sarah Holz und Jule Hundert
Seit 1945 sind sowohl Mahnmale als auch Gedenktage vorwiegend „opferzentriert“ ausgerichtet, diese Tradition zu brechen hat sich im Laufe der Jahre zu einem Tabu entwickelt und dieses zu tun kann erhebliche Konesequenzen nach sich ziehen. Die Opfer, denen gedacht wird, sind stets Opfer des nationalsozialistischen Terror und Verbrechens. Niemals Opfer deutschen Terrors oder Verbrechen. Dieses deutet darauf hin, dass sich viele Deutsche selber mehr oder weniger als Opfer der Nationalsozialisten verstehen, die, wie es oft scheint, von einem anderen Stern kommend, Deutschland erobert und unterdrückt hätten. Über Ursachen der weitgehenden Duldung der Nazi-Herrschaft und ihrer Taten wird öffentlich wenig gesprochen und wenn werden die Ursachen für z.B. den Antisemitismus oft allein in den Wochenschauen und anderen Propaganda-Medien gesehen.
Wenn dieses doch passiert sind die Reaktionen scharf. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Jenniger-Rede vom 10.11.1988, in welcher er u.a. provokant die These vertrat, dass die meiste Propaganda wahrscheinlich „doch in wesentlichen Punkten eigenen Mutmaßungen und Überzeugungen“ entsprach. Der Bundestagspräsident Jenninger musste wenige Stunden nach der Rede, welche schon durch Zurufe und demonstrativen Verlassen einiger Abgeordneter geprägt worden war, sein Amt niederlegen.
Über das Gedenken der wirklichen Opfer der Nazi Zeit kann man für die Zeit vom Mauerfall bis Heute eine neue Tendenz feststellen. Das Gedenken, welches in der Zeit des kalten Krieges vor allem für politische Zwecke gebraucht wurde, wurde nun sehr viel differenzierter. Im Kalten Krieg war das Hervorheben einiger Opfergruppen für beide deutschen Staaten Außen- wie innenpolitisch wichtig. Die DDR fokussierte sich vor allem auf die verfolgten Kommunisten, in der BRD wurden vor allem der jüdischen Opfer gedacht, auch da man außenpolitisch auf gute Beziehungen mit Israel hoffte.
Da die Teilung der Welt mit dem Ende des Kalten Krieges nach 1989 aufgehoben wurde verändert sich auch die Form des Gedenkens. Die Mahnmale und Gedenksteine wurden deutlich schlichter und kleiner. So steht das „Mahnmal für alle“ jetzt nicht mehr so im Vordergrund sondern die einzelnen Opfergruppen gedenken nun ihrer Angehörigen noch einmal separat. Zum Teil wohl extra abgegrenzt wie z.B. die Bulgaren die den Gedenkstein im KL Buchenwald für ihre Toten komplett in Kyrillisch gestallten ließen.
Von staatlicher Seite gibt es einen Holocaust-Gedenktag am 27.1. An diesem Tag wird aber normal gearbeitet, es finden aber Gedenkveranstaltungen und Reden statt.
Til Westermann
Arnold Schönberg,1874 in Wien geboren, war ursprünglich jüdischen Glaubens, konvertiert jedoch 1898 zum Christentum, da er sich, wie so viele, als Deutscher fühlte und nicht als "Jude".
1925 wird er als Leiter einer Meisterklasse für Komposition von Wien nach Berlin an die Akademie der Künste gerufen; in der "Zeitschrift der Musik" sind infolge dieser Professur antisemitische Stellungnahmen zu lesen. Mit der „Machtergreifung“ Adolf Hitlers 1933 wird Schönberg in Berlin sofort entlassen. Dies ist für ihn persönlich durchaus nicht nachvollziehbar, obwohl er sich durch den ansteigenden Judenhass doch wieder mehr dem Judentum zuwendet und es als das seine erkennt.
Sofort nach seiner Entlassung - er nimmt sich nicht einmal die Zeit seinen Haushalt aufzulösen - flieht Schönberg nach Paris, wo er offiziell dem jüdischen Glauben wieder beitritt, und emigriert von dort aus in die USA. Seine Rekonvertierung hatte er nicht als demonstrativen Akt geplant, wie es vielerorts aufgefasst wurde, sondern sie war auch eine Folge einer langen Auseinandersetzung mit Glaubensfragen.
In den USA wird er bereits erwartet und beginnt 1934 mit seiner Tätigkeit an der University of Southern California. Aufgrund des kalifornischen Klimas erholt sich Schönberg von seinem Asthma. Er kauft in Kalifornien ein Haus und das Land wird trotz Startproblemen zu seiner neuen Heimat. 1944 erhält er die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Am 13. Juli 1951 stirbt Arnold Schönberg im Alter von 77 Jahren an einem Schlaganfall.
Als Erfinder der Dodekaphonie (Zwölftontechnik) machte Arnold Schönberg sich einen großen Namen in der Reihe der Komponisten. Zusätzlich findet man seinen Namen auch in der Liste der Maler und Künstler, berühmt hat ihn aber die Musik gemacht. Seine religiösen Überzeugungen lassen sich auch in seiner Musik wiederfinden. 1926 begann er Werke zu komponieren, die durch ihre theologischen Aussagen deutliche Anzeichen seiner intensiven Auseinandersetzung mit dem Judentum sind.
"De Profundis" gehörte zu seinen letzten Werken, welches er 1950 abschloss. Der von ihm vertonte Text ist der 130. Psalm, in dem es hauptsächlich um die grenzenlose Hoffnung auf Gott geht, trotz jeglicher Notlage. Durch die Vertonung dieses Psalms werden die theologisch begründeten Hoffnungen, die Schönberg mit der Gründung des Staates Israel verband, deutlich. "De Profundis" ist ein sechsstimmiges Stück a capella, das ausschließlich auf Hebräisch gesungen wird.
In dieser Komposition verlässt sich Schönberg seltsamerweise nicht mehr auf die Dodekaphonie, sondern setzt sie als ein Sprechendes ein – ähnlich wie seine Komposition „Pirrot luniere“ von 1913. Die deutliche Tendenz in diesem sechsstimmigen Satz, die Reihe in Motive aufzulösen, richtet sich eindeutig gegen jene Reihendogmatik. Denn seine wichtigste Regel der Zwölftontechnik ist die, nicht eher Töne zu wiederholen bis nicht alle übrigen chromatischen Töne erklingen. Diese hatte Schönberg in den zwanziger Jahren ohne Kompromisse verfolgt und gegenüber jeglicher Kritik vehement verteidigt. Hieran lässt sich erkennen, dass seine politischen und religiösen Konflikte auf seine Art Musik zu empfinden, abfärbten. Man sieht das auch daran, dass seine in dem Werk op.50b („De profundis“) verwendeten Melodien hebräischen Melodien nachempfunden sind.
Mit diesem Werk beendet Schönberg sein ganzes musikalisches Schaffen. Dies lässt vermuten, dass er in dieser Komposition auch seine inneren Glaubenskonflikte gelöst hat, indem er seine Hoffnung für den Staat Israel, sowie auch für sich selbst, wie der Psalmist allein auf Gott setzt.
Elisabeth Schulz
Luigi Nono kann zweifellos als einer der bedeutendsten Komponisten des 20.Jahrhunderts angesehen werden, ebenso wie sein bedeutendstes Werk „Il canto sospeso“ eines der wichtigsten Kompositionen für die Musik des 20.Jahrhunderts.
Anfang der 50er Jahre veröffentlichte Thomas Mann Briefe von Widerstandskämpfern des Nationalsozialismus, die während des Krieges in verschiedenen Konzentrationslagern oder Gefängnissen kurz vor der Hinrichtung standen.
Diese Sammlung von tiefbewegenen Texten vertonte Nono in den Jahren 1955/1956 als neunsätzige Kantate für Orchester, gemischten Chor und Gesangssolisten, traf dabei, obgleich seines großen Erfolges bei der Uraufführung am 24. Oktober 1956 in Köln, auf vernichtende Kritik, beispielsweise von Seiten Karlheinz Stockhausens. Dieser war empört über die eigenartige Zerstückelung des so ernsten Textes und äußerte in zahlreichen Diskussionen mit Nono seine Kritik. Die Folge daraus war die Trennung der langjährigen Freundschaft zwischen Nono und Stockhausen.
