Zeit für süße Experimente

Martinschüler besuchen im Projekt "Bingo für Kids" Naturwissenschaftskurs des Bodelschwingh-Gymnasiums

Marius Giessmann in der NW am 8. Mai 2010

Gadderbaum. Wer riesig Naschen will, muss fit in Physik sein. So könnte eine Erkenntnis der rund 25 Martinschüler lauten, die gestern einen Naturwissenschaftskurs von Siebtklässlern am Bodelschwingh-Gymnasium besuchten. Unter dem Titel „Bingo für Kids” unterrichteten Schüler Schüler – und zeigen, wie man Schokoküsse aufs Dreifache wachsen lassen kann.

An sechs Tischen verteilt arbeiten konzentrierte Nachwuchsforscher. Siebtklässler in weißen Kitteln leiten Grundschüler an, zeigen den richtigen Aufbau, lassen sie experimentieren und prüfen das Ergebnis noch einmal mit Hilfe von selbst entwickelten Fragebögen.

Bevor es an den Schreibkram geht, bietet jeder Versuchsaufbau jedoch einen Aha-Effekt. An einem Tisch sprudelt eine Pfefferminz-Cola-Fontäne zur Freude der jungen Besucher, wenige Meter weiter explodierenden Überraschungseier in einem Vitaminbad. Besonderer Höhepunkt und Abschluss-Experiment des Morgens ist jedoch der Riesen-Schokokuss. „Durch das Vakuum in der Glasglocke wird die Luft aus der Sahne gezogen”, erklärt Fabia während die Süßigkeit zum Erstaunen der Grundschüler zu wachsen beginnt.

Lehrer Frank Grothus, Schulleiter Hans-Wilhelm Lümkemann und Swen Binner von der Industrie- und Handelskammer Bielefeld schauen eher zufrieden als erstaunt. „Das ist ein Lernprozess, wie man sich ihn wünscht”, sagt Lümkemann. „Ganz nebenbei ist der Reiz, selbst Lehrer spielen zu dürfen, natürlich auch etwas Besonderes für die Schüler.”

Die bekommen bereits zum siebten Mal Besuch von der Martinschule. Die gemeinsamen Experimente sind Teil des Projektes „Bingo für Kids”, das in Zu­sammenarbeit von OWL Maschinenbau, der pro Wirtschaft GT GmbH und der IHK Bielefeld den Technologiestandort Ostwestfalen stärken soll. „Dazu brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte”, sagt Binner. Darum soll das Interesse der Schüler durch Wissenstransfers zwischen Grund- und Sekundarschülern sowie Firmenbesuche geweckt werden. Zuletzt gastierten Ubbedisser Grundschüler für einen Tag in dem Hillegosser Unternehmen Dreckshage. Wie Sabine Buck, Klassenlehrerin der Martinsschülers erklärt, gibt es zudem Projekte, Kinder noch früher neugierig auf naturwissenschaftliche Berufe zu machen. „Dazu teilen unsere Schüler ihr Wissen sogar mit Kindergartenkindern.”

An diesem Morgen teilen sie außerdem die Reste ihrer Versuchsaufbauten: Als das Vakuum aufgelöst ist, machen sich gierige Finger über den zerfallenen Schokokuss her.

Das ist Bingo: 

Bingo steht für „Berufsoffensive für Ingenieur/innen in OstwestfalenLippe”, ein Projekt, das in Zusammenarbeit von Schulen, Verbänden und Firmen das Interesse junger Menschen für naturwissenschaftliche Berufe wecken will. www.bingo-owl.de

 

 

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