Schüleraustausch Xàtiva - SpanienPremiere 2010Ein Bericht von Lennart Benz
25°C, blauer Himmel, tolle Leute. Was will man mehr? Als wir am 10. Mai um 3:30 Uhr nachts vom Parkplatz des Freibads Gadderbaum in Richtung Xàtiva, Spanien, aufbrachen, hatte wohl keiner von uns geglaubt, was für eine tolle Woche uns erwartete und wie viele Tränen es nach einer Woche gemeinsamen Lebens beim Abschied von unseren Gastfamilien geben sollte. Dabei war der Abschied erst vorläufig, denn Ende September besuchen uns ja die Spanier hier in Bielefeld… Wir schauen also zurück auf eine fantastische Woche – genauer gesagt auf 8 tolle Tage. Dabei hatte es am Anfang so ausgesehen, als würde es nach einem halben Jahr Planungszeit (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Organisator Herrn Gather!!) wegen des Flugverbotes über Deutschland und Spanien gar nicht zu einem Treffen kommen – oder zumindest nicht mehr dieses Schuljahr. Denn der Austausch, der von uns 14 so freudig erwartet wurde, musste erst ins Ungewisse verschoben werden, und wir verdanken es nur dem starken Einsatz der Organisatoren, dass nun doch noch ein Termin gefunden werden konnte. Unser Flug ging um 6.05 Uhr von Paderborn los und dauerte ca. 2,5 Stunden. Wir landeten in Alicante und warteten dann bei angenehm sommerlichem Wetter auf den Bus, der uns vom Flughafen zu unserer Partnerschule nach Xàtiva brachte, die nördlich von Alicante liegt. Xàtiva ist eine Kleinstadt mit ca. 30.000 Einwohnern, die früher eine recht bedeutende Verteidigungsfunktion hatte, da man von der auf einem Berg gelegenen Burg – dem Castillo – die wichtigste Handelsstraße vom Meer ins spanische Inland überblicken und verteidigen kann. In der Partnerschule angekommen, wurden wir von unseren Austauschschülern sehr herzlich in Empfang genommen und, obwohl es anfangs leichte Hemmungen gab, konnten sich alle – mehr oder minder gut – auf Spanisch, Englisch und brockenweise Deutsch unterhalten. Da wir um 3:30 Uhr in der Regel noch nicht gefrühstückt hatten, freuten wir uns insbesondere darüber, dass die Spanier ein Buffet mit spanischen und/oder internationalen Speisen vorbereitet hatten und wir uns so mit tortilla de patatas (ein dicker Kartoffelpuffer aus Eiern und Kartoffeln - typisches spanisches Gericht), Pizza und Kuchen versorgen konnten. Danach zeigte uns Frau Martí Talens, die für den Austausch auf spanischer Seite verantwortliche Lehrerin, die Schule. Als unsere spanischen Austauschschüler dann Schulschluss hatten (ca. um 15:00 Uhr), wurden wir von deren Eltern abgeholt und ebenfalls herzlich in Empfang genommen – meist mit der spanischen Sitte, sich zwei Küsschen auf die Wangen zu geben – ich habe nicht mit gezählt, wie oft ich dies in der Woche gemacht habe, aber seien Sie sich sicher, es war OFT… Am Abend haben wir 14 Deutsche uns dann alle (gemeinsam mit unseren Austauschschülern) getroffen und sind zusammen durch die Innenstadt gezogen. Das Tolle daran war, dass es auch abends noch so warm war, dass wir alle im T-Shirt durch die engen Gassen der teilweise recht alten Stadt gehen konnten (der Kern der Stadt steht komplett unter Denkmalschutz, das Castillo besteht seit römischer Zeit und in einer Höhle nahe der Stadt hat man sogar ca. 8000 Jahre alte archäologische Funde gemacht). Unser Programm der nächsten Tage sah so aus: Vormittags hatten wir entweder mit unseren spanischen Austauschpartnern Unterricht auf Spanisch oder aber Spanischunterricht als Gruppe – wobei wir in dieser Zeit von spanischen Lehrern unterrichtet wurden und auch Spiele wie „Ich packe meinen Koffer“ auf Spanisch gespielt haben. Einmal haben wir in diesen Stunden (4-5 am Tag) auch ein Theaterstück von García Lorca gesehen, das an der Schule von spanischen Schülern aufgeführt wurde, ein anderes Mal haben wir eine Stadtführung von einem Geschichtslehrer der Schule erhalten ‑ aber das alles auf Spanisch! Am Mittwoch stand dann einer der Höhepunkte der Reise an ‑ der Besuch der Burg: Wir haben uns zusammen mit unseren Austauschschülern um halb fünf nachmittags getroffen und sind dann mit einer kleinen Bahn auf den Berg gefahren, auf dem das Kastell steht. Von dort oben kann man bis ans Meer sehen! Leider