Der canto sospeso steht ganz im Zeichen des Serialismus, der von Nono neu geprägt wurde. Der Komponist verarbeitet hierbei neben der bisher üblichen Parameter der seriellen Verfahrensweise (Melodie, Harmonie und Rhythmus) auch Tonhöhen, Dauern und Klangfarben abstrakt zu einer überaus komplexen Reihe.
Die neuartige Reihentechnik und die Herausbildung eigenständiger Formen unterstreicht die expressive Wirkung und das politische Engagement des Werkes und des Komponisten. Grundlage des Stückes ist eine Allintervallreihe, eine Zwölftonreihe, die sämtliche Intervalle enthält. Des weiteren spielen die Fibonacci-Zahlen (1,1,2,3,5,8,13,...) eine sehr zentrale Rolle, beruht doch die Konstellation des Serialismus auf diesen Ziffern.
Die Töne der Tongruppen werden auf verschiedene Instrumente verteilt, was ein großes Klangfarbenspektrum hervorruft (-> schwebender Gesang)
Darüber hinaus wendet Nono dieses Verteilverfahren auch auf den Text an, wobei dieser den verschiedenen Stimmen des Chores zugeordnet wird, sodass das Textverständnis auf akustischer Ebene unmöglich wird. Das führte zu den bereits erwähnten Diskussionen.
Luigi Nono entgegnete den Vorwürfen, dass der textliche Bedeutungsgehalt nicht zerstört, sondern auf musikalische Ausdrucksmittel übertragen werde. Wie auch der Mensch auf der Schwelle des Todes wohl kaum noch zu normalen Gedanken in der Lage ist. So finden die Gefühle der betroffenen Widerstandskämpfer eine der Situation entsprechende Darstellung.
Der Komponist fordert mit „Il canto sospeso“, dass die grauenvollen Geschehnisse der Vergangenheit niemals wiederholt werden.
Johannes Dworatzek
Der Film Schindlers Liste schildert die wahre Geschichte von Oskar Schindler von 1939-1945. Der Unternehmer Schindler war Mitglied der NSDAP. Vorerst errichtete er eine Fabrik, in der er Juden als Arbeiter einsetzen wollte, um die Umstände des Krieges und die Judenverfolgung für seinen eigenen Erfolg zu nutzen. Doch im Verlauf des Krieges lernt er seine jüdischen Arbeiter als eigenständige, liebenswerte Persönlichkeiten kennen und verhilft darum 1100 Juden durch gute Behandlung und dem Bewahren vor den Konzentrationslagern, eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte zu überleben.
Filme über die Zeit des Nationalsozialismus sind ein wichtiger Bestandteil zum Gedächtnis an diese industrielle Massenvernichtung. Besonders Schindlers Liste ruft diese Zeit ins Gedächtnis, denn vor Steven Spielberg hat sich noch kein anderer Regisseur getraut den Schrecken dieser Massenvernichtung so authentisch darzustellen. Darum erhält Steven Spielberg 1993 für Schindlers Liste unter anderem einen Oskar als bester Film.
Die Musik des Films, geschrieben von John Williams, spielt eine sehr wichtige Rolle. Sie wird verwendet um die Atmosphären, die Gefühle der im Film auftauchenden Figuren, insbesondere der Juden, zu unterstreichen. Zudem soll das Publikum kollektiv jegliche Form des Terrors insbesondere den der Nationalsozialisten gegen die Juden ablehnen und verurteilen. Auch hier ist die Musik ein wesentlicher Faktor. Dabei ist sie sogar oft Teil der Handlung (Tanzmusik, Radio, Schallplatte, Lautsprecher der Konzentrationslager).
Die Komposition von John Williams zeichnet sich durch ein im Film immer wieder auftauchendes Thema aus. Dieses behält die ganze Zeit die gleiche Melodie doch dadurch, dass es der jeweiligen Situation der Handlung angemessen, geänderten musikalischen Parametern auftaucht, erzielt es beim Zuhörer ganz verschiedene Wirkungen. Wenn das Thema also zum Beispiel klagend von einer Solo-Violine vorgetragen wird vermittelt es Trauer und Verzweiflung, während die gleiche Melodie gespielt von einer Harfe eher Hoffnung ausdrückt.
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Zeit |
Handlung |
Musik |
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00.04 |
Schindler macht sich für eine Feier fertig |
Radio |
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00.05 |
Feier: Schindler versucht Kontakte zu knüpfen |
Unterhaltungsmusik |
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00.10
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Soldaten marschieren |
Marschlied |
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Juden melden sich beim Judenrat, weil sie aus ihren Häusern vertrieben worden sind Schindler engagiert Itzhak Stern als seinen Buchhalter Schindler macht Geschäfte mit den Juden (Warenhandel) |
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00.17 |
Juden bekommen im Krakau-Ghetto Häuser zugewiesen |
Thema (Violine) |
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Kinder werfen mit Dreck nach den Juden, die mit ihren Koffern die Straße entlang gehen Schindler macht Geschäfte mit Juden Schindler zahlt Geld an die SS, um Juden als Arbeiter in seiner Fabrik zu erhalten Juden werden auf ihren Beruf hin geprüft Stern erstellt falsche Arbeitsscheine für ihn wichtige Personen Einweisung der Arbeitsaufgaben in Schindlers Fabrik |
Klezmer Musik
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00.25 |
Schindler sucht Frauen für Büroarbeit aus, kann sich nicht entscheiden und stellt alle ein |
Unterhaltungsmusik |
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00.30 |
Feier |
Klaviermusik |
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00.30 |
Schindler bereitet eine Feier vor, in der er seine Firma den „NS-Größen“ vorstellen möchte; die Waren dafür kauft er von Juden, Schindlers Frau kommt ihn besuchen |
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00.35 |
Restaurantbesuch mit seiner Frau, Schindler redet von seinem Erfolg, Grund dafür sei der Krieg |
Unterhaltungsmusik |
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00.37 |
Nächster morgen: Verabschiedung von seiner Frau |
Walzer |
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00.38 |
Fabrik: einarmiger Arbeiter bedankt sich bei Schindler für seine Arbeitsstelle, Schindler ist empört darüber, dass Stern einen einarmigen als Arbeiter eingestellt hat, entlässt ihn aber trotz der Behinderung nicht. Juden sind auf dem Weg zu ihrer Arbeit (Fabrik), werden von Soldaten aufgehalten und dazu gezwungen Schnee zu schaufeln, der Einarmige wird von den Soldaten erschossen, weil er unbrauchbar sei Schindler beschwert sich darüber Bahnsteig: „kriegsunwichtige“ Juden werden abtransportiert (müssen ihre Koffer abgeben, von denen sie nicht wissen, dass sie diese nie wiederbekommen werden) auch Stern soll abtransportiert werden, Schindler kann dies noch verhindern |
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00.47 |
Koffer der Juden werden entlehrt |
Musik: „Stolen Memories“ |
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00.49 |
1942 (Winter) Krakauer Ghetto Untersturmführer Göth fährt durch das Ghetto später ins Arbeitslager –Plaszow Göth sucht sich ein jüdisches Mädchen als sein Hausmädchen aus Juden müssen ihre eigenen Baracken bauen Eine Jüdin (gelernte Ingenieurin) gibt Verbesserungsvorschläge, wird dafür erschossen und anschließend werden diese Vorschläge durchgeführt |
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00.54 |
Göth hält eine Rede („Dies ist ein besonderer Tag... die Juden werden ausgemerzt...) Räumung des Ghettos, Juden werden gewaltsam aus dem Ghetto geholt, darunter auch Arbeiter Schindlers Im Hospital erhalten die Kranken ein Gift damit sie sterben, bevor sie von den Soldaten erschossen werden Viele versuchen sich zu verstecken oder zu flüchten Ein kleiner Junge der schon als Soldat eingesetzt wurde hilft einer Jüdin sich zu verstecken |
Jüdischer Gesang (ein Mann) |
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01.03
01.07 |
Schindler auf Ausritt betrachtet das Geschehen von einem Berg aus Ein kleines Mädchen fällt ihm ins Auge (es trägt einen kolorierten, roten Mantel), es rennt in ein Haus und versteckt sich unterm Bett Nacht: Juden treten aus ihren Verstecken hervor, werden von Soldaten erschossen Während dessen spielt ein Jude Klavier |
„OYF`N Pripetshok“ Nacht Aktion (Klarinette)
Klavier (Bach) |
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01.08 |
Fabrik: kein Arbeiter ist da, Schindler schaut auf die leere Fabrik Im Arbeitslager Plaszow eingelieferte Juden werden auf dem Appellplatz ausgerufen Göth schaut von seinem Balkon aus auf das Lager herab und erschießt wahllos auf irgendwelche Juden Schindler fährt ins Arbeitslager, indem er das erste Mal auf Göth trifft. Er beschwärt sich darüber, dass ihm seine Arbeiter entzogen worden sind Göth glaubt Schindler wolle eine Art eigenes Lager errichten und stellt ihm die ihm entzogenen Arbeiter wieder zur Verfügung Nur Stern wird von Göth als sein Buchhalter verwendet |
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01.17 |
Feier in Göths Villa Schindler trifft sich draußen mit Stern |
Unterhaltungsmusik |
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01.20 |
Stern empfiehlt Schindler einige Juden aus dem Arbeitslager, diese „erkauft“ sich Schindler als Arbeiter für seine Fabrik Eine Frau kommt zu Schindler und erzählt, dass das Gerücht rumginge, dass in seiner Fabrik niemand sterbe und jeder gut behandelt werde. Darum bittet sie ihn ihre Eltern aus dem Arbeitslager zu befreien und sie zu seinen Arbeitern machen soll Schindler lässt sich darüber bei Stern aus, denn er will nicht, dass seine Fabrik als ein Zufluchtsort angesehen wird Schindler verteidigt Göths` Verhalten (wäre der Krieg nicht, wäre Göth ganz anders, nett,...) Stern berichtet Schindler davon, dass Göth wahllos auf Häftlinge schießt, daraufhin erkauft er die Eltern der Frau, die ihn darum gebeten hat
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01.30 |
Die Eltern werden auf dem Apelplatz ausgerufen |
„Remembran- ces“ Thema: Harfe, halbes Tempo ® Hoffnung |
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01.30 |
Feier bei Göth Es wird gesungen: „Trink, trink,… |
„Trink, trink” Lied eines Ungarn (im KZ umgebr.) |
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01.32 |
Schindler spricht mit Göths jüdischem Hausmädchen (Helene), in Göths Villa, gibt ihr Hoffnung, dass Göth sie niemals erschießen würde, weil er sie zu sehr mag Schindler redet mit Göth auf dem Balkon, Göth ist völlig betrunken, er versucht ihm vom wahllosen Töten abzubringen Schindler: „Macht ist wenn man willkürlich jemanden töten könnte, es aber nicht tut, in dem man ihn begnadigt.“ Der Versuch Schindlers, Göths Verhalten zu ändern stößt auf keinen Erfolg. Jüdische Hochzeit im Arbeitslager |
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01.44 |
Feier bei Göth Göth redet im Keller mit Helene (die schweigt), er will sie küssen aber beschimpft sie dann als Schlampe und verprügelt sie weil sie ihn beinahe dazu gebracht hätte sie zu küssen Schindler feiert seinen Geburtstag |
Unterhaltungs- musik |
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01.48 |
Zwei Arbeitermädchen schenken ihm im Namen aller Arbeiter einen Kuchen, Schindler küsst einer der beiden auf den Mund, die anderen Gäste sind entsetzt |
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01.49 |
Frauen in einer Baracke, eine erzählt davon dass sie gehört habe, dass in anderen Lagern viele Juden vergaßt worden wären, die anderen glauben ihr nicht, sie glauben, dass sie als Arbeiter gebraucht und darum nicht umgebracht werden |
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01.52
01.55 |
Selektion auf dem Apelplatz Frauen stechen sich mit Nadeln in den Finger um sich das Blut auf die Wangen zu schmieren, damit sie gesünder aussehen
Kinder werden auf Lastwagen gebracht, manche Kinder versuchen zu flüchten oder sich zu verstecken Als die Lastwagen mit den Kindern an den Müttern vorbeifahren bricht unter diesen Verzweiflung aus (Schreien, Weinen,...) |
Musik ertönt über die Laut- sprecher „Gute Nacht Mutter“
Kinderlied ertönt über Lautsprecher |
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01.58 |
Schindler trifft sich mit Göth und anderen am Bahnsteig wo die selektierten Juden in Wagons gebracht werden, es ist sehr heiß so dass die hohe Anzahl der sich in den Wagons befindenden Juden zu deren ersticken führen könnte, Schindler lässt die Wagons mit Wasserschläuchen abspritzen Zwei Männer kommen in Schindlers Fabrik und führen diesen, auf grund des küssens des jüdischen Mädchen, in Gefängnis Göth gelingt es, dass Schindler wieder freigelassen wird |
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02.04
02.07 |
Die Leichen aus dem Arbeitslager müssen ausgegraben und unter freiem Himmel verbrannt werden, alle anderen Häftlinge sollen nach Auschwitz gebracht werden Mehrere Leichen werden auf Schuppkarren zum brennenden Leichenberg gebracht, auf einem Schuppkarren liegt die Leiche des kleinen Mädchens mit dem colorierten, roten Mantel Schindler spricht Stern Hoffnung zu, das erste mal trinkt Stern den Alkohol, den er von Schindler angeboten bekommt |
Musik „Jewish Town“
Thema: Panflöte |
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02.09 |
Schindler im Schlafzimmer wirkt sehr nachdenklich |
Radio |
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Schindler packt all sein Geld zusammen um seine Arbeiter von Göth abzukaufen um sie damit vor dem KZ-Ausschwitz zu bewahren |
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02.11
02.14 |
Schindler diktiert Stern die Namen derer die er kaufen will (Entstehung der Liste)
Die Liste ist fertig, Stern ist überrascht, dass Schindler für jeden der auf der Liste steht bezahlt: „Diese Liste ist das Leben und rundherum ist das Verderben“ |
Musik „Making the List“ Thema Thema(Flöte) |
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02.16 |
Häftling die auf der Liste stehen werden vor Auschwitz bewahrt Die Männer auf der Liste werden getrennt von den Frauen mit dem Zug nach Brünlitz der Heimatstadt von Schindler, in der ehemaligen Tschecheslowakai gebracht |
Thema(Harfe) |
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02.18 |
Ankunft der Männer Zug der Frauen auf der Liste wird falsch geleitet, nach Auschwitz, Ankunft (Hundegebell, Schnee, Nacht,...) Schindler erfährt von dem Fehler |
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02.24 |
Den Frauen werden die Haare abgeschnitten, müssen sich ausziehen, werden in angebliche Gaskammern geführt doch Wasser kommt aus den Duschhähnen Andere werden ins Krematorium geführt Nächster Tag: Frauen (wieder angezogen) müssen vortreten, sie versuchen den Soldaten zu vermitteln, dass sie Arbeiter Schindlers sind und ihr Zug falsch geleitet worden ist Schindler will die Frauen befreien, ihm werden andere, “neue“ angeboten aber er beharrt darauf die Frauen von der Liste zu bekommen, Frauen werden zu Wagons geführt, ihre Kinder werden von Soldaten gehindert in die Wagons zu steigen, aber Schindler überzeugt diese davon dass er auch die Kinder für die Fabrikarbeit benötigt |
Musik „Auschwitz – Birkenau“ |
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02.32 |
Abfahrt der Frauen und Kinder nach Brünlitz Schindler weist Soldaten/Aufseher in seiner Fabrik ein „Kein Arbeiter darf erschossen werden...!“ |
Thema (Streicher) |
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02.35 |
Kirche: Schindler trifft auf seine Frau Fabrik: Schindler stellt Stern seine Frau vor Stern berichtet von schlechter Qualität der Waffen die in Schindlers Fabrik hergestellt werden doch Schindler stört das nicht weiter |
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02.38 |
Schindler erlaubt den Arbeitern den Sabbat zu feiern Coloriertes Kerzenlicht |
Ein Mann singt jüdische Musik |
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02.39 |
Über Radio wird das Ende des Krieges bekannt gegeben Schindler verkündet dies in der Fabrik vor allen Arbeitern Schindler: „Danken sie nicht mir, danken sie sich selbst, dass sie überlebt haben, ich bin ein Verbrecher, ich muss fliehen Arbeiter verwenden Goldzähne um einen Ring als Dankeschön für Schindler herzustellen |
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Nina Dellbrügge
Richard Wagners Musik wird in vielen Filmen als Filmmusik verwandt. Beispielhaft sind hier „Der Große Diktator“ und „Apocalypse now“ zu nennen. Es stellt sich dabei die Frage, welche Rolle antisemitische Tendenzen bei der Motivation des Produzenten seine Musik als Filmmusik einzusetzen spielten.
Betrachtet man einerseits Wagners Schriften, vor allem seinen anonym veröffentlichten Aufsatz „Das Judentum in der Musik“ von 1850, in dem er dem Juden als Künstler generell eine überdurchschnittliche Begabung abspricht, und andererseits die hohe Wertschätzung der wagnerschen Musik im dritten Reich, - Hitler bezeichnete sich selbst als einen der größten Wagner Liebhaber- so kann man zu der These kommen , dass auch im Film Wagners Musik zur Verdeutlichung nationalsozialistischer und rassenideologischer Kontexte genutzt wird. Andererseits muss man bedenken, dass Wagners Musik als Filmmusik ohne nationalsozialistisches Gedankengut, oder sogar als Kritik verwendet werden könnte. (Da die antisemitische Einstellung Wagners durch den Nationalsozialismus übertrieben wurde, und eher auf eine persönliche Auseinandersetzung mit dem jüdischen Komponisten Meyerbeer zurückzuführen ist.)
Diese Hypothesen gilt es zu überprüfen, und mit den rein musikalischen Intentionen Wagners zu vergleichen. Die aus dem Filmmaterial gewonnenen Ergebnisse müssen natürlich auf die originalen Intentionen von Wagner bezogen und mit ihnen verglichen werden.
Die schon oben genannten filmischen Beispiele für diese Untersuchung sind bewusst sehr unterschiedlich auch wenn in beiden Filmen Kriegskritik bzw. die ironische fast sarkastische Darstellung von nationalistischem Größenwahn im Mittelpunkt stehen.
In dem Film „The great Dictator“ welcher während des zweiten Weltkriegs produziert wurde, und die gleichzeitige Situation in Deutschland parodiert, soll besonders eine Szene untersucht werden, in der Charlie Chaplin als Adolf Hitler ein groteskes Balance-Spiel mit einem Weltkugelballon treibt, um so Hitlers Größenwahn filmisch darzustellen. Während dieser Szene erklingt gut hörbar die Overtüre von Wagners Oper „Lohengrin“. (1850- im Jahr von Wagners Judenfeindlichem Aufsatz- uraufgeführt) Also schon hier eine direkter kaum vorstellbare Verknüpfung von Wagner und dem Nationalsozialismus.
Im zweiten Film „Apocalypse Now“, welcher fast 40 Jahre nach „The great Dictator“ und somit historisch in einem völlig anderen Zusammenhang gemacht wurde, geht es nicht um das dritte Reich sondern um den Vietnam Krieg aus amerikanischer Perspektive. Hier wird Wagners Musik in einer Szene verwandt, die einen Luftangriff der Amerikaner auf ein vietnamesisches Dorf in Zusammenhang mit der willkürlichen durchaus sadistischen Brutalität eines amerikanischen Generals zeigt, welcher während des Angriffs Wagners „Walkürenritt“ (Uraufführung 1870) durch an den Hubschraubern angebrachten Lautsprechern zur psychologischen Einschüchterung des Feindes spielen lässt. Wagners Musik ist hier also nicht nur als filmisches Mittel, sondern direkt namentlich erwähnter Handlungsteil. Auffällig ist allerdings auch hier wieder dass sie in Zusammenhang mit Gewalt, Größenwahn und Nationalismus gebracht wird.
Nach oberflächlicher Betrachtung der Szenen und der Filmmusik wird also schon deutlich dass Wagners Musik der Sprung weg vom rassistischen Kontext auch im Film nicht wirklich gelingen zu scheint, auch wenn man klar dazu sagen muss, dass beide Filme in ihrer Gesamtintention definitiv die Themen Krieg und Rassismus kritisieren, was natürlich in den folgenden genaueren Betrachtung nicht unterschlagen werden darf. Weiterhin sind die von Wagner ursprünglichen Wirkungsabsichten der Stücke musikalisch zu belegen und mit der filmischen Verwendung ausführlich zu vergleichen.
Daniel Wixforth