hatten wir oben nur recht wenig Zeit, aber die Zeit, die wir hatten, haben wir alle genossen. Ein weiterer Höhepunkt war die Fahrt nach Valencia. Freitagmorgen trafen wir uns um 8:00 Uhr am Bahnhof, um dann in eineinhalbstündiger Zugfahrt von Xàtiva nach Valencia zu gelangen. Dort trafen wir dann Herrn Gather, der bei einer Lehrerin in Valencia untergebracht war und sich sichtlich darüber freute, mal etwas länger ausschlafen zu können. In Valencia besuchten wir erst das Oceanogràfic, ein riesiges Aquarium, das im ehemaligen Bett des Flusses liegt, der vor etlichen Jahren um die Stadt geleitet wurde. Dort, wo er früher floss, entsteht nun eine „Stadt der Künste und Wissenschaften“, deren Teil auch das Oceanogràfic ist. Anschließend sind wir zu Fuß in die Innenstadt gegangen, was zwar ein kleiner Fußmarsch war, aber so schmeckte das Eis, das wir - nach dem zuerst etwas schlechteren Wetter - gemütlich am Rande eines Brunnens in der Sonne sitzend genossen. Anschließend fuhren wir mit dem Zug wieder nach Xàtiva zurück. Am Freitagabend war erst einmal Fiesta angesagt, und es dauerte bis in den frühen Morgen, bis wir alle müde in die Betten sinken konnten. Genauso am Samstagabend – erst trafen wir uns alle zusammen – die spanischen Schüler hatten es organisiert – zum gemeinsamen Essen, und anschließend trennten wir uns, um in den Straßen von Xàtiva das spanische Nachtleben kennen zu lernen. Am Wochenende hatten die einzelnen Gastfamilien untereinander Programm organisiert, und so nahmen wir teil an Ochsenrennen durch die Straßen oder genossen einfach nur die Sonne am Strand. Am Sonntag sind einige Familien zusammen mit ihren Austauschschülern in die Berge zu einer vorchristlichen Stadt gefahren, wo man archäologisch bedeutende Funde gemacht hatte. Zwar war die Führung nicht wahnsinnig interessant, weil sie auf Valenciano, der Sprache der Comunidad Autónoma Valenciana, gehalten wurde und wir so nur das Allernotwendigste verstehen konnten, doch muss fairerweise gesagt werden, dass unser Interesse an alten Steinen bei 25° und Sonnenschein nicht das allergrößte war… Doch nach der Besichtigung fuhren wir zu einem gemeinsamen Picknick an einen blauen Badesee mitten in den Bergen. Die spanischen Eltern hatten an alles, was man für ein Picknick braucht, gedacht, und so konnten wir spanische Küche und internationale Getränke (hauptsächlich Coca-Cola, um die Augen nach der kurzen Nacht aufzuhalten) auf mitgenommenen Campingstühlen genießen. Nach dem Essen sonnten wir uns am Ufer des Badesees. Als wir uns dann zum Heimweg das letzte Mal auf den Weg machten, flossen schon die ersten Tränen, und die Stimmung war doch eher gedrückt. Nun hieß es Kofferpacken, sich vielleicht noch zum Abendessen sehen und dann früh ins Bett gehen, denn am Tag nach unserer Ankunft in Deutschland sollten wir alle wieder fit für die Schule sein. Doch viele bekamen kein Auge zu, und so waren wir am Abschiedsmorgen nicht gerade erholt, als wir um 5:00 geweckt wurden – um 6:00 wollten wir mit dem Bus von der Schule aus starten. An der Schule begann dann das große Abschiedsküssen – 2 für jeden – und es waren diesmal ja auch noch Eltern und bei manchen sogar noch Geschwister dabei. Es blieb fast kein Auge tränenleer, als wir dann noch einen letzten Blick aus dem Bus warfen und die Spanier zurückließen, die uns in dieser Woche doch so sehr ans Herz gewachsen waren. Und auch als wir im Bus auf der Autobahn waren, konnte niemand den wunderbaren Anblick der aufgehenden Sonne genießen – wir wollten nicht ins 15°C kältere Deutschland zurück. Auf dem Flughafen klappte alles reibungslos, unser Flug ging pünktlich um ca. 9:30 Uhr und wir landeten um 11:55, 5 Minuten früher als geplant, in Paderborn-Lippstadt. Von dort aus fuhren wir mit dem Bus direkt bis zur Schule, wo wir – dann doch freudig – von unseren Eltern in Empfang genommen wurden. Alles in allem war dies eine tolle, durchdachte und gut geplante Reise, für deren Organisation wir Frau Martí Talens und Herrn Gather an dieser Stelle noch einmal danken möchten. Hoffentlich ergibt sich nächstes Jahr für die neuen Elfer wieder solch eine Chance!!